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INTERVIEW MIT ANDREAS FRANZ |
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Kein Nine-to-five-Mensch
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Sympathisch ist er, der Andreas Franz. Nicht sehr groß. Mit Augen, die lebhaft und humorvoll blicken. Er ist auf Lesereise zu seinem neuesten Roman „Unsichtbare Spuren“, der am 21.März beim Knaur Verlag erschienen ist. Der Thriller ist sein mittlerweile vierzehntes veröffentlichtes Werk.
Als er erzählt, ist eines sofort klar: Andreas Franz gehört zu den Menschen, denen man stundenlang zuhören kann, selbst wenn sie über das Wetter reden. Nicht nur in seinen Romanen kann er die Leser in seinen Bann ziehen.
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Zehn Jahre hat es gedauert, bis sein erstes Buch von einem Verlag angenommen wurde. Unzählige Absagen hat er vorher bekommen. „Ich wusste, dass unverlangt eingesandte Manuskripte fast keine Chance haben. Doch der Gedanke, vielleicht bin ich nicht gut genug, war nie da.“ blickt Franz zurück. Eine starke Frau, mit der er seit mittlerweile 32 Jahren verheiratet ist und gute Freunde haben ihn in dieser Zeit immer wieder motiviert, weiter zu machen. 1996 zahlen sich Geduld und Durchhaltevermögen aus. Sein erster Roman „Jung, blond, tot“ erscheint. „Ich habe unglaubliche Freude verspürt. Einfach ein geiles Gefühl.“ so Franz auf die Frage, wie es sich anfühlt, sein erstes gedrucktes Werk in den Händen zu halten.
Kreativ sei er immer schon gewesen, hat Schlagzeug in verschiedenen Bands gespielt, wollte am liebsten Musiker werden, erzählt er. Er war als Übersetzer tätig, auch in einer Werbeagentur hat er gearbeitet. Jedoch ein Job mit Stechuhr und engem Büro lag ihm nie. „Ich bin nicht dieser Nine-to-five-Mensch. Ich brauche absoluten Freiraum, muss mir meine Arbeit selbst einteilen können.“ bekennt der Schriftsteller. Jahrelang hat er graphologische Gutachten erstellt. Auf diesem Gebiet ist er Experte, seine Trefferquote liegt bei 99 Prozent. Selbst Depressionen oder Suizidgefahr kann er an einer Handschrift ablesen. Auch zu diesem Thema ist bereits ein Buch von ihm erschienen, dass dem Laien Grundwissen zur Schriftenanalyse vermittelt soll.
Interessant ist die Tatsache, dass er, der Autor von Kriminalromanen, die nicht selten von Serientätern handeln, selbst einen Serientäter in seinem Bekanntenkreis hatte. Als Fünfzehnjähriger wohnte er in Frankfurt in der Nachbarschaft einer amerikanischen Kaserne. Es entwickelte sich eine Freundschaft zu einem der jungen Soldaten, Mark Alan Smith. Nachdem dieser wieder in seine Heimat zurück gekehrt war, kam heraus, dass er in Deutschland mindestens vier, wahrscheinlich sogar acht Frauenmorde begangen hatte. „Er war so unglaublich höflich, nett, hilfsbereit und sehr religiös. Man hat nichts gemerkt. Ein paar Mal habe ich für Sekundenbruchteile einen merkwürdigen Ausdruck in seinen Augen gesehen. Aber als Fünfzehnjähriger realisiert man das nicht.“ erinnert sich Andreas Franz.
Jahre später kommt dem Schriftsteller dieser Fall wieder ins Gedächtnis und er recherchiert bei den amerikanischen Behörden und spricht mit dem Vater eines der Opfer. Er erfährt bei seinen Nachforschungen sehr viel über das Leben, vor allem die grauenvolle, über einem langen Zeitraum durch Missbrauch geprägte Kindheit des Mark Alan Smith. „Keine Lebensgeschichte rechtfertigt einen Mord. Aber es ist eine Erklärung. Auf der Suche nach diesen Erklärungen bin ich.“ so Franz. Was bewegt einen Mörder, warum tut er so etwas? Diese Frage fasziniere und beschäftige ihn.
