Kenny kriegt die Krise - Computermesse Teil 2

Kenny kriegt die Krise

Computermesse – Part 2

Wer die sechs Tage und Nächte CeBit in der Welt- und Expostadt Hannover nicht nutzt um auch ein wenig Spaß zu haben ist selber Schuld, denn hier werden tatsächlich weder Kosten noch Mühen gescheut um den Besuchern aus aller Welt ein wahrhaft berauschendes Freizeitangebot zu offerieren. Richtig gelesen, „berauschend“ darf hier absolut wörtlich genommen werden, bekommt man doch das ein ums andere Mal verstärkt den Eindruck, ein Großteil der Messebesucher sei weniger an IT-Neuigkeiten interessiert als an Promillerekorden. Punkt 18.00 Uhr, wenn die Aussteller Feierabend machen, beginnt man sich in der so genannten „Münchner Halle“ auf ein Oktoberfestnacheiferndes Trinkgelage vor, dass nördlich der Weißwurstgrenze wohl vergeblich seinesgleichen suche dürfte. So kann man hier allabendlich beobachten wie sonst eher reservierte Ost- und Südostasiaten nach nur einer Maß Oktoberfestbier komplett die Contenance verlieren. Amüsanterweise äußert sich diese ausgelassene Fröhlichkeit zunächst nicht durch wie hier landestypischem herumgegröhle und/oder ähnlich ausfallendem Verhalten, nein, im Land der aufgehenden Sonne scheint es der coolste und angesagteste Partyspaß zu sein, einen Haufen Servietten, Tischtücher oder ähnliche zufällig vorhandene Textilien aneinander zu knüpfen und wie eine lange Girlande quer durch den Saal zu führen. Der helle Wahnsinn. Mordsgaudi. Der Hammer. Ohne Scheiß!
Ein weiteres Maß Bier später hat die durchschnittliche „Frühlingsrolle“ jedoch bereits ihre Halbwertzeit überschritten und in etwa die Hälfte aller motorischen Fähigkeiten eingebüßt, womit das lustige Panzerknackerausbruchstraining dann leider auch ein jähes Ende findet. Der nächste Schritt ist unweigerlich ein Schunkelwettbewerb zwischen den Tafeln der verschiedenen konkurrierenden Firmen, nicht selten auf den Bierbänken oder im fortgeschrittenen Stadium gar den Biertischen endend. An diesem Punkt hat das, wie jeder gelegentliche Oktober- oder auch Schützenfestbesucher bereits ahnt, gerne einmal den einen oder anderen Absturz zur Folge. Sowohl im Ikarusschen als auch im Ozzy Osbourneschen Sinne. Glücklicherweise tun sich Betrunkene und Kinder ja nur sehr selten mal weh und so bleiben am nächsten Tag zumeist außer ein paar blauen Flecken und einem dicken Kopf, lediglich die hämischen Bemerkungen der Kollegen zurück. Den drohenden Gesichtsverlust in der Firma kann man dann eigentlich nur noch mit einem abwenden: der sinnvollen Investition von fünfzig Euro, dafür die original bayrische Oktoberfestkapelle für ein ganzes langes Lied ehrenhalber dirigieren zu dürfen. Tchakkaa!
Nach dem dritten Maß Bier steht den meisten Besuchern dann allerdings auch bereits der Sinn ganz gediegen nach auf- oder zumindest erbrechen. So oder so findet der Abend dann gegen elf Uhr sein sicheres Ende, wie vielen der Gäste dasselbe danach noch mit ihrem Hotelzimmer gelingt, bleibt ungewiss.
Und so beschließt der Messegast einen weiteren wunderschönen, volkstümlichen Abend auf dem Messegelände bei Hannover, unübertroffen höchstwahrscheinlich, vielleicht einmal abgesehen vom darauf folgenden. Doch oh nein, es ist ja bereits Mittwoch, und wie bei allen närrischen Tagen, ist auch auf der CeBit am „… - Mittwoch“ alles vorbei.

Text: Hendrik Menz (hendrik@menzmusic.com)