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Interview Jan-Friedrich Conrad

Seit Jan-Friedrich Conrad seine erste szenische Musik für „Das Schlosstrio“ eingespielt hat, prägen seine Musikakzente Sound und Atmosphäre der EUROPA-Hörspiele. Dazu zählt auch die mit Abstand erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt, „Die drei ???“. Conrad studierte bei EUROPA-Gründer Andreas „Onkel Titus“ Beurmann Musikwissenschaft und komponiert auch für Musiktheater. Seine frühen Musiken sind sehr von den deutschen Klassikern der Elektronikszene beeinflusst und basieren auf MIDI-Recording mit vielen Hardware-Synthesizern, auf Vocodern, Drum-Computern und anderen elektronischen Instrumenten. Der Multiinstrumentalist setzt aber auch Gitarren, Bässe und allerlei Percussion-Instrumente ein, wodurch mehr abstrakte Harmonien, Jazz- und Rock-Elemente in die Musik einfließen.

Jan-Friedrich Conrad (Foto: Kühl PR)

Interview

Hallo Herr Conrad! Zu allererst möchten wir uns bedanken, dass Sie sich Zeit für ein Interview nehmen. Wir freuen uns schon riesig auf Ihr Album „Best of Hörspielmusik, Vol. 1“. Würden Sie sich einmal kurz vorstellen, für alle, die Sie nicht kennen?
Ich heiße Jan-Friedrich Conrad und ich komponiere und produziere für „Die drei ???“ szenische Musiken, die in den Hörspielen anklingen. Vor vielen Jahren habe ich die Titelmelodie mit dem Vocoder gesungen, die die ersten 124 Folgen der Fragezeichen einleitet. Ich habe außerdem Musicals komponiert.

Seit „Das Schloss-Trio“ sind Sie aus den EUROPA-Hörspielen in musikalischer Hinsicht nicht mehr wegzudenken. Für welche Serien produzieren Sie heute noch Musik und was sind dabei Ihre Lieblingsserien?
Meine Musik findet sich auch bei TKKG, Hanni und Nanni und anderen, aber die Idee sind immer Stimmungen, die mit Detektivgeschichten zu tun haben. Mein Favorit sind Die drei ???. Ich finde aber auch wirklich, dass Hanni und Nanni super Charaktere sind. Und klar: TKKG ist ebenso Kult.

Sie haben bei Andreas „Onkel Titus“ Beurmann Musikwissenschaft studiert. Wie viele Musikinstrumente beherrschen Sie und welche?
Ich komme von der Orgel, richtig mit Orgelpfeifen und Pedalspiel. Meine Hauptinstrumente sind aber Synthesizer, Gitarren - vor allem Elektrische - und E-Bass. Das eigentliche Instrument ist das Studio mit seiner Software, dem Computer, den Mischpulten und der vielen Musikelektronik.
Und, ja, das beherrsche ich wohl. Jedenfalls bin ich als Dozent an der "School of Audio Engineering" tätig. Ich greife aber auch oft zu akustischen Instrumenten. Ich nehme gerne mal ein Akkordeon oder akustische Perkussion dazu, oder auch ein Cello.

Wovon ist Ihre Musik generell inspiriert?
Die Inspiration kommt meist von etwas völlig anderem als dem, was man gerade machen will: Von Bildender Kunst etwa, oder von Musikstilen, die man überhaupt nicht mit Hörspielmusik verbinden würde, wie Heavy Metal, Jazz, Techno oder elektronischer Tanzmusik.

Die drei ??? sind unvergleichbar erfolgreich in Deutschland. Waren Sie Fan der ersten Stunde oder entflammte ihre Leidenschaft für die Serie erst mit dem Hype um dieGeschichten?
Wenn meine Leidenschaft von etwas entflammt wurde, dann von Andreas Beurmanns Begeisterung für Musikinstrumente und das, was man mir ihnen anstellen kann. Er hat ja nicht nur historische Tasteninstrumente gesammelt, sondern auch elektronische. Das war so spielerisch, so mitreißend und radikal, davon habe ich mir eine große Scheibe abgeschnitten.

Die Hörspielserien selbst waren eher eine Aufgabe, etwas, wofür es sich Musik zu machen lohnt. Aber mir gefällt der aufklärerische Anspruch der drei Detektive. Für alles gibt es eine rationale Erklärung, und erscheinen die Dinge noch so mysteriös. Daher finde ich die Fragezeichen nicht nur gut, sondern auch wertvoll. Und wenn ich die Geschichten höre, gehe ich auch in ihnen auf. "Immersion" nennt man das, wenn man ganz in der Geschichte ist. Das funktioniert bei mir, ich fiebere manchmal richtig mit.

Geräusche und Musik sind für Hörspiele sehr wichtig, um sich richtig in die Szenen einzufühlen. Was beeinflusst Ihre musikalischen Kompositionen für die „Die drei ???“-Hörspiele?
Meistens habe ich etwas im Ohr oder in den Fingern, was passt, ohne, dass ich nachdenke. Aber ich könnte natürlich einen Abend lang Namen von Musikerinnen und Musikern nennen, die ich bedeutend und inspirierend finde. Aber wo anfangen und wo aufhören? Klaus Doldingers Titelmelodie für den Tatort finde ich genial. Die Langsamkeit und Erhabenheit von Pink Floyd, die Harmonik von Allan Holdsworth, die Klarheit von Kraftwerk, die Lyrik von Kate Bush, den Funk von Brian Auger und den Blues von Johnny Winter, die Arrangements von Ellie Goulding –die Liste nähme kein Ende.

Aber eine persönliche Begegnung kann ich nennen: Ich war um 1990 herum mal bei einer Präsentation eines Herstellers einer frühen Musik-Computer-Software anwesend, noch als Student der Musikwissenschaften. Meine Professoren Albrecht Schneider und Andreas "Onkel Titus" Beurmann auch, in ihren Eigenschaften als Musikwissenschaftler und als Musik-und-Technik-Freaks. Und György Ligeti war da, und die drei haben gefachsimpelt. Ligeti war Professor für Komposition an der Musikhochschule in Hamburg, vor allem war er aber einer der berühmtesten Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts. Seine atemberaubende Chormusik war von Stanley Kubrick im Science-Fiction-Epos "2001 – Odyssee im Weltraum" eingesetzt worden. Und die drei palavern da über Technik und Musik, und ich konnte nur staunen. So etwas wollte ich und will ich immer noch auch machen. Innovative Musik, mit dem Instrumentarium der Gegenwart.

Die Titel für die Playlist „Best of Hörspielmusik, Vol. 1“ wurden von André Minninger ausgewählt, der gemeinsam mit Heikedine Körting die Musikakzente für die „Die drei ???“-Hörspiele auswählt. Sind Sie mit seiner Auswahl zufrieden?
Aber ja. André ist ein Vollblutkünstler, ein super Typ. Wir mögen beide die stark atmosphärischen, expressiven Sachen.

Interview: Europa Hörspiele / Kühl PR