Von New York nach Braunschweig
HAUM erweitert Sammlung um Graphiken von Lothar Osterburg
Spende der Günter Kalkhof Stiftung ermöglicht den Ankauf von zehn Heliogravüren des gebürtigen Braunschweiger Künstlers
Das Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) erweitert seine Graphische Sammlung um zehn bedeutende Heliogravüren von Lothar Osterburg (*1961 in Braunschweig). Den Ankauf der Werke des international renommierten Künstlers ermöglichte eine Spende der Braunschweiger Günter Kalkhof Stiftung. Die Druckgraphiken sind aktuell in der Sonderausstellung „Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn“ im HAUM zu sehen, die kürzlich bis zum 4. Oktober 2026 verlängert wurde. Es ist die erste umfassende Überblicksausstellung des in New York lebenden Künstlers in Europa.
Schlüsselwerke und museumsspezifische Arbeiten
Die erworbenen Heliogravüren decken zentrale Themen im Schaffen Osterburgs ab. Unter den Ankäufen sind bedeutende Frühwerke wie „Bridge over Brooklyn“, das die US-Wahlheimat des Künstlers mit seinem zentralen Thema der emotionalen Erinnerung verbindet. Hinzu kommen Hauptwerke aus einzelnen Serien wie „Return to the Tower“. Das Motiv mit dem schwebenden Zeppelin prägt auch das Werbemotiv der Sonderausstellung.
Einen besonderen Stellenwert im Ankaufskonvolut nehmen die Arbeiten mit direktem Bezug zum Museum ein: Die Motive der Graphiken „Cabinet of Wonders“ und „Cabinet of Buttons“ stehen inhaltlich im Bezug zur Gründung des Hauses im Jahr 1754 als Kunst- und Naturalienkabinett, während das Werk „The Wineglass“ das bekannte Vermeer-Gemälde „Mädchen mit dem Weinglas“ aufgreift, das in der Gemäldegalerie des Museums präsentiert wird. Die Serie „Mein Traum vom HAUM“ hat Lothar Osterburg eigens für die Sonderausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum geschaffen. „Das Museum war für mich lebenslang eine Quelle der Inspiration“, erklärt der Künstler, der das Museum für diese fünfteilige Serie aus unterschiedlichen Materialien wie Sand und Schnee nachbaute, anschließend fotografierte und mithilfe eines komplexen druckgraphischen Verfahrens in eine Heliogravüre verwandelte.
„Lothar Osterburg beherrscht seine Technik wie heute nur noch wenige und verbindet dies mit traumhaften visuellen Raumerfindungen. Ein Erfolg für unser Haus und nun auch ein Gewinn für das Kupferstichkabinett. Ich danke der Günter Kalkhof Stiftung sehr herzlich!“
— Dr. Thomas Richter, Direktor, Herzog Anton Ulrich-Museum
„Wir freuen uns sehr über die großzügige Spende der Günter Kalkhof Stiftung. Sie ermöglicht es uns, den Bestand des Herzog Anton Ulrich-Museums um Schlüsselwerke von Lothar Osterburg aus der Ausstellung ‘Cabinet of Wonders‘ zu bereichern. Und in besonderer Weise gilt dies für die Serie ‚Mein Traum vom HAUM‘, die aufgrund ihrer Thematik ihr Zuhause bei uns finden musste.“
— Dr. Astrid Becker, Leitung Kupferstichkabinett, Herzog Anton Ulrich-Museum
„Die Nachricht, dass das Herzog Anton Ulrich-Museum, durch eine Spende der Günter Kalkhof Stiftung ermöglicht, etliche der Drucke aus meiner Ausstellung ankaufen würde, kam für mich als willkommene Überraschung. Dieser Ankauf ergänzt die zwei bereits im Besitz des HAUM befindlichen Drucke und bildet den Grundstein einer größeren Repräsentation meiner Werke in meiner Heimatstadt. Teil der bedeutenden Druckgrafik-Sammlung des Kupferstichkabinetts zu werden, war schon seit Langem mein Traum, sodass der Ankauf der Werkgruppe ‚Mein Traum vom HAUM‘ meinen Traum vom HAUM realisiert. Dafür bin ich der Günter Kalkhof Stiftung und dem Herzog Anton Ulrich-Museum sehr dankbar!“
— Lothar Osterburg, Künstler
„Braunschweiger Museen dabei zu unterstützen, wertvolle Exponate für ihre Sammlungen zu erwerben und zu erhalten, ist das zentrale Anliegen der Günter Kalkhof Stiftung. Der Ankauf der Werke Lothar Osterburgs für das Herzog Anton Ulrich-Museum ist dafür ein wunderbares Beispiel.“
— Uwe Spengler, Günter Kalkhof Stiftung
Dr. Thomas Richter, Volker Lenz und Uwe Spengler (beide Günter Kalkhof Stiftung), Lothar Osterburg, Dr. Astrid Becker (v. l. n. r.)
(Foto: Herzog Anton Ulrich-Museum, Kathrin Ulrich)
Dauerhafter Verbleib im Kupferstichkabinett
Nach Ablauf der Sonderausstellung gehen die zehn Arbeiten in den dauerhaften Bestand der Museumssammlung über. Sie werden künftig in wechselnden Ausstellungen präsentiert und stehen Interessierten nach vorheriger Abstimmung im Studiensaal des Kupferstichkabinetts zur Ansicht zur Verfügung.
Hintergrund: Was ist eine Heliogravüre?
Die Heliogravüre ist ein aufwendiges Tiefdruckverfahren aus dem 19. Jahrhundert, das Fotografie und Radierung verbindet. Dabei wird ein Motiv durch Belichtung auf eine Kupferplatte übertragen, manuell in Säure geätzt und anschließend von Hand gedruckt. Das Verfahren zeichnet sich durch Samtigkeit, extrem feine Tonwertabstufungen und eine unvergleichliche Tiefe aus. Lothar Osterburg gilt als international führender Meister dieser selten gewordenen Technik.
Über die Ausstellung „Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn“
Mit der Schau widmet das Herzog Anton Ulrich-Museum dem 1961 in Braunschweig geborenen und in New York lebenden Künstler Lothar Osterburg seine erste umfassende Werkschau in Europa. Osterburg, dessen Arbeiten unter anderem in den Sammlungen des Metropolitan Museum of Art in New York und des Art Institute of Chicago vertreten sind, erschafft bühnenartige Bildwelten zwischen Traum, Erinnerung und Fantasie. Ausgangspunkt seiner Werke sind fragile Miniaturmodelle aus Alltagsmaterialien wie Fundholz, Seife oder Styropor. Diese setzt er fotografisch in Szene und überführt sie in die Technik der Heliogravüre. In der Ausstellung treten die selbstgebauten Skulpturen in einen direkten Dialog mit den daraus entstandenen Druckgraphiken, Videoarbeiten sowie den hypnotischen Soundscapes der Komponistin Elizabeth Brown.
Quelle: PM 24.08.2026
