Sieg im Overtime-Krimi hält Löwen am Leben
Löwen standen 53-mal an der Freiwurflinie
Was für ein Nervenkrimi und was für eine Dramaturgie. In einem bis zur Schlusssekunde packenden Spiel haben die Basketball Löwen Braunschweig am Samstagabend den Playoff-Anwärter MHP RIESEN Ludwigsburg mit 98:97 (42:42; 88:88) nach Verlängerung vor 3.151 Zuschauenden in der Volkswagen Halle besiegt. Dieser Erfolg war überlebenswichtig – im Falle einer Niederlage hätten die Löwen als sportlicher Absteiger festgestanden. „Vor dem Spiel habe ich verlangt, dass wir kämpfen“, sagte Headcoach Ramón Díaz – und genau das lieferte sein Team in dem emotionalen Achterbahnspiel, in dem David N’Guessan mit 21 Punkten zum Braunschweiger Topscorer avancierte. Bei den Gästen war Stefan Smith (26) am erfolgreichsten.
Die Partie war von Beginn an umkämpft, aber auch zerfahren. Zwar hatten die Löwen im ersten Viertel zunächst mit bis zu fünf Punkten die Nase vorn (11:6), doch war dieser Vorsprung kurze Zeit später schon wieder dahin. In der Folge konnte sich keine Mannschaft einen richtigen Vorteil erspielen und das hatte Gründe: Die Löwen trafen deutlich besser aus dem Zweierbereich und standen bereits 15-mal an der Freiwurflinie. Dafür leisteten sie sich gegen den defensiven Druck der RIESEN sechs Ballverluste, und die Gäste waren zudem von der Dreierlinie treffsicherer. Da ging bei den Löwen gar nichts, die neben den weiterhin fehlenden Barra Njie und Luka Ščuka (beide verletzt) auch auf Ferdinand Zylka (persönliche Gründe) verzichten mussten. Aber die Löwen waren engagiert und nahmen ein knappes 19:18 ins zweite Viertel.
Das begann auf beiden Seiten hektisch und fehlerhaft. Die Mannschaft von Ramón Díaz fing sich aber schneller und setzte defensiv Zeichen. Der energiegeladene Benny Schröder und Co. forcierten mehrere Ballverluste und setzten sich unterstützt durch zwei Dreier von Josh Hawley bis auf 31:22 ab (14. Min.). Ludwigsburgs Headcoach Mikko Riipinen nahm eine Auszeit und aus der kamen die Gäste deutlich fokussierter zurück. Die nutzten ihre Eins-gegen-Eins-Stärke und trafen vor allem durch Tray Buchanan und Stefan Smith hochprozentig von außen. „In einigen Phasen haben wir ihnen die Möglichkeit gegeben, zu leicht zu punkten“, sagt Díaz rückblickend. Die Folge: Im Nu hatten die Ludwigsburger das 33:33 erzielt, und ausgeglichen ging es auch in die Halbzeitpause (42:42).
Die Löwen kompensierten ihre schwächere Wurfquote bis dahin durch 15 Punkte aus zweiten Chancen und viele Freiwürfe (24). Ludwigsburg hingegen war von der Dreierlinie heiß (50 Prozent), wo das Díaz-Team nach wie vor kalt war (17 Prozent). Kalt kamen die Löwen auch aus der Kabine – mehrere erfolglose Angriffe spielten den Gästen in die Karten, die schnell auf 43:54 davongezogen waren. Genau in dieser Situation kassierte Center Simi Shittu schon sein fünftes Foul, was eine deutliche Schwächung für die Löwen darstellte. Die steckten aber nicht den Kopf in den Sand. Stattdessen bissen sie sich nach einer Auszeit ihres Trainers mit einer defensiven Steigerung und viel Einsatz zurück ins Spiel und kamen bis auf 52:54 heran. Die RIESEN konterten das wieder mal von der Dreierlinie, von der sie auch in diesem Viertel viermal erfolgreich waren und ihre Quote konstant bei 50 Prozent hielten. Dafür gingen die Löwen weiterhin regelmäßig an die Freiwurflinie.
