Ausbildungsstart 2026 mit weniger Verträgen
Chancen für einen späteren Start in eine Ausbildung bestehen
Start in einen neuen Lebensabschnitt – Ausbildungsstart 2026 mit weniger Verträgen, Chancen für einen späteren Start in eine Ausbildung bestehen
Für viele junge Menschen ist der 1. August der Start in einen neuen Lebensabschnitt. Mit dem Beginn der Ausbildung treten sie ihren Weg in das Berufsleben an und werden in den nächsten Jahren viele neue Erfahrungen machen.
„Ein neuer Lebensabschnitt ist immer spannend. Und gerade der Weg von der Schule in die Ausbildung ist ein besonderer: es ist der erste Schritt in die eigene Selbstständigkeit. Das Leben verändert sich spürbar. Wo vorher noch ein Stundenplan vorgegeben hat, was am Tag geschieht, sind es nun Ausbildungsplan und Unternehmensalltag, die den Tagesrhythmus vorgeben. Auf die neuen Auszubildenden warten viele neue Erfahrungen, die sie auf ihrem Weg zur Fachkraft begleiten werden,“ sagt Dr. Kirsten van Elten, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin und Abteilungsleiterin Beruf & Bildung der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.
Zum 31. Juli wurden bei der IHK Braunschweig 1.531 neue Ausbildungsverträge, und damit 224 Verträge weniger als im Vorjahr, eingetragen. Van Elten sieht die Herausforderungen des Matchings zwischen Ausbildungsbetrieb und potenziellen Auszubildenden, aber auch die noch vorhandenen Chancen:
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Neueintragungen zurückgegangen. Auch wenn davon auszugehen ist, dass noch weitere Verträge geschlossen werden, spiegeln die aktuellen Zahlen, die Herausforderungen der dualen Ausbildung wider:
„Beispielsweise werden Entscheidungen für eine Ausbildung immer später von Schülerinnen und Schülern getroffen, Unternehmen entscheiden sich aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage weniger auszubilden oder ein weiterer Schulbesuch wird einer Ausbildung vorgezogen.
Da in vielen Betrieben das Ausbildungsjahr traditionell am 1. August oder 1. September eines Jahres startet, ist vielen Schülerinnen und Schülern nicht bewusst, dass auch danach noch ein Start in eine Ausbildung möglich sei“, sagt sie.
Die jährlich durch die Industrie- und Handelskammern durchgeführte Ausbildungsumfrage verdeutlicht, dass die duale Ausbildung für viele Unternehmen weiterhin einen hohen Stellenwert hat. Gleichzeitig verdeutlicht sie, dass die Gewinnung geeigneter Nachwuchskräfte und die Stärkung der Ausbildungsreife junger Menschen weiterhin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe bleibt.
Im Kammerbezirk der IHK Braunschweig zeigt sich, dass trotz schwieriger politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen viele Unternehmen an ihrem Ausbildungsengagement festhalten. 56 Prozent der Betriebe bieten unverändert viele Ausbildungsplätze wie im Vorjahr an. Rund ein Viertel der Unternehmen reduziert hingegen das Ausbildungsangebot. Als Gründe werden neben dem Mangel an geeigneten Bewerbungen auch organisatorische Veränderungen im Betrieb genannt. Teilweise schwankt die Zahl der Ausbildungsplätze zudem, weil Unternehmen nur in bestimmten Zyklen (bspw. alle 3 Jahre) ausbilden.
Im Vergleich zum Vorjahr gab es eine leichte Steigerung der Ausbildungsplatzbesetzung zu verzeichnen: Rund 60 Prozent der teilnehmenden Unternehmen gaben an, dass sie ihre angebotenen Ausbildungsplätze besetzen konnten. Dennoch bleiben Ausbildungsplätze, trotz Fachkräftemangel und Bemühungen zur Besetzung, unbesetzt.
Als eine Herausforderung bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen nennen die teilnehmenden Betriebe insbesondere die Ausbildungsreife junger Menschen. Waren es im letzten Jahr bereits mehr als 80 Prozent der Betriebe so stellen in der diesjährigen Umfrage mehr als 90 Prozent der Unternehmen Defizite bei der Ausbildungsreife fest.
Neben fehlenden schulischen Grundfertigkeiten sehen die Betriebe insbesondere Schwächen bei Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit. Um Defizite auszugleichen, bieten bereits mehr als 30 Prozent der Unternehmen eigene Nachhilfe- oder Unterstützungsangebote für ihre Auszubildenden an.
„Viele Unternehmen unterstützen ihren Auszubildenden von Beginn an: Sei es über hauseigene Angebote oder externe Dienstleister. Fakt ist: Nicht alle Defizite können während der Ausbildung aufgeholt werden. Es ist wichtig, dass durch die Politik gesetzliche Rahmenbedingen geschaffen und geplante Reformen umgesetzt werden, um die Ausbildungsbetriebe und die nächste Generation Fachkräfte zu unterstützen,“ unterstreicht van Elten.
Zusätzlich fehle oft die Orientierung der jungen Menschen. Bei mehr als 300 verschiedenen Ausbildungsberufen falle die Entscheidung für einen Ausbildungsberuf oder eine Fachrichtung nicht immer leicht. Laut van Elten sei es hilfreich sich möglichst umfassend zu informieren. Beispielsweise gibt die bundesweite Ausbildungskampagne Jetzt#Könnenlernen aller IHKs einen guten Überblick über verschiedene Berufsbilder, Praxisberichte von Auszubildenden geben einen Eindruck in den Ausbildungsalltag. Auch Gespräche mit Freunden, Familien und Bekannten können hilfreich sein und Perspektiven aufzeigen.
Positiv ist, dass jeder zweite Betrieb seine Auszubildenden in ein Arbeitsverhältnis nach der Ausbildung übernimmt. Darüber hinaus investieren viele Unternehmen in die langfristige Entwicklung ihrer jungen Fachkräfte. Rund 65 Prozent bieten in diesem Zusammenhang Seminare und Lehrgänge zur Weiterbildung an. Ein Viertel ermöglicht zudem den Erwerb einer höheren Berufsqualifikation, beispielsweise als Bachelor Professional, Fachwirt oder Meister.
„Viele Unternehmen fördern ihre selbst ausgebildeten Fachkräfte in der beruflichen Weiterentwicklung. Auszubildenden kann eine Übernahmeaussicht mit anschließenden Weiterentwicklungsmöglichkeiten, Sicherheit und eine Zukunftsperspektive eröffnen – beides ist vielen aktuell sehr wichtig,“ sagt van Elten weiter.
Wer noch auf der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz ist, kann auf der Seite www.meine-ausbildung-in-niedersachsen.de fündig werden.
„Die Website bündelt Ausbildungsangebote von Internetseiten der jeweiligen Firmen und der Agentur für Arbeit. Für unseren Bezirk sind aktuell rund 1300 Ausbildungs- und Studienstellen gelistet“, so van Elten.
Um Unternehmen und Schülerinnen und Schüler beim Matching zu unterstützen, bietet die IHK Braunschweig im November bereits zum vierten Mal den „Karriere Kick“ an. Auf dem Karriere Kick, der am 6. November stattfindet, können sich Unternehmen und potenzielle Auszubildene beim gemeinsamen Kickern kennenlernen. Dabei wird ein Vertreter des Unternehmens mit einem Schüler/einer Schülerin gematcht, die als Team gegen ein anderes Team spielen. In den vergangenen Jahren haben so viele Jugendliche und Unternehmen zueinander gefunden. Nähere Informationen finden sich unter www.braunschweig.ihk.de/KarriereKick.
Quelle: PM 31.07.2026
