Ein Prachtkabinett für das Holländische Service
Ein Prachtkabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel
Die 185 Teile des hochwertigen barocken Fürstenberger Porzellans haben einen festen Platz gefunden: Feierlich eröffnete der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Falko Mohrs am Mittwochabend, 21. Oktober 2026, im Schloss Museum Wolfenbüttel das neugestaltete Porzellankabinett, das ab sofort das 1773/74 in der Porzellanmanufaktur Fürstenberg hergestellte Holländische Service zeigt. Es handelt sich um ein mit holländischen Küstenlandschaften bemaltes Werk europäischer Porzellankunst. Das zugleich umfangreichste erhaltene Landschaftsservice des 18. Jahrhunderts und berühmte Kulturgut von nationaler Bedeutung kehrte 2024 nach Deutschland zurück – und ist jetzt dauerhaft im Wolfenbütteler Schloss Museum ausgestellt.
1774 bestellte ein bis heute unbekannter niederländischer Auftraggeber bei der Fürstenberger Manufaktur das Holländische Service. Bemalt wurde es in der Fürstenberger Buntmalerei unter der Leitung des berühmten Landschaftsmalers Pascha Weitsch in Braunschweig. Da später der vermögende Kaufmann und Rotterdamer Bürgermeister Willem Suermondt (1740–1828) das Service in seiner Amtszeit zwischen 1811 und 1813 erwarb, wurde das Ensemble viele Jahre als das „Suermondt-Service“ bezeichnet. Ab 1957 befand sich das Fürstenberger Porzellanservice im Besitz einer luxemburgischen Familie, zwischenzeitlich galt das außergewöhnliche Kunstwerk aus Porzellan bei Experten sogar als verschollen. Mit Hilfe bedeutender nationaler Stiftungen, des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und einzelnen Stifterinnen und Spendern konnte das einmalige Fürstenberger Porzellan 2024 für das Schloss Museum Wolfenbüttel erworben werden; jetzt wertet es die barocke Dauerausstellung des Schloss Museums weiter auf, nachdem regionale Stiftungen die Umgestaltung des Porzellankabinetts erneut großzügig finanziell unterstützt hatten.
Die Eröffnungsfeier des neuen Porzellankabinetts im Schloss Museum Wolfenbüttel. (Foto: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel)
„Das Schloss Museum Wolfenbüttel ist ein Ort, an dem niedersächsische Kulturgeschichte auf besondere Weise sichtbar wird. Das neue Porzellankabinett macht die Anfänge der Porzellanmanufaktur Fürstenberg dort erlebbar, wo diese Geschichte mit Unterzeichnung der Gründungsurkunde ihren Ausgang nahm. Die Ausstellung ist so gestaltet, dass sie neugierig macht und Menschen jeden Alters anspricht. Sie lädt dazu ein, die Geschichten hinter den Objekten zu entdecken und die Bedeutung dieses Kulturguts von nationaler Bedeutung auf vielfältige Weise kennenzulernen“, sagte Kulturminister Falko Mohrs anlässlich der Eröffnung des neuen Porzellankabinetts im Schloss Museum Wolfenbüttel.
Falko Mohrs, Niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur, zusammen mit Stifterinnen und Stiftern, der Agentur Gewerkdesign, Berlin, und Vertreterinnen und Vertretern der Stadt Wolfenbüttel. (Foto: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel)
„Wir freuen uns, dass das Holländische Service, gefertigt in Fürstenberg, bemalt in Braunschweig, in das Braunschweiger Land zurückgekehrt ist. Viele Jahre hatten wir nach einem bedeutenden Fürstenberger Porzellanservice des 18. Jahrhunderts gesucht, nur mit der großzügigen Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums und namhafter Stiftungen, denen wir zu großem Dank verpflichtet sind, konnte das einzigartige Fürstenberger Porzellanservice von der Luxemburger Familie erworben werden. Damit schließt sich ein Kreis, denn 1747 war die Manufaktur Fürstenberg durch den merkantilistischen Herzog Karl I. im Schloss Wolfenbüttel gegründet worden“, erklärte Dr. Sandra Donner, Leiterin des Museums Wolfenbüttel, und lobte die von der Berliner Ausstellungsagentur gewerkdesign konzipierte und umgesetzte Ausstellung: „Das 300 Jahre alte Holländische Service wird im historischen Porzellankabinett würdig und zugleich nach neuestem Ausstellungsdesign präsentiert. Wir haben es gemeinsam geschafft, dass alle 185 Teile in nur einem Raum gezeigt werden, sodass die Fülle aber auch die Schönheit des einzigartigen Fürstenberger Porzellan-Kulturgutes perfekt zur Geltung kommen.“
Die drei Vitrinen aus Metall und Glas aber auch der in die Ausstellung perfekt integrierte originale barocke Schrank aus der Zeit des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessings beherbergen jetzt eines der berühmtesten Tafelservice der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Und zwei anschaulich gestaltete Bücher an werkbankartigen Leseplätzen laden dazu ein, die Arbeit der Porzellanmaler und die wechselvolle Reise des Services zu entdecken.
Ein Blick in das neue Porzellankabinett für das Holländische Service im Schloss Museum Wolfenbüttel. (Fotos: Andreas Greiner-Napp / Museum Wolfenbüttel)
„Die besondere Herausforderung bestand darin, alle 185 Teile des Holländischen Services so zu präsentieren, dass sowohl die beeindruckende Fülle als auch die künstlerische Qualität jedes einzelnen Stücks zur Geltung kommen. Mit leichten Vitrinen aus Glas und Gaze sowie einer auf Raum und Porzellan abgestimmten Farbigkeit haben wir eine Präsentation entwickelt, die dem Service und den historischen Räumlichkeiten gleichermaßen Raum gibt“, so Jens Imig, Geschäftsführer der Berliner Ausstellungsagentur gewerkdesign. „Die lange Reihe der Teller-Präsentation vor den Fenstern in einem der schönsten Räume des Schlosses und ein dezenter Landschaftsdruck auf der Gaze greifen die Horizonte der holländischen Bildmotive auf und verbinden sie mit dem wieder geöffneten Blick auf den Schlossplatz – dem Stadthorizont. Tageslicht und gezielt gesetztes Kunstlicht machen das Porzellan in seiner Feinheit erfahrbar, während der Schutz der historischen Wandmalereien Teil des Gestaltungskonzepts ist. Im Zusammenspiel der vielen gestalterischen Andeutungen werden die Geschichten und die Besonderheit des Services subtil und sinnlich erfahrbar, ohne die Betrachtung didaktisch zu überlagern.“
Die Ausgestaltung des Porzellankabinetts für die Präsentation des Holländischen Service ermöglichten durch ihre finanzielle Unterstützung das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stiftung Zukunftsfonds Asse, Die Braunschweigische Stiftung, die Hans und Helga Eckensberger Stiftung und der Förderverein Museum Wolfenbüttel e.V.
Im Juli 2026 war bereits der 186 Seite umfassende hochwertige Katalog zum Holländischen Service im Schloss Museum Wolfenbüttel erschienen.
Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr
Quelle: PM 22.10.2026
