Weichenstellung für die regionale Mobilitätswende
Planungsstand der Radschnellverbindung Braunschweig–Wolfenbüttel–Salzgitter vorgestellt
Im historischen Ratssaal der Stadt Wolfenbüttel kamen am Donnerstagabend zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zusammen, um den aktuellen Planungsstand der Radschnellverbindung (RSV) zwischen Braunschweig, Wolfenbüttel und Salzgitter zu diskutieren. Im Zentrum des zweiten Bürger-Workshops standen die Bewertung der bisherigen Trassenvorschläge sowie die Vorstellung der drei verbleibenden Hauptvarianten.
Zu Beginn der Veranstaltung unterstrich Roland Böttcher vom Regionalverband die überregionale Relevanz des Vorhabens. Der Regionalverband koordiniert das Projekt im Auftrag der beteiligten Städte. „Wir verfolgen klare Ziele: Die Verkehrswende und die massive Einsparung von CO2“, so Böttcher. Da der Verkehrssektor seine Klimaziele bislang verfehlt, stellt der Bund umfangreiche Fördermittel bereit, um Pendlerverkehre vom Auto auf das Rad zu verlagern. Die nun konkretisierten Korridore wurden als die potenzialreichsten Wegeverbindungen im Großraum identifiziert.
Stadtbaurat Klaus Benscheidt: „Wir arbeiten an der Aufwertung vorhandener Wege, was sowohl Kritiker als auch Befürworter des Projekts zusammenführt.“
(Foto: Stadt Wolfenbüttel)
Systematische Auswahl: Vom Korridor zur konkreten Trasse
Seit dem ersten Workshop-Termin hat das Team des Planungsbüros BPR eine gewaltige Datenmenge verarbeitet. Insgesamt flossen rund 300 thematische Hinweise, 77 übergreifende Anmerkungen sowie über 100 konkrete Trassenvorschläge aus der Bevölkerung in die Bewertung ein. „Jeder Hinweis wurde protokolliert und mit einer Identifikationsnummer versehen, um maximale Transparenz zu gewährleisten“, erläuterte die Planerin. „Wir haben alle Abschnitte einer detaillierten Bewertung von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) unterzogen. Varianten der Kategorie 5 und 6 mussten wir aufgrund mangelnder Realisierbarkeit – etwa wegen unlösbarer Konflikte beim Grunderwerb oder massiver ökologischer Hürden – aus der weiteren Planung nehmen.“
Ein markantes Beispiel ist der Bereich südlich des Lechlumer Holzes (Variante 3M). Trotz des Potenzials musste dieser Abschnitt verworfen werden, da ein Scoping-Termin mit Naturschutz- und Wasserbehörden sowie dem BUND ergab, dass eine notwendige Verbreiterung der Wege im Landschaftsschutzgebiet rechtlich nicht genehmigungsfähig ist. „Wir müssen hier streng auf den Schutz von Quartieren für Fledermäuse und Brutvögel achten“, so die Planer.
An den Dialogstationen diskutierten die Teilnehmer intensiv über die verbliebenen Varianten.
(Foto: Stadt Wolfenbüttel)
Das „Y-Modell“: Kilometer für die Region
Die aktuelle Vorzugsplanung sieht ein Netz in Y-Form vor, dass die drei Städte effizient verknüpft. Die Gesamtlänge der Radschnellverbindung beläuft sich - je nach Variante auf eine Strecke zwischen 17,5 und 22 Kilometern. Besonders attraktiv für Pendler: Die Verbindung zwischen dem Wolfenbütteler Schlossplatz oder Am Herzogtore und dem Braunschweiger Europaplatz wird ungefähr 13 Kilometer lang sein. Charakteristisch für die Planung ist der hohe Anteil an eigenständig geführten Radwegen, die abseits des Autoverkehrs verlaufen. Lediglich in den verdichteten Innenstadtbereichen sind Fahrradstraßen oder straßenbegleitende Wege vorgesehen.
An den Dialogstationen diskutierten die Teilnehmer intensiv über die verbliebenen Varianten.
(Foto: Stadt Wolfenbüttel)
Bürgerdialog: „Kein Königsweg, aber konstruktive Lösungen“
An vier interaktiven Dialogstationen diskutierten die Teilnehmer intensiv über die verbliebenen Varianten. Dieter Frauenholz vom beteiligten Büro KoRiS (Hannover) beobachtete dabei eine sachliche Atmosphäre: „Es gibt nicht den einen Königsweg, der alle überzeugt, aber wir sehen klare Tendenzen.“ Ein zentraler Diskussionspunkt war die Anbindung Wolfenbüttels am Punkt „Am Herzogtore“. Die Bürger sehen hier die Chance, durch die Radschnellverbindung die Verkehrssicherheit am Knotenpunkt zu erhöhen. Durch eine Neuverteilung der Verkehrsflächen könnte dort nicht nur die RSV geführt, sondern die allgemeine Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Kritisch hinterfragt wurde hingegen ein möglicher Schwenk der Trasse über Leiferde in Richtung Westen.
Klaus Benscheidt, Stadtbaurat von Wolfenbüttel, unterstrich in seinem Schlusswort die Relevanz des Projekts: „Wir erfinden das Rad nicht neu, sondern arbeiten im Bestand. Es geht darum, vorhandene Wege so aufzuwerten, dass sie eine echte Alternative zum Auto darstellen. Wir arbeiten an der Aufwertung vorhandener Wege, was sowohl Kritiker als auch Befürworter des Projekts zusammenführt.“
An den Dialogstationen diskutierten die Teilnehmer intensiv über die verbliebenen Varianten.
(Foto: Stadt Wolfenbüttel)
Transparenz im weiteren Verfahren
Der Beteiligungsprozess ist mit dem zweiten Bürgerworkshop noch nicht abgeschlossen. Dieter Frauenholz vom begleitenden Büro KoRiS betonte, dass sämtliche Hinweise dokumentiert und auf ihre fachliche Eignung geprüft werden. Um eine Beeinflussung der noch ausstehenden Workshops in den Nachbarstädten zu vermeiden, werden die detaillierten Planunterlagen erst nach dem letzten Termin online gestellt.
