Kenny kriegt die Krise - Schaffenskrise

Kenny kriegt die Krise

Wenn es einem persönlich gut geht, man mit seinem Beruf und seinem persönlichen Leben in Einklang ist , die Gesundheit mitspielt und oben drein auch noch die Liebe, dann ist der Alltag ein laues Wässerchen das nur sehr schwer zu trüben ist. Nur gelegentlich kommen so genannte globale Probleme dem kleinen privaten Glück in die Quere und man bekommt einen kleinen Eindruck davon warum anscheinend so viele Leute um einen herum, der festen und unerschütterlichen Meinung sind, das Leben sei nichts weiter als ein großer Haufen stinkender Exkremente.

Deutschland ist Weltmeister im Jammern, und das auf einem derartig hohen Niveau, dass manch einem, weniger vom geographischen Schicksal begünstigten Erdenbürger, flugs das bescheidene Hirsegericht wieder hochkommt, welches die einzige mit gutem Gewissen Mahlzeit zu nennende Nahrungsaufnahme seit zwei Tagen darstellte. Die Deutschen hören so etwas aber nicht gerne, immerhin drehen sich ihre Gedanken um entschieden andere Dinge, beispielsweise welchen HD- fertigen Flat- Screen es sich zur WM im eigenen Land anzuschaffen gilt. Plasma oder LCD?!?
Mit ganzen drei Prozent mehr Mehrwertsteuer erhält diese Frage eine nie geahnte Relevanz. Womit wir wie mit einem Donnerschlag, direkt in der gegenwärtigen politischen Realität gelandet wären. Es kommen fette Jahre für oppositionelle, schließlich kann man nun direkt mit einem Schlag gleich beide großen „Volksparteien“ für alles Übel in diesem Land, kritisch vernichtend eins auf die Mütze geben. Die Zustimmung der Bevölkerung ist ihnen dabei schon sicher, denn wer hat denn schon gerne am Ende des Monats weniger im Portemonnaie. Das heute befasst uns mehr als das morgen und ob unsere Kinder oder Kindeskinder noch eine Rente oder gar Zahnersatz bekommen, scheint dem Durchnittsbürger auf der Straße ähnlich peripher den Allerwertesten zu tangieren wie das Schicksal vorhin genannten Hirseschlemmers.
Hauptsache Deutschland wird Weltmeister. Dann wird alles gut. Wirtschaftswunder wie in den Fünfzigern und endlich blühende Landschaften. Wie viele Stunden in der Woche die Deutschen während des so genannten Wirtschaftswunders, für eine Handvoll Mark gearbeitet haben, scheint aber heute niemand mehr wissen zu wollen. Warum auch, denn ein so bescheidenes Leben kann sich im wiedervereinigten Deutschland niemand mehr vorstellen. Damals war der Markt ein ganz anderer, die Menschen haben noch mehr konsumiert meinen dazu viele, die Wahrheit sieht allerdings genau anders herum aus. Den Aufschwung hat Deutschland zwar aus eigener Kraft geschafft, nicht zuletzt aber weil es damals keinen einzigen Menschen gab, der die sozialen Sicherungssysteme vergewaltigt hat, mit der Begründung, es gäbe ja eh zu viele Arbeitslose und das ganze bei „Birte am Mittag“ noch schnell mit dem Argument untermauert: „Warum arbeiten gehen für ein Gehalt, dass mir der Staat auch ohne einen Finger zu rühren in den Hintern schiebt?“
Die evolutionäre Entwicklung einer Generation, die Sympathie für das eigene Land für einen historisch gefährlichen Fehler und als Umkehrschluss, jedes den Staat ausnutzende Mittel für Probat und gerechtfertigt erachtet. Das gilt für Ost wie West, auch wenn ich diese Unterscheidung überhaupt nur noch unter Protest gemacht werden sollte. Im Fernsehen lief vergangene Woche eine dokumentarische Rückblende über die deutsche Einheit. Erinnert sich noch irgendjemand daran was er damals davon hielt? Oder nur noch welche negativen Gefühle der bisher suboptimale Ausgang die Wiedervereinigung uns nach und nach gebracht hat.
Wie damals steht mit der großen Koalition eine gewaltige Herausforderung vor der Tür die auch jetzt höchstwahrscheinlich wieder an menschlichen Unzulänglichkeiten scheitern wird. Gier vor Gemeinwohl, Individuen vor der Gesellschaft, das Ich vor dem Wir. Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, rangiert über der vor dem Tod.

Persönlich habe ich mehr Angst vor dem Tod. Da gibt es kein soziales System das einen auffängt, zumindest nicht wenn man keiner der, die „Paradiestheorie“ unterstützenden, Religionen angehört. Und auch dann, man kann nicht wirklich behaupten es sei schon mal jemand zurückgekehrt um die unumstrittenen Vorteile eines paradiesischen Lebens nach dem Tod detailliert zu bezeugen. Logisch, denn wenn ich nun schon einmal an diesem fantastischen Ort bin, will ich da auch ganz sicher nicht mehr weg!
Gott, Allah, Jehova, Buddha, Zeus, Odin und wer immer da noch so alles den Paradies Torsteher macht, hat hoffentlich etwas mehr Gemeinschaftssinn als Otto Normalverbraucher, denn sonst heißt es sicherlich auch bald dort: „Wir müssen draußen bleiben. Wuff!“

Text: Hendrik Menz (hendrik@menzmusic.com)

Hendrik "Kenny" Menz