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Niedersachsen-Derby 96 gegen Eintracht

Lieberknecht „Ohne Scorpions – aber mit AC/DC“

„Die Mutter aller Derbys“ titelten die Zeitungen der Madsack-Gruppe aus Hannover. Gemeint ist nicht etwa Schalke gegen den BVB sondern Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig. Und das heißt auch Dritter gegen Zweiter im Aufstiegsrennen.

Es ist die 148ste Ausgabe des Spiels zwischen den beiden Städten, die seit Jahrhunderten im Wettstreit liegen. Stritt man sich im Mittelalter um Baurechte, hat sich die Rivalität seit vielen Jahren auf den Fußball verlagert. Dabei spielten die beiden Vereine schon in den 1920er-Jahren gegeneinander. Dazwischen ranken sich zahlreiche Geschichten, wie zum Beispiel, dass Braunschweig den Vorzug bei der Bundesligagründung bekam, aber Hannover ein neues WM-Stadion. Zumindest Fußballfans beider Städte verzichten auf das Aussprechen der jeweiligen Städtenamen, mancher Braunschweiger kauft nichts, was mit der Zahl 96 endet. Manches treibt seltsame Blüten.

Über die könnte man schon manchmal schmunzeln, wenn es nicht immer wieder auch zu Gewaltaktionen bestimmter Gruppen käme, die das Ereignis für ihre Interessen nutzen, die oft nicht einmal etwas mit Fußball zu tun haben. So erlebt Hannover auch bei dieser Derbyausgabe (Samstag, 13 Uhr, HDI-Arena) wieder ein riesiges Aufgebot aus Security, Orts-, Landes- und Bundespolizei.

Durch den Anschlag von Dortmund wurden die Maßnahmen noch einmal verstärkt. Für die Spieler geht es um viel – Eintracht Braunschweig steht in der Tabelle vor Hannover – ein Dreier würde beide Teams im Aufstiegskampf deutlich voran bringen. Während Eintracht vom „großen Traum ohne Druck“ spricht, muss Hannover aufsteigen, sonst kann es fianziell eng werden. Daran läßt Präsident Marin Kind keinen Zweifel. Zumal im Falle eines Scheiterns wohl viele Kicker den Club verlassen würden. „Das ist ohnehin der beste Kader der zweiten Bundesliga“, schwärmt Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht, der natürlich dennoch gewinnen will. Sein größtes Pfund – der hohe Einsatz seines Teams bis zum Abpfiff. „96 wird versuchen, uns zu überrennen“, meint der Coach. „Das ist man den Fans wohl schuldig.“

Da kommen Erinnerungen an die Bundesliga-Saison hoch, als Eintracht in Hannover einen Punkt erkämpfte und 3:0 in Braunschweig gewann. Danach gab es massive Fantumulte in Hannover. Das Hinspiel in Braunschweig endete unentschieden 2.2 – nachdem die Löwen aber schon 2:0 geführt hatten. Insgesamt hat Hannover 96 seit 19 Jahren nicht mehr gegen Eintracht gewonnen – Eintracht seit 25 Jahren nicht in Hannover. Diese Serien wollen beide Teams durchbrechen. Dafür stehen beiden Trainern fast alle Spieler zur Verfügung – außer bei Eintracht Marcel Correia mit seiner Langzeitverletzung – und vielleicht auch Phil Ofosu-Ayeh, der Probleme an der Achillessehne hat.

Beide Trainer kennen sich gut und lange. Lieberknecht und Breitenreiter kickten einst Seite an Seite in der Jugendnationalmannschaft, Breitenreiter absolvierte sein Pflichtpraktikum für den Trainerschein in Braunschweig bei Lieberknecht. Trotzdem sind beide für die eine oder andere Überraschung gut. Und wieder gilt: Hannover muss gewinnen, bei einem Unentschieden würde Braunschweig vor Hannover bleiben – und im Aufstiegsrennen damit die Nase vorn haben.
Die Offiziellen hoffen auf ein Spiel ohne Gewaltübergriffe und Pyrotechnik. Weil Eintracht unter Bewährung steht, würde das Zündeln bedeuten, dass gegen Bochum oder im Spitzenspiel gegen Union Berlin die Fanblocks 8 und 9 leer bleiben – und Eintracht müßte eine dicke Geldbuße bezahlen. Keine gute Idee – bei aller Brisanz im Spiel der Erzrivalen.

Musikfan Torsten Lieberknecht bringt sich und seine Mannschaft mit Rockmusik in Stimmung. „Ich habe erst einmal die Scorpions und Fury aussortiert, obwohl ich diese Bands aus Hannover auch gern höre. Jetzt geht es mit AC/DC und ZZ-Top im Bus zum Stadion.

Als besonderen Service bietet Radio SAW zusammen mit Eintracht Braunschweig eine Liveübertragung vom Spiel an. Den Player kann man auf der Internetseite eintracht.com herunterladen.

http://www.eintracht.com/aktuelles/neues/hautnah-beim-spiel-der-spiele/

Ein Beitrag von Dr. Frank Kornath