Trotzdem ging es mit 62:67 ins Schlussviertel, doch die Löwen zeigten sich unbeeindruckt. Nach dem bereits dritten Block und einem Dunk mit Autorität von Philipp Hartwich sowie einem Dreier von Benny Schröder waren sie wieder dran (67:70). Angetrieben vom tollen und lautstarken Support von den Rängen drehten sie die Partie, verbesserten ihre Defensive gegen Smith und Buchanan und gingen nach einem weiteren Dunk des starken David N’Guessan in Führung. Die baute Joshi Obiesie auf 82:78 aus (38. Min) – der wichtige Sieg schien bereits greifbar. Allerdings schlugen die Gäste unterstützt von Löwen-Fehlern mit einem 10:1-Lauf zurück und plötzlich war der Abstieg 47 Sekunden vor dem Ende ganz nah. Die Anspannung war enorm. Ausgerechnet Bryant Crawford, der bis hierhin ebenso wie Kaza Kajami-Keane schwache Quoten aus dem Feld hatte, traf eiskalt einen Dreier und bestrafte einen forcierten RIESEN-Turnover mit einem Korbleger zur Verlängerung: 88:88! Die Halle stand Kopf.
Diesen Schwung nahmen die Löwen mit in die Overtime, in der sie schnell mit 95:88 vorne lagen (33. Min.). Doch dann folgten mehrere erfolglose Angriffe, Ludwigsburg verkürzte bis auf einen Punkt. Benny Schröder und David N’Guessan sorgten an der Freiwurflinie für das 98:94 bei noch neun Sekunden. War der Sack jetzt zu? Nein. Denn Stefan Smith versenkte drei Sekunden vor dem Ende einen weiteren Dreier. Dann ging Crawford erneut an die Charity Line: Er verfehlte den ersten Freiwurf und warf den zweiten bewusst daneben. Ludwigburg fing den Ball, drückte ab, traf aber nicht. Damit war der Sieg im Krimi endlich perfekt.
Die Trainerstimmen zum Spiel
Ramón Díaz (Basketball Löwen Braunschweig): „Vor dem Spiel habe ich verlangt, dass wir kämpfen. So wie heute zusammen zu kämpfen ist das Mindeste, was wir in jedem Spiel zeigen müssen. Ich bin zufrieden, weil wir diesen Schritt geschafft haben und weiterhin Chancen haben, da Jena verloren hat. Das haben wir in der Halbzeit erfahren und ich glaube, das hat uns zusätzliche Motivation gegeben, in diesem emotionalen Achterbahnspiel bis zur letzten Sekunde zu kämpfen. Aber wir müssen versuchen, in der Verteidigung besser zu werden. Wir wussten, dass Ludwigsburg eine Mannschaft ist, die viel im Eins-gegen-Eins spielt. Und in einigen Phasen haben wir ihnen die Möglichkeit gegeben, zu leicht zu punkten. Wir haben das nötige Talent für eine bessere Defense, wir müssen es nur abrufen.
Mikko Riipinen (MHP RIESEN Ludwigsburg): „Herzlichen Glückwunsch an Braunschweig! Sie haben einen tollen Job gemacht – vor allem, was den Einsatz angeht. Da haben wir verloren. Ich bin enttäuscht von unserer Mannschaft und davon, wie wir uns in diesem Spiel engagiert haben. Die Qualität schwankt von Spiel zu Spiel, Basketball ist komplex. Aber den Einsatz kann man kontrollieren, und der war nicht gut genug. Braunschweig hat 53 Freiwürfe geworfen, so etwas habe ich noch nie gesehen. Es war dadurch ein anderes Spiel. Aber wir müssen uns anpassen und uns auf die Dinge konzentrieren, die wir kontrollieren können. In jeder Situation geht es um mentale und körperliche Stärke, und in diesem Bereich müssen wir uns verbessern.“
Basketball Löwen: Worthy 2, N’Guessan 21 (10 Rebounds), Hawley 6, Schröder 11 (7 Rebounds), Obiesie 16, Holloway n.e., Hartwich 4 (3 geblockte Würfe), Crawford 17, Kajami-Keane 12 (5 Assists), Flanigan 6, Shittu 3 (5 Rebounds).
MHP RIESEN Ludwigsburg: Sane 7, Buchanan 19, Smith 26 (4 Assists), Hughes 9, Harris 14 (4 Assists), Anigbata 3, Wohlfarth-Bottermann 7, Tischler 7 (8 Rebounds), Kellman, Schilling, Baumer 2, Dongmo 3.
Quelle: PM 03.05.2026
