Lebendige Vielfalt in der Lessingstad
Die 12. Wolfenbütteler Kulturnacht zieht positive Bilanz
Am Samstagabend (19. September 2026) verwandelte sich Wolfenbüttel erneut in eine offene Bühne für Kunst und Kreativität. Die 12. Wolfenbütteler Kulturnacht zog zahlreiche interessierte Gäste aus der gesamten Region an. An mehr als 40 Orten boten rund 160 Kulturschaffende ein breit gefächertes Programm – bei freiem Eintritt und ohne Gagen. Die Veranstaltung verdeutlichte einmal mehr, wie tief die Kultur in der Stadt verwurzelt ist und wie sehr sie das gesellschaftliche Miteinander stärkt. Bürgermeister Ivica Lukanic und der Vorsitzende des Kulturrates, Markus Lüdke, hoben in ihren Eröffnungsworten unisono den hohen Stellenwert dieses Engagements hervor.
Die Seele der Stadt
In seiner Eröffnungsrede betonte Bürgermeister Ivica Lukanic die zentrale Bedeutung von Kunst und Kultur für das städtische Leben. Er bezeichnete die Veranstaltung stolz als die größte Kulturbühne Niedersachsens. Eine Stadt ohne Kultur und Theater sei seelenlos, selbst wenn sie noch so gut organisiert und funktional wäre, so Lukanic. Kultur öffne neue Perspektiven, irritiere im positiven Sinne und bringe die Menschen zusammen. Genau diese verbindende Kraft stehe im Mittelpunkt der Kulturnacht, die an ungewöhnlichen Orten völlig neue und überraschende Begegnungen ermögliche.
Internationale Freundschaften und musikalische Brücken
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Teilnahme internationaler Gäste. Lukanic begrüßte das UW Parkside Quartett der University of Wisconsin aus der amerikanischen Partnerstadt Kenosha. Der Besuch der Musiker unterstreiche, wie lebendig die Freundschaft zwischen den beiden Städten sei. Die Kultur wirke hier als grenzüberschreitendes Element, das ohne lange Erklärungen auskomme und durch Melodien und Rhythmen für unvergessliche gemeinsame Erlebnisse sorge.
Dank an das Ehrenamt und die Veranstaltungsorte
Eine Veranstaltung dieser Größenordnung erfordert monatelange Vorbereitungen. Der Bürgermeister richtete seinen ausdrücklichen Dank an alle beteiligten Künstler, Musiker, Chöre sowie die Tanz- und Theatergruppen, die ihre Zeit, ihre Kreativität und ihr Können unentgeltlich zur Verfügung stellten. Ein ebenso großer Dank galt den Menschen hinter den mehr als 40 Veranstaltungsorten, die ihre Häuser, Säle, Räume und Höfe für das Publikum öffneten. Besonderes Lob erhielten der Kulturrat Wolfenbüttel sowie das städtische Organisationsteam um Frauke Ohms für die herausragende Arbeit im Vorfeld.
Eine Einladung zum Entdecken
Da es aufgrund der enormen Programmvielfalt unmöglich war, alle Stationen an einem Abend zu besuchen, richtete Lukanic einen abschließenden Appell an das Publikum. Er lud die Gäste dazu ein, sich treiben zu lassen, unbekannte Orte zu entdecken, einfach stehen zu bleiben und zuzuhören. Ziel des Abends sei es, eine Melodie, einen Gedanken oder eine besondere Begegnung als unvergessliche Erinnerung mit nach Hause zu nehmen.
Ein facettenreiches Programm auf der großen Stadtbühne
Die Vielfalt der Darbietungen spiegelte den Facettenreichtum der lokalen Szene wider. Was die Wolfenbütteler Kulturnacht besonders auszeichnet, ist die dichte, historische Kulisse der Stadt. Die kurzen Wege zwischen den Veranstaltungsorten ermöglichen es dem Publikum, sich entspannt treiben zu lassen und spontan Neues zu entdecken. Vom zentralen Stadtmarkt aus lagen markante Spielstätten wie das Schloss, der Beach Club, die Hauptkirche Beatae Mariae Virginis und der Kunstverein nahezu in Rufweite. Auch die Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt, das Lessinghaus, die Veränder.Bar und die Alte Synagoge öffneten ihre Türen. Jeder dieser Räume erzählte seine ganz eigene Geschichte und bot einen passenden Rahmen für das breit gefächerte Programm.
