Spektakulärer Fund jetzt im Museum
300.000 Jahre alter Berberaffen-Zahn erstmals im paläon Forschungsmuseum präsentiert
Bislang nördlichster Berberaffen-Nachweis in Europa – direkt aus dem Umfeld der Schöninger Speere
Ein rund 300.000 Jahre alter Milchbackenzahn eines Berberaffen (Macaca cf. sylvanus) ist erstmals öffentlich zu sehen und ab sofort im paläon Forschungsmuseum in Schöningen ausgestellt. Der knapp einen Zentimeter große, nahezu voll¬ständig erhaltene Zahn wurde an der Grabungsstelle in unmittelbarer Nähe des Museums geborgen – am selben Ort, an dem auch die berühmten Schöninger Speere gefunden wurden. Er stammt von einem etwa einjährigen Jungtier und ist der bislang nördlichste Fund dieser Primatenart auf dem euro¬päischen Festland. Das ausgestellte Original wird durch detaillierte 3D-Drucke ergänzt, die den gefundenen oberen vorderen Milchbackenzahn vergrößert zeigen. Ebenso präsentiert werden verschiedene moderne Makakenarten (Berberaffe, Javaneraffer, Rhesusaffe, Schopfaffe, Mohrenmakake), mit ihren Schädeln und Zähnen, zum direkten Vergleich.
„Mit der Universität Tübingen und dem Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenviron¬ment sowie dem Grabungsteam um Dr. Jordi Serangeli besteht eine wachsende sehr gute Zusammen¬arbeit. Wir freuen uns, dass wir nun auch aktuelle Forschungsergebnisse zeitnah im paläon Forschungs¬museum präsentieren können“, so Dr. Mike Reich, Direktor des Staatlichen Natur¬historischen Museums, an welches das paläon Forschungsmuseum 2025 angeschlossen wurde.
Der Fund erweitert die Kenntnisse über die frühere Verbreitung des Berberaffen. Während die Art heute in Nordafrika und an der Südspitze Europas in Gibraltar vorkommt, erstreckte sich ihr Verbreitungs¬gebiet im Pleistozän (ca. 2,5 Millionen bis 12.000 Jahre vor heute) über weite Teile Süd- und Mitteleuropas bis nach Deutschland und England. Im Verlauf des Pleistozäns ging die Verbreitung der Berberaffen in Europa stark zurück, bis die Art hier während der letzten Eiszeit vollständig ausstarb. Heute ist der Berberaffe in seinem verbliebenen natürlichen Verbreitungsgebiet stark vom Aussterben bedroht. Der im paläon Forschungsmuseum ausgestellte Zahn steht damit sowohl für den Artenreichtum vergangener Zeiten als auch für das Verschwinden von Arten und die Bedeutung ihres Erhalts.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Zahns erfolgte unter Leitung von Professor Dr. Thijs van Kolfschoten von der Universität Leiden gemeinsam mit Dr. Jordi Serangeli vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen und Ivo Verheijen vom paläon Forschungsmuseum. Die Ergebnisse sind jetzt in der Fachzeitschrift Quaternary Environments and Humans (doi:10.1016/j.qeh.2026.100116) erschienen.
Quelle: PM 24.09.2026
