Eröffnung der Ausstellung „Cabinet of Wonders"
Lothar Osterburg – Back from Brooklyn
Full Circle Moment: Lothar Osterburg – Back from Brooklyn
Zwischen New Yorker Subway und Herzog Anton Ulrich-Museum: Braunschweiger Künstler kehrt mit seinem „Traum vom HAUM“ zurück in seine Heimat
Das Herzog Anton Ulrich-Museum (HAUM) in Braunschweig präsentiert vom 24. April bis 30. August 2026 die Sonderausstellung „Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn“. Für den 1961 in Braunschweig geborenen und heute in New York lebenden Künstler Lothar Osterburg markiert die Schau einen „Full Circle Moment“: Sie macht die Verbindung zwischen seiner frühen künstlerischen Prägung durch die HBK Braunschweig und seiner internationalen Karriere in den USA sichtbar. Mit dieser Sonderausstellung widmet das HAUM dem renommierten Druckgraphiker die erste umfassende Werkübersicht in Europa.
Lothar Osterburg beschreibt diesen Moment so:
„Die Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum schließt für mich sowohl einen geografischen als auch symbolischen Kreis, der vor 50 Jahren mit ersten Malversuchen im jugendlichen Schlafzimmer in der Moltkestraße unweit von hier anfing und mit Umweg über San Francisco, New York City und einem fast 400-qm-Atelier in New Yorks Hudson Valley wieder zurück nach Braunschweig geführt hat. Gleichzeitig erfüllt sich damit auch der Traum eines jeden Künstlers, mit einer Ausstellung in einem renommierten Museum gewürdigt zu werden.“
Zwischen Brooklyn und Braunschweig: Eine Reise durch Traum und Zeit
Lothar Osterburg hat in den USA eine einzigartige künstlerische Sprache entwickelt: Seine Arbeiten zeigen Stationen einer imaginären Reise, die von den altmeisterlichen Bildwelten Pieter Bruegels d. Ä. und den düsteren Visionen Piranesis bis in die Straßenzüge Brooklyns führen.
Osterburgs Kunst bewegt sich dabei in einem surrealen Zwischenreich: Der seit 1987 in den USA lebende Künstler baut fragile, bewusst unvollkommene Miniaturmodelle aus Alltagsmaterialien wie Fundholz, Seife oder Styropor, um diese anschließend fotografisch und druckgraphisch zu inszenieren. Das Ergebnis sind menschenleere, oft melancholische Szenerien – von anachronistischen Zeppelinen über dem Empire State Building bis hin zu mysteriösen Baumhäusern.
Heliogravüre: Die Magie des samtigen Schwarzweiß
Eine besondere Rolle im künstlerischen Schaffen Osterburgs spielt die Heliogravüre, ein mittlerweile selten angewandtes Tiefdruckverfahren des 19. Jahrhunderts, das er als „Master Printer“ in San Francisco in Zusammenarbeit mit Künstler*innen wie Christian Boltanski, Kiki Smith oder auch John Baldessari perfektionierte. Diese Technik verleiht seinen Werken ein tiefes, samtiges Schwarzweiß und eine tranceartige Wirkung, die an expressionistische Stummfilme oder den Film Noir erinnert. Ausgangspunkt sind selbstgebaute Skulpturen und Modellbauten, die Osterburg fotografisch inszeniert und anschließend in Heliogravüren überführt. In der Ausstellung sind einige dieser Modelle selbst zu sehen und treten in einen Dialog mit den daraus entwickelten Druckgraphiken und Videoarbeiten, ergänzt durch die hypnotische Musik seiner Frau, der Komponistin Elizabeth Brown.
„Mein Traum vom HAUM“ – Das Museum als Kunstwerk
Ein Highlight der Ausstellung bildet die wachsende Werkgruppe „Mein Traum vom HAUM“: Inspiriert von Kindheitserinnerungen schuf Osterburg ein detailreiches Modell des historischen Museumsbauwerks. „Das Museum war für mich lebenslang eine Quelle der Inspiration“, erklärt der Künstler.
In seiner Interpretation öffnet Osterburg die Architektur des Bauwerks und legt ein surreales Innenleben frei. Hier begegnen sich kunsthistorische Epochen und persönliche Biografie: Neben der Studierklause des Heiligen Hieronymus, einem Museumsdepot und einem Atelierraum erscheint eine New Yorker Subway-Station der Linien F und G, die als Verweis auf Brooklyn Osterburgs Verbindung zwischen alter und neuer Heimat aufgreift. Besonders raffiniert ist der Perspektivwechsel, den der Künstler vollzieht: Er ermöglicht einen Blick von außen durch jenes Fenster, hinter dem sich seit Jahrhunderten Vermeers berühmtes „Mädchen mit dem Weinglas“ verbirgt. In dieser Vision verschmelzen reale Architektur, Meisterwerke der Sammlung und die fiktive Welt des Künstlers zu einer magischen Einheit.
Dr. Astrid Becker, Leiterin des Kupferstichkabinetts / Digitalität und stellvertretende Museumsdirektorin:
„Für das HAUM ist es ein Geschenk, diese Ausstellung zu Lothar Osterburg eröffnen zu können. Sein Werk steht für die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart wie für gattungsübergreifende Erlebniswelten – dadurch wirkt es exemplarisch für unseren Ansatz, dieses Museum für Neues zu öffnen!“
Internationale Anerkennung
Osterburgs Arbeiten sind in der Sammlung des Herzog-Anton-Ulrich-Museums und auch weltweit in weiteren bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter im Metropolitan Museum of Art, im Art Institute of Chicago und im China Printmaking Museum in Shenzhen. Die Ausstellung im Herzog Anton Ulrich-Museum rückt nun diesen „Braunschweiger Weltbürger“ ins Zentrum der Aufmerksamkeit und lädt die Besucher*innen ein, die Grenzen zwischen Realität und Imagination zu überschreiten.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (dt./engl.) der zum Preis von 19,50 Euro im Museumsshop erhältlich ist. Die ersten 50 Exemplare sind vom Künstler signiert worden. Im Begleitprogramm erwarten die Besucher*innen unter anderem Künstlerführungen mit Lothar Osterburg, ein Gespräch zwischen dem Künstler und Maria Ondrej (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) sowie reguläre und KI-gestützte Führungen, die in Zusammenarbeit mit der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften entstanden sind.
Daten und Fakten
Ausstellungstitel: Cabinet of Wonders. Lothar Osterburg back from Brooklyn
Kurator*innen: Prof. Dr. Thomas Döring (Idee und kuratorisches Konzept), Dr. Astrid Becker (Realisierung)
Laufzeit: 24. April bis 30. August 2026
Ausstellungsort: Herzog Anton Ulrich-Museum, Museumstr. 1, 38100 Braunschweig
Öffnungszeiten: Di – So von 11 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: Erwachsene 9 €, ermäßigt 7 €, Kinder (6–17 Jahre) 2 €
Website: 3landesmuseen-braunschweig.de/herzog-anton-ulrich-museum/ausstellungen/cabinet-of-wonders
Katalog: 165 Seiten, 104 Abbildungen, deutsch-englische Ausgabe, 19,50 €, erhältlich im Museumsshop
Quelle: PM 23.04.2026
