Erste Erfolge für die Artenvielfalt auf dem Hauptfriedhof
Mehr als nur Rasen
Auf dem Hauptfriedhof werden derzeit auf ausgewählten Frei- und Grünflächen ökologische Langgrasbereiche erprobt. Ziel der Maßnahme ist es, die biologische Vielfalt zu fördern und den Friedhof als wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen weiterzuentwickeln. Erste positive Ergebnisse zeigen sich bereits: Neben Feldhasennachwuchs wurde auch die streng geschützte Wechselkröte gesichtet.
Ob ungenutzte Grabfelder oder großzügige Randflächen: Der Hauptfriedhof geht neue Wege in der Grünflächengestaltung. Durch die Umstellung von intensiv gepflegtem Rasen auf extensiv bewirtschaftete Langgrasflächen wird der Friedhof nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein wichtiger Trittstein für den lokalen Naturschutz.
Langgrasflächen und Blühwiesen: Ein ökologisches Duo
Im Gegensatz zu herkömmlichen Rasenflächen werden Langgrasflächen seltener gemäht. Das Schnittgut wird konsequent entfernt, wodurch der Boden langfristig nährstoffärmer wird – Fachleute sprechen von „Abmagern“. Dies schafft die ideale Grundlage für heimische Wildstauden und Kräuter, die auf gedüngten Rasenflächen meist verdrängt werden.
Ergänzend dazu wurden bereits im Herbst 2025 in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zwei Blühwiesen am Eingang Dietrich-Bonhoeffer-Straße angelegt. Während die Langgrasflächen auf natürliche Ansiedlung setzen, wurden die Blühwiesen gezielt mit artenreichen Saatmischungen eingesät. Sie präsentieren sich aktuell in leuchtenden Rot- und Blautönen und dienen Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen als unverzichtbare Nahrungsquelle.
Erfolgsbilanz: Feldhasen und Wechselkröten zu Gast
Dass das Konzept aufgeht, beweisen die jüngsten Beobachtungen vor Ort. In den neuen Langgrasbereichen wurde bereits Feldhasennachwuchs gesichtet, der im hohen Gras Schutz findet. Zudem nutzt die streng geschützte Wechselkröte den Friedhof regelmäßig als Wanderkorridor. Diese Ansiedlungen verdeutlichen den hohen Wert der Flächen als geschützte Rückzugsräume innerhalb des Stadtgebiets.
Gezielte Pflege statt Vernachlässigung
Das veränderte Erscheinungsbild mag auf den ersten Blick ungewohnt wirken. „Ein höherer Grasaufwuchs wird teilweise fälschlicherweise als mangelnde Pflege wahrgenommen“, erklärt die Friedhofsverwaltung. „Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine fachlich begleitete Bewirtschaftung.“ Um ein gepflegtes Gesamtbild zu wahren, werden um alle ökologischen Flächen sogenannte „Sauberkeitsstreifen“ regelmäßig kurzgehalten. Diese gemähten Randbereiche schaffen optisch klare Kanten und markieren die Grenze zu den intensiv genutzten Wegen und Grabfeldern.
Sicherheit und Nutzbarkeit bleiben gewahrt
Auch Fragen zum Thema Zeckenschutz nimmt die Verwaltung ernst. Die Langgrasflächen befinden sich ausschließlich auf Arealen, die grundsätzlich nicht betreten werden sollen, wie etwa abgelaufene Grabfelder. Durch die breiten, kurz gehaltenen Sauberkeitsstreifen wird ein deutlicher Abstand zu den Gehwegen gewahrt. Für Besucherinnen und Besucher ergeben sich somit keine zusätzlichen Risiken; die Wege und Aufenthaltsbereiche bleiben uneingeschränkt und in gewohnter Qualität nutzbar.
Ort der Ruhe und der Natur
Mit diesem Projekt stärkt der Hauptfriedhof seine Doppelfunktion: Er bleibt ein Ort der Würde und der Stille, leistet zugleich aber einen aktiven Beitrag zur Klimaanpassung und zum Erhalt der heimischen Biodiversität. Die erfolgreiche Ansiedlung seltener Tierarten zeigt, dass sich eine naturnahe Bewirtschaftung harmonisch in die Friedhofskultur integrieren lässt.
Quelle: PM 09.06.2026