Die musikalische Bandbreite reichte von klassischer Orgelmusik und ruhigen Singer-Songwriter-Klängen über Jazz, Folk und Soul bis hin zu energiegeladenen Samba-Rhythmen. Ergänzt wurde das musikalische Angebot durch ausdrucksstarke Tanzperformances, inspirierende Lesungen und vielseitige Ausstellungen. So konnten sich die Besucherinnen und Besucher ihren Kulturabend ganz individuell und nach den eigenen Interessen zusammenstellen.
Doch das kulturelle Leben pulsierte nicht nur im direkten Zentrum. Auch Veranstaltungsorte außerhalb des historischen Kerns luden zu spannenden Entdeckungen ein. In der Kuba-Halle gab es mitreißende Live-Bands zu hören, während das AHA-ERLEBNISmuseum mit kreativen Mitmach-Aktionen besonders Familien anlockte. Die Lindenhalle bot den räumlichen Rahmen für großzügige Tanzchoreografien und Chorauftritte, und in der Gedenkstätte in der Justizvollzugsanstalt fanden besinnlichere, literarische Formate ihren passenden Raum. Durch die Einbindung dieser dezentralen Orte zeigte die Kulturnacht die gesamte Bandbreite der städtischen Kulturlandschaft auf.
Mit „Rock im Shuttlebus“ mobil von Ort zu Ort
Um den Besucherinnen und Besuchern einen entspannten Wechsel zwischen der Innenstadt und den etwas weiter entfernten Spielstätten zu ermöglichen, erwies sich die Logistik als großer Pluspunkt des Abends. Die KVG Braunschweig und Der Schmidt MOBILITY stellten einen kostenfreien Shuttlebus-Verkehr zur Verfügung, der die verschiedenen Standorte nahtlos miteinander verband.
Dabei war der Bus weit mehr als nur ein Transportmittel: Unter dem Motto „Rock im Shuttlebus“ wurde die Fahrt selbst zum Kulturerlebnis. Live-Musik begleitete die Fahrgäste auf ihren Wegen, sorgte bereits während des Transfers für ausgelassene Stimmung und machte die Routenplanung völlig unkompliziert. Dieses Angebot wurde rege genutzt und half maßgeblich dabei, die Besucherströme gleichmäßig über das gesamte Stadtgebiet zu verteilen.
Gelöste Stimmung und reibungslose Organisation
Die durchdachte Organisation des Kulturrates und des städtischen Teams schuf die idealen Rahmenbedingungen für diesen Spätsommerabend. In den Straßen herrschte eine friedliche und aufgeschlossene Atmosphäre. Die Gäste schlenderten interessiert von Station zu Station, nutzten die bequemen Verbindungen in die äußeren Viertel und genossen das gemeinschaftliche Erlebnis. Der enorme ehrenamtliche Einsatz aller beteiligten Künstlerinnen, Musiker und Organisatoren wurde durch den großen Zuspruch des Publikums gebührend honoriert. Gerade in Zeiten, in denen kulturelle Angebote oft unter wirtschaftlichem Druck stehen, setzte die 12. Wolfenbütteler Kulturnacht ein wichtiges Zeichen für den Erhalt und die Förderung der lokalen Kunst- und Kulturszene. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, welches kreative Potenzial in der Region steckt und dass kulturelle Werte gesellschaftliche Anerkennung verdienen. Die Kulturnacht hinterlässt den bleibenden Eindruck, dass Kultur in Wolfenbüttel aktiv, flächendeckend und vor allem gemeinsam gelebt wird.
Fotos von der Kulturnacht auf Flickr: https://flic.kr/s/aHBqjD3gZK
Quelle: PM 20.09.2026
