Konjunkturflaute hält an – Industrie verliert weiter an Boden
Die Konjunktur kommt nicht in Schwung
Die Konjunktur im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg kommt nicht in Schwung. Besonders in der Industrie hat sich die Stimmung verschlechtert. Hohe Kosten und schwierige wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen belasten die Unternehmen.
Die Wirtschaft im Raum Braunschweig-Wolfsburg steckt weiter in der Konjunkturflaute. Der Konjunkturklimaindikator ist im dritten Quartal 2026 lediglich um einen Punkt auf 80 gestiegen und liegt damit weiterhin deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Das zeigt der gemeinsame Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer Braunschweig und der IHK Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW). An der Befragung haben sich 284 Unternehmen aus dem Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg im Zeitraum von Mitte September bis Anfang Oktober 2026 beteiligt.
„Der lang ersehnte Aufschwung aus eigener Kraft lässt weiter auf sich warten“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Staatliche Nachfrageimpulse stützen die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig machen Lieferengpässe, US-Zölle und der teils unfaire Wettbewerbsdruck aus China unseren exportierenden Unternehmen zu schaffen. Dazu kommen hausgemachte Probleme: Hohe Energie- und Lohnnebenkosten, hohe Steuern und zu viel Bürokratie. Das alles bremst unsere Wirtschaft.“
Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich aus. Besonders deutlich zeigt sich die anhaltende Schwäche in der Industrie: Hier ist der Konjunkturklimaindikator gegenüber dem Vorquartal von 83 auf 74 Punkte gesunken. Im Einzelhandel verharrt er bei 60 Punkten (Vorquartal: 60), im Dienstleistungssektor liegt er bei 88 Punkten (Vorquartal: 89).
Auch die Einschätzungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zur weiteren Entwicklung bleiben überwiegend skeptisch. Nur jeder fünfte Betrieb bewertet seine Lage als gut, gut ein Viertel als schlecht. Mehr als die Hälfte bezeichnet sie als befriedigend. Für die kommenden Monate erwarten lediglich zehn Prozent der Unternehmen eine Verbesserung. Vier von zehn Betrieben rechnen dagegen mit einer Verschlechterung. Der Saldo der Geschäftserwartungen verharrt bei minus 31 Punkten. Seit mehr als vier Jahren liegt der Konjunkturklimaindikator unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Eine vergleichbar lange Schwächephase hat es in der regionalen Konjunkturbeobachtung bislang nicht gegeben.
Als größtes Geschäftsrisiko nennen die Unternehmen erneut die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Mehr als 60 Prozent sehen zudem hohe Energie- und Rohstoffpreise als Belastung. Jeweils rund drei von fünf Betrieben sorgen sich um hohe Arbeitskosten und eine schwache Inlandsnachfrage. Die Mehrheit der befragten Unternehmen spricht sich für sinkende Sozialversicherungsbeiträge aus. Fast die Hälfte der Betriebe wünscht sich zudem weniger gesetzliche Vorgaben bei Arbeitszeiten und einen flexibleren Kündigungsschutz.
Dem schließt sich Dr. Florian Löbermann, Hauptgeschäftsführer der IHK Braunschweig, an und ergänzt: „Trotz der gestiegenen generellen Wachstumsprognosen der letzten Wochen deutet der minimale Anstieg des Konjunkturklimaindikators keine Verbesserung der Großwetterlage in unserer Region an. Die grundlegenden strukturellen Probleme bestehen weiter. Es braucht unter anderem wettbewerbsfähige Energiepreise sowie den konsequenten und spürbaren Abbau bürokratischer Lasten für eine tragfähige Verbesserung der konjunkturellen Lage. Aus angekündigten Reformen müssen endlich spürbare Veränderungen für Unternehmen werden, um eine Trendwende zu ermöglichen.“
Neben den konjunkturellen Herausforderungen beleuchtet der Bericht auch den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) in den Unternehmen. Eine Sonderauswertung zeigt, dass rund 87 Prozent aller befragten Unternehmen bereits KI-Anwendungen nutzen. Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen erwartet, dass der Einsatz der Technologie ihren Personalbestand verringern wird. Gut jeder zweite Betrieb rechnet langfristig mit deutlichen Veränderungen der Tätigkeitsprofile. Die Hälfte der Unternehmen sieht Qualifizierungs- und Weiterbildungsbedarf im Bereich KI.
Der vollständige Konjunkturbericht mit weiteren Daten, Grafiken und Erläuterungen ist unter https://www.ihk.de/braunschweig/konjunktur abrufbar.
Quelle: PM 16.10.2026
