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KENNY KRIEGT DIE KRISE - WETTERKRISE

Kenny kriegt die Krise

Die Wetterfee verkündet einen weiteren Monat Frost, und ohne einen Berg unter meinem Snowboard, empfinde ich eisige Kälte als annähernd so attraktiv wie Satan die Himmelspforte. Die globale Erwärmung, mit der uns die Grünen bereits seit Mitte der Achtziger zu ökologischen Katholiken, sprich dem personifizierten Schuldbewusstsein, zu machen versuchen, hat noch immer keinen spürbaren Effekt auf die Länge des von mir ach so geliebten Sommers gehabt. Tatsächlich scheinen die kalten Monate immer mehr Überhand zu nehmen. Es mag nicht mehr so knackig kalt werden wie früher, als Opa noch eine Handvoll Zehen in Stalingrad ließ (räusper), aber sechs Monate Schmierwetter mit Nieselregen und gelegentlicher Straßenglätte, lassen meine Lebensgeister auch nicht allzu sehr frohlocken. Was für eine erstaunliche Faszination für ein Thema, auf das bisher, zumindest meinem Wissen nach, niemals, ir-ge-nd-je-mand, auch nur den geringsten Einfluss genommen haben hätte können. Wie oft hört man sich selber und Andere, geradezu emotional abgehoben über Temperatur und Niederschlag philosophieren, während auf der ganzen Welt doch wahrscheinlich niemand, jemals auf die Idee kommen würde über andere, ähnlich unabdingbare Sujets zu lamentieren.
Zumindest hört man dann doch eher selten mal jemanden sagen: „Du meine Güte, wie wenig Bäume es doch gibt, hier in der Wüste“ oder „Ist doch der Wahnsinn, wie kugelig die Erde heute wieder ist“.
Was ist es nur mit den Launen von Herrn Petrus, der übrigens einen ähnlich bescheidenen Job erwischt hat wie oben genanntes Pendant aus der Hölle, denn unverhältnismäßig oft wird sein Wirken immer dann erwähnt, wenn es mal nicht so läuft wie Menschenskind sich das so vorstellt. Da hat Petrus ja mal wieder einen ganz schlechten Tag erwischt. Die guten Sachen kriegt Gott immer ab. Andererseits (k)ein Wunder, er hat das ja auch so eingerichtet, nicht wahr?!
Wenn ich die Gelegenheit hätte unserem Schöpfer einmal in einem kurzen Zwiegespräch gegenüber zu treten, wäre höchstwahrscheinlich eine meiner ersten Fragen, direkt nach der, was er sich eigentlich bei Talkshows gedacht hat (nein, Stopp, das war doch wohl eher der Teufel), wie es zu den ganzen Wettervorhersagern aus kleinen Alpenländern kommt, ein ebenso mysteriöser, wenn auch nicht annähernd so nervenaufreibender Umstand, wie das Unverhältnis an Benelux- Entertainment- Kanonen in deutschen Showformaten. Bei beiden wäre sicher nicht nur meiner Ansicht nach, ein sauber deutsch sprechendes Individuum angesagter.
Doch zurück zur Wettervorhersage. Man möchte fast glauben, die Österreicher und Schweizer hätten einen besonderen Auftrag vom Herrn persönlich erhalten, der Welt seinen unergründlich wetterlichen Willen wahrsagerisch im deutschen Fernsehen Kund zu tun. Zieht man dann allerdings einmal die tatsächliche Erfolgsquote der Fersehwetterfrösche, oder die Auftritte in „Ich fühl mich besser – durch Joghurt“- Produktinformationen, zur näheren Hinterfragung herbei, stellt sich schnell heraus, dass hier keinesfalls irgendeine Art göttliches Hintergrundwissen im Spiel gewesen sein kann, oder wie mein alter Mathelehrer immer zu sagen pflegte: „Die Prognosen haben eine Wahrscheinlichkeit von ca. 42%, wenn das Fernsehen Regen ansagt und ich Sonne, sollte ich zu 58% richtig liegen“.
Dieses Zitat bringt mich zurück auf den Berg vom Anfang, auf dem ich im Übrigen am Wochenende stand. Es war Sturm angesagt. Und doch verbrachte ich einen berauschenden Ski-Tag auf menschenleeren Pisten. Alle anderen hatten wohl die Vorhersage gelesen. Petrus sei Dank!

Text: Hendrik Menz (hendrik@menzmusic.com)


 

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