Umzugsstress im Hause Hund

Es kommt immer anders als man denkt: Das könnte das Motto meiner Kolumne hier werden. Da ziehen erneut 3 Monate ins Land ohne dass ich ein Wort hier geschrieben habe. Das Leben funkte mal wieder zwischen mich und meine leere Wordseite. Wir sind umgezogen.

Eigentlich sagt dir jeder immer wieder, dass so ein Umzug verdammt stressig sei. Doch wie immer hören wir nicht auf die anderen. Bei uns wird es ganz anders, weniger stressig, ganz entspannt. Und auch wenn wir uns tatsächlich an unseren Vorsatz gehalten haben, uns nicht stressen zu lassen, von Problemen auf der Baustelle an den letzten Tagen und fehlenden Möbeln, so hat uns unser Haus doch sehr eingenommen, man könnte sagen, gerade zu verschluckt. Selbst jetzt, gut 2-3 Monate nach dem Umzug sind wir immer noch nicht fertig. Da ist dieses elendige Gerüst, welches uns immer noch daran erinnert, dass es noch offene Dinge auf einer To-Do-Liste gibt, welche nicht ich abhaken kann, sondern die Handwerker. Da sind noch Kartons, so viele Kartons, die nicht ausgepackt sind, und die ich am liebsten vollständig wegschmeißen möchte, da ich doch nicht mehr so viel Kram besitzen will. Dann ist da die Kellertreppe, die noch immer von einer dünnen Staubschicht überzogen ist und der Dachboden, der sich wünscht bitte von seiner Mutter aus dem Spielparadies abgeholt zu werden. Chaos pur – doch wisst ihr was? Ich liebe es.

Ich liebe jeden einzelnen Staubkorb, der daran erinnert, was ihr wunderbares in so kurzer Zeit entstanden ist. Ich liebe den vollen Dachboden mit seinen Schätzen. Ich liebe den Garten, der im Frühling darauf wartet von uns wieder schön gemacht zu werden. Ich liebe sogar das Gerüst – es erinnert mich jeden Tag aufs Neue daran, dass es nicht selbstverständlich ist, wie schön wir jetzt wohnen. Ich spüre jeden Tag Dankbarkeit, wenn ich barfuß über die noch zu sanierende Treppe nach unten stapfe. Ich spüre jeden Tag Freude in diesem Haus, weil ich weiß, dass meine Großeltern und mein Vater und mein Onkel hier so viele schöne Jahre und Erinnerungen gelebt haben. Ich spüre Vorfreude, weil ich weiß, dass auch wir hier viele Erlebnisse haben werden. Dankbarkeit ist aber das stärkste aller Gefühle.

Mein Hund Jamie ist auch glücklich. Er springt voller Freude durch das Wohnzimmer, durch den Garten und durch das anliegende Feld. Er schläft stundenlang auf unserer Couch, die ihn sehr schnell daran erinnert hat, dass hier jetzt unser Zuhause sein muss – denn die Couch ist ja da. Und trotzdem kuschelt er gerne in seinem neuen Körbchen. All das nehme ich nicht als selbstverständlich. Jamie hat die ersten 5 Jahre seines Lebens in unserer Wohnung gelebt. Egal wenn wir irgendwo im Urlaub waren – am Ende ging es zurück in diese 4 Wände. Er hat sich aber so schnell hier im Haus eingelebt, dass es mir manchmal so vorkommt, als wüsste auch er, dass es hier einfach nur schön für uns werden kann.

Wenn er könnte, würde er mir helfen jeden einzelnen Karton auszupacken, die Kellertreppe zu wischen und den Garten im Frühling umzugraben. Doch stattdessen schenkt er mir etwas viel Schöneres: Gemeinsame fröhliche Stunden in der Natur, kuschelnd auf dem Sofa oder nach Leckerlis sabbernd sitzend vor mir. Er macht das Haus genauso zu einem Zuhause, wie mein Mann und ich es tun. Was wäre das weiße Laminat ohne Hundehaare? Der frisch gewischte Boden im Flur ohne Matschpfotenabdrücke, weil ich mit dem Handtuch nicht schnell genug war? Ich glaube ganz fest daran: Auch wenn ein Hund einen Umzug vielleicht nicht einfacher macht, irgendwie… macht er es doch.

Text: Annika Ruske