Auch für die Recherche zu „Unsichtbare Spuren“ hat sich der Autor tief mit den Abgründen der menschlichen Seele befasst. Viele Gespräche mit einem Polizeipsychologen, der für die Erstellung von Täterprofilen zuständig ist, hat er gehabt. Zwei wahre Begebenheiten haben ihn zu seinem neuesten Buch inspiriert. Zum einen der Mord an dem Jungen Dennis, der aus einem Zeltlager entführt und ermordet wurde. Seine Leiche wurde hunderte Kilometer entfernt in Dänemark aufgefunden. Zum anderen der Fall eines im Vorjahr verurteilten Serienkillers, welcher der zuständigen Soko einige Rätsel aufgab. „Da sind so viele Zufälle auf einmal aufeinander getroffen, dass die gesamte Soko vor einem Rätsel stand, wie so etwas passieren kann. Nach dem Gespräch mit dem Profiler der Polizei war die Idee um das neue Buch endgültig geboren.“ erzählt Franz. „Geschrieben habe ich etwa sechs Wochen an dem Buch, die Vorarbeit war allerdings eine Ochsentour. Als ich anfing zu schreiben, standen eigentlich nur die beiden Ermittler fest, eine Frau und ein Mann. Beim Schreiben sind sie mir unglaublich sympathisch geworden. Ich habe angefangen, die so zu mögen, dass ich gedacht habe, das kann nicht das einzige Buch mit ihnen sein. Es wird sicherlich eine Fortsetzung geben.“
Das Spiel mit dem Zufall zieht sich wie ein roter Faden durch „Unsichtbare Spuren“ . „Es muss irgend etwas geben, was Täter und Opfer zusammen führt. Aber wir werden wohl nie herausfinden, was es ist. Gerade in dem Fall, der Vorbild zu meinem Buch war, kann diese Häufung von Zufällen kein Zufall mehr sein. Ich glaube nicht an Zufall.“ so die Meinung von Andreas Franz.
Für den Aufbau eines Buches macht der Schriftsteller sich kein Konzept. „Ich schreibe wirklich einfach drauf los. Wenn ich anfange zu schreiben, habe ich keinen Schimmer, wie das Ende aussehen wird. Wenn ich auf Seite 200 bin, weiß ich nicht, was auf Seite 210 passieren wird. Das entwickelt sich beim Schreiben.“ gibt er Einblick. Als er anfing zu schreiben, habe er so manches Mal gezittert, wenn er das Geschriebene hinterher gelesen habe. Heute sei er ruhiger geworden, sieht sich eher in der Rolle des Beobachters. Betrachte es aus einer Distanz.
Nein, ein Nine-to-five-Mensch ist er wirklich nicht, der Andreas Franz. Eine interessante Persönlichkeit, die etwas zu erzählen hat, das ist er schon.
Tanja Peters für BS-Live!
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Roman: Unsichtbare Spuren
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Brutaler Mord in Norddeutschland an einer 17-jährigen Anhalterin. Für Hauptkommissar Sören Henning von der Kripo Kiel ist der Täter schnell ermittelt. DNA-Spuren führen zu einem verheirateten Familienvater. Die Indizienkette scheint eindeutig. Der vermeintliche Mörder wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Gefängnis nimmt er sich das Leben, nachträglich stellt sich seine Unschuld heraus.
Hauptkommissar Henning fällt in ein tiefes Loch, verliert alles, was ihm wichtig ist, quält sich mit Vorwürfen und kann diesen Fall nicht vergessen.
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Fünf Jahre später: Wieder geschieht ein Mord. Die äußeren Umstände deuten darauf hin, dass der Täter von damals erneut zugeschlagen hat. Henning, der sich nach dem Selbstmord des unschuldigen Mannes im Innendienst verkrochen hat, lässt sich von seiner Kollegin Lisa Santos überzeugen, die Ermittlungen zu leiten. Fast besessen von diesem Fall, hat er in den vergangenen Jahren unzählige Morde untereinander verglichen und stellt die These auf, dass sie es mit einem Serienkiller zu tun haben, der weitaus mehr Opfer auf dem Gewissen hat als vorstellbar.
Scheinbar wahllos werden die Opfer ausgesucht. Keinerlei Parallelen sind für die Ermittler zu erkennen. Ist es der Zufall, der die Getöteten ihrem Mörder zuspielt? Die Abstände werden immer kürzer, die Vorgehensweise brutaler. Fieberhaft versuchen Henning und Santos den Killer zu fassen. Doch dieser spielt ein perfides Spiel mit ihnen.
Henning selbst gerät in das Visier des Psychopathen, bekommt Nachrichten und Anrufe von ihm. Dann hat der Killer Hennings Tochter in seiner Gewalt...
Spannend bis zur letzten Seite erzählt Andreas Franz die Geschichte der Serienmorde in noch nie gekanntem Ausmaß, die zum Teil auf wahren Begebenheiten beruht. Die Handlungsfiguren sind detailliert und feinfühlig beschrieben. Sehr realistisch zeigt er menschliche Abgründe auf, schonungslos brutal. Besonders faszinierend ist das Spiel mit dem Zufall, der sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht.
Getreu seiner Maxime: „Die Leser fesseln und trotzdem (vielleicht) zum, Nachdenken anregen (aber nie den Zeigefinger erheben)“ überzeugt Franz mit einem spannenden, temporeichen und authentischen Krimi.
Text: Tanja Peters für BS-Live!
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