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Im Gespräch mit Michael Martin

Michael Martin führt ein ungewöhnliches Leben: Seit mehr als 30 Jahren berichtet er über seine Reisen in die Wüsten der Erde und avancierte dabei zum weltweit renommiertesten Wüstenfotografen. Er veröffentlichte 30 Bildbände und Bücher, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, hielt mehr als 2000 Vorträge und produzierte mehrere Fernsehfilme. Seine Werke wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit einer Ehrenmedaille der Royal Geographic Society. Zuletzt erhielt er den Gregor International Calendar Award und den ITB Book Award für sein Lebenswerk.

2009 brach Michael Martin zu seinem Projekt »Planet Wüste« auf. Neben Trockenwüsten standen nun auch die Kälte- und Eiswüsten der Arktis und Antarktis im Fokus seiner Arbeit. Innerhalb von sechs Jahren unternahm er 40 Reisen und Expeditionen in die entlegensten und extremsten Gebiete der Erde. Das Ergebnis ist das Projekt »Planet Wüste«, das als Multivision, Bildband, TV-Serie und Ausstellung präsentiert wird.

Michael Martin (Foto: Elfriede Martin)

Herr Martin, Sie haben alle Wüsten der Erde durchquert? Wie sind Sie auf diese ungewöhnliche Idee dazu gekommen?
Das hat sich seit meinem 17. Lebensjahr entwickelt, als ich bei einer Mofareise nach Marokko zum ersten Mal am Nordrand der Sahara stand. Die Wüstenlandschaften, das Licht und die Menschen haben mich sofort fasziniert. Inzwischen sind es 300 Wüstenreisen geworden, aus denen 30 Bücher, Fernsehfilme und Vorträge, die ich ca. 2000 mal gezeigt habe, entstanden.

Was fasziniert Sie an dem Thema „Wüste“? Haben Sie sich als Kind schon für dieses Thema interessiert?
Der Grund für meine erste Wüstenreise waren die Sterne. Als begeisterter Hobbyastronom wollte ich den Südsternhimmel sehen, deswegen fuhr ich mit 17 Jahren mit dem Mofa nach Marokko. Damals wie heute faszinieren mich die Reduziertheit der Formen und Farben, das unglaubliche Licht und die Stille. Hinzu kommt, dass ich als Geograf in den Landschaften wie in einem Geschichtsbuch lesen kann. Es gibt keine Vegetation, welche die Zeugnisse früherer Erdzeitalter verdecken würde. Außerdem sind Wüstenreisen ein Abenteuer geblieben.

Sie sind aber im Grunde nicht alle Wüsten gleich?
Wüsten sind extrem abwechslungsreich. Denken Sie nur an die Unterschiede zwischen den heißen Wüsten und den Kälte- und Eiswüsten, der Arktis und Antarktis. Auch die Ursachen für Wüsten sind höchst unterschiedlich. Das gleiche gilt für Tiere, Pflanzen und die dort lebenden Kulturen.

Michael Martin unterwegs durch die Wüste auf seinem Motorrad. (Foto: Copyright: Michael Martin/Elfriede Martin/Jörg Reuther)

Sie dokumentieren Ihre Reisen mit der Kamera. Was war zuerst da? Das Interesse am Thema „Wüste“ oder an der Fotografie?
Das ging bei den beruflichen Projekten immer miteinander einher. Keine Reise ohne Kamera, aber auch kein Fotografieren ohne Reisen. Ich liebe es, zu reisen und dabei zu fotografieren. Dass ich es dann vor großem Publikum präsentieren kann, ist umso motivierender.

Was fasziniert Sie am meisten an der Fotografie?
Dass es gelingen kann, mit einem einzigem Bild so viel an Information, aber auch Emotion zu transportieren. Und trotzdem bleibt Raum für eigene Interpretationen. Das kann Fernsehen nicht. TV ist passiv, Fotografie kann viel mehr berühren.

Welches Fotoequipment haben Sie auf ihren Reisen dabei?
Eine moderne DSLR Kamera, das Spitzenmodell eines bekannten Herstellers. Dazu drei Zoomobjektive, welche die Brennweiten 14 mm bis 400 mm abdecken.

Die Art, wie Sie reisen, ist doch bestimmt für viele ein absoluter Männertraum? Sie durchqueren die Wüsten mit dem Motorrad. Ist das aber nicht manchmal sehr anstrengend und unbequem?
Es ist in der Tat unbequem und manchmal auch gefährlich. Aber man bekommt als Reisender so viel zurück, da nehme ich einiges in Kauf.

Was war der gefährlichste Moment, den Sie auf Ihren Touren erlebt haben?
Das waren immer Situationen, in denen wir Banditen, Rebellen, Kidnappern oder Minen ausgesetzt waren. Das kommt in 35 Reisejahren natürlich manchmal vor, aber ich hatte immer Glück.

Was war der für Sie bewegendste Moment, den Sie auf ihren Reisen erlebt haben?
Der letzte bewegende Moment war, als ich am 20. März 2015 das letzte Bild für „Planet Wüste“ nach 5 Jahren und 40 Reisen fotografiert hatte: die totale Sonnenfinsternis, die ich zusammen mit meiner Frau Elly in Spitzbergen erleben konnte.

Michael Martin (Foto: Copyright: Michael Martin/Elfriede Martin/Jörg Reuther)

Was haben Sie auf Ihren Reisen IMMER dabei?
Reisepass, Kamera, Handy, Geld.

Sie haben jetzt alle Wüsten der Erde gesehen? Haben Sie neue Ziele?
Ja, ich werde mir auch andere Extremzonen der Erde näher ansehen, auch in großen Höhen oder in Vulkangebieten kann es spannend sein.

Können Sie sich ein Leben ohne Ihre Reisen vorstellen?
Nein, für mich gehören Reisen und Leben schon immer zusammen.

Ihre Reisen sind sicherlich physisch und psychisch sehr anstrengend. Bereiten Sie sich dafür speziell vor?
Nein, ich bin von Haus aus fit, habe sämtliche Ausrüstung, da braucht es kaum mehr Vorbereitung.

Reisen gehört zu ihrem Beruf. Fahren Sie dann privat auch noch in den Urlaub oder sind Sie dann lieber zuhause?
Ich fahre gerne mit meiner Frau in den Urlaub – Berge oder Mittelmeer, mit dem Zelt oder VW Bus. Aber auf privaten Urlaubsreisen: ohne Kamera.

Wohin geht Ihre nächste Reise?
Nach dem Tournee-Ende 2016/2017 geht es Mitte April 2017 in Urlaub irgendwo in die Sonne.

Herr Martin, danke für diesen spannenden Einblick in Ihre Arbeit.

Michael Martin in der Eiswüste (Foto: Copyright: Michael Martin/Elfriede Martin/Jörg Reuther)

Wer mehr über die spannenden Reisen von Michael Martin erfahren möchte, sollte unbedingt seine Homepage besuchen: www.michael-martin.de.

Infos zu dem Buch von Michael Martin finden Sie bei uns unter www.bs-live.de/xmedien/buecher/michael-martin-planet-wueste.html.

Interview: Kerstin Lautenbach-Hsu