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KENNY KRIEGT DIE KRISE - SCHLUCHTENKRISE TEIL 2

Kenny kriegt die Krise - Schluchtenkrise Revisited

Auf vielfachen Wunsch nun ein paar ergänzende Worte zum aktuellen Stand der Dinge in der schönen Winterwunderwelt in unseren südlichen Nachbarländern. Der Kommunismus ist gescheitert. Der Kapitalismus, wen wundert's, hat gesiegt. Wer kein Geld hat, will welches haben, wer wenig hat, will mehr haben, wer viel hat, will immer noch mehr und wer wirklich so richtig, richtig viel Kohle über hat, der möchte das auch zeigen. Keinesfalls möchte ich das leidige Thema "Neiddiskussion" oder etwas in der Richtung anstoßen. Ich gehöre vielmehr, wohlgemerkt als ein gering Vermögender, zu denen, die Anderen Ihr Glück durchaus gönnen. Vermutlich deswegen weil ich mich, trotz eingeschränkter Mittel, als einen ziemlich glücklichen Menschen bezeichnen darf.

Die Tatsache allein, dass jemand mehr Geld besitzt als er in zehn Leben jemals benötigen könnte, tangiert mich also ziemlich periphär, was so manches Individuum aber damit anstellt lässt mein Kopfschütteln zuweilen in eine exorzismusmässige Rotation ausarten. Speziell in den schicken Ski-