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HAI-EXPERTE UND PROFI-TAUCHER GRAEME DUANE |
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Ohne Schutz traut sich der Südafrikaner bis auf wenige Meter an die gefährlichen Tiere heran und hat somit eindrucksvolle Filmaufnahmen von den wohl gefürchtesten Meeresbewohnern machen können. Graeme Duane wohnt in der Nähe von Durban, ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Wir sprachen mit Ihm über sein gefährliches Hobby:
Wovor hast Du bei den Tauchgängen am meisten Angst? Schüchtert Dich der weisse Haiein? „Klar, der weisse Hai vermittelt diese Furcht und schüchtert auch Menschen ein, die sich mit Haien auskennen. Für mich ist aber der schlimmste Hai, der in meinem Kopf, in meiner Fantasie. Kurz bevor ich ins ins Wasser gehe, habe ich immer Angst. Ich stelle mir dann zum Beispiel vor, was alles schief gehen könnte.“
Und wann verschwindet die Angst wieder? „Wenn ich im Wasser bin und die ersten Haie kommen. Sie verschwindet nicht ganz, aber ich kann sie zumindest kontrollieren. Es ist seltsam, aber in keinem anderen Moment denke ich so wenig, wie in diesem. Alle Sinne sind auf den Hai konzentriert und es gibt nur einen einzigen Gedanken: Wohin schwimmt er? Dreht er ab? Kommt er weiter auf mich zu? In so einem Moment ist für Angst kein Platz mehr.“
Hat der Kinofilm „Der weisse Hai“ von Steven Spielburg die Menschen beeinflusst? „Ja natürlich. Als der Film rauskam, gab es natürlich einen totalen Medien-Hype, der die Menschen beeinflusst hat. Damals wäre natürlich keiner auf die Idee gekommen, mit weissen Haien zu schwimmen. Ich glaube aber, das die Menschen schon eine angeborene Furcht vor Haien haben, die ist irgendwie eingebrannt. Der Kinofilm hat das nur noch verstärkt.“
Es gibt die so genannten „Käfigtauchgänge“, die auch im Film gezeigt werden. Sind diese eher hilfreich oder eher störend bei der Zusammenführung von Hai und Mensch? „Ich hoffe natürlich, dass das „Käfigtauch-Geschäft“ dazu beiträgt, die Menschen mit den Haien zusammenzuführen. Ich glaube allerdings, das ein paar der Leute, die diese Käfigtauchgänge machen, sich versuchen der Angst zu stellen. Einige haben sogar Spaß an der Angst. Immer mehr Menschen kommen neuerdings nicht mehr, weil sie sich gruseln wollen, sondern weil sie von den Haien fasziniert sind.“
Du tauchst nie allein, sondern hast ja immer ein ganzes Team um Dich. Wie wichtig ist das Vertrauen und die Zusammenarbeit in einem solchen Team? „Teamwork ist beim Hai-Tauchen sehr wichtig. Verschiedene Leute müssen verschiende Dinge gleichzeitig tun. Ich habe die Kamera. Meistens gibt es noch einen weiteren Kamermann. Es gibt Männer hinter uns, die beobachten, was wir nicht sehen können. Diese Männer sind immer mit Speeren bewaffnet, so dass sie in einer Not-Situation die aufdringlichen Haie wegschubsen können. Wir haben alle sehr viel Vertrauen untereinander im Team. Dem Taucher, der mit mir zu den weissen Haien ins Wasser steigt, muss ich absolut vertrauen, ich muss ihn und seine Fähigkeiten kennen. Wir müssen uns blind verstehen.“
Du bist einer von sehr wenigen Menschen, der Haien schon so nah wahr. Wie würdest Du die Haie mit deiner Erfahrung und aus deiner Sicht beschreiben?
„Wenn man einen Hai ansieht, stellt sich sicherlich kein Gefühl von Liebe ein, aber Haie sind beeindruckend. Sie sehen aus wie Kampflugzeuge. Was ich vor allem für sie empfinde, ist ein gewaltiger Respekt. Sollte ich den einmal verlieren, wäre das mein Ende. Ich glaube, das weisse Haie die Schwimmer und Surfer viel öfter beoabachten, als man annimmt. Sehr sehr viel öfter. Aber sie greifen nicht an. Die Zahl der Begegnung von Mensch und Hai und die Zahl der Angriffe klaffen unendlich weit auseinander. Und mein Freitauchen beweist das.“
Hattest Du nie Angst von einem Hai angegriffen, bzw. gefressen zu werden? „Haie sind effizient, gar nicht so sehr als Jäger, aber als Überlebenskünstler. Viele Jagdversuche enden erfolglos, aber sie erkennen sehr erfolgreich, was ihnen gefährlich werden könnte und was nicht. Der weisse Hai kennt seine Speisekarte ganz genau. Er ist sehr sehr vorsichtig und beobachtet genau, bevor er näher kommt. Einen echten Angriff unternimmt er nur, wenn alles eindeutig ist. Und ich glaube das er Unbekanntes bewusst erkundet. Sie sind keine hirnlosen Killer. Nein, das auf keinen Fall. Sie untersuchen alles. Wenn an unserer Küste ein Haiunfall passiert, bin ich meist überwältigt von den Reaktionen der Opfer. Fast alle haben ein großes Verständnis, wenn man bedenkt, wie viel Angst und Horror um das Thema Haie kreisen. Und das diese Leute, die Teile ihres Körpers verloren haben, sagen: „Ich gebe dem Hai keine Schuld. Er tut, was er tun muss.“ Das finde ich wirklich eine beeindruckende Haltung für einen Menschen, der so viel schreckliches durchgemacht hat. Wenn sich jeder Mensch auf dieser Erde ein Beispiel daran nehmen könnte und so eine Haltung gegenüber dem Tier entwicklen würde, hätten die Haie eine Chance zu überleben.“
In der DVD kann man in einigen Szenen auch sehen, wie Du die Haie berührst. Kann man das nur in bestimmten Situationen machen? Was ist das für ein Gefühl? „Für mich sind weisse Haie wie die Aufpasser des Meeres. Gehst du ins Wasser, sind sie sofort da. Als würden sie wissen wollen, was machst du hier? Was willst du hier bei uns im Ozean? Sobald der Hai entspannt in meiner Nähe bleibt, ein Vertrauen entstanden ist, kann ich z.B. unter ihnen tauchen. Manchmal schwimmt er über mich hinweg und manchmal kann ich ihn sogar berühren. Ich mache das nicht so oft, aber es gibt desöfteren die Gelegenheit. Ich bin überzeugt, das jede Art vom direkten Kontakt zwischen Mensch und Hai, eine Menge über die Tiere aussagt. Eine Berührung mit dem Hai löscht viele Vorurteile aus. Natürich ist es keine gute idee, sich an Haie zu hängen, die das nicht wollen. Die Rückenflosse zu halten und zu spüren, wie der Hai dich zieht, also freiwiliig zieht, ist sensationell. Voller Energie und einfach unbeschreiblich. Die Rückenflossen fühlen sich an, als seien sie extra dafür gemacht. Die Haut ist rauh und griffig. Wenn Du dich selbst spürst, weil der Hai dich zieht, wenn du über seinen Kopf blickst, seine Perspektive einnimmst, dieses Gefühl ist wundervoll.“
Du bist verheiratet und hast zwei Kinder. Was sagt deine Frau zu deinem Job? „Natürlich ist meine Frau nicht begeistert von dem, was ich tue. Aber seitdem ich Kinder habe, bin ich vorsichtiger und verantwortungsvoller geworden. Ich verbringe weniger Zeit im Meer und gehe nicht mehr um jeden Preis ins Wasser. Ich glaube, sie weiß genau was ich mache und hoffentlich hat sie genug Vertrauen zu mir.“
Eine simple und einfach Frage, aber es interssiert bestimmt viele Menschen: Warum tauchst Du überhaupt mit weissen Haien?
„Es hört sich verrückt an, aber wenn man es erlebt, ist es einfach die unglaublichste Erfahrung, die ich in meinem ganzen Leben gemacht habe. Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich kann das Verhalten der Haie beurteilen und vertraue unter Wasser meinem Urteil.“
Du tauchst frei, also ohne den schon oben genannten Käfig und Flasche. Warum? „Ob man mit oder ohne Tauchrüstung zu den Haien ins Wasser geht, macht einen großen Unterschied aus. Sie mögen keine Pressluftflasche und vor allem keine Blasen, die daraus kommen. Sie halten dann eher Abstand scheuen das Geräusch des Atemreglers.“
Inwieweit hat der Hai dein Leben verändert? „Als wir vor ein paar Jahren anfingen, ohne Käfig mit den großen Haien zu tauchen, haben die Leute gesagt, ihr seid ja verrückt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Unfall passiert. Aber wir tauchen weiter und zeigen, das man mit den großen Haien interagieren kann. Sie wissen genau, das wir da sind und wie sie mit uns umgehen müssen.“
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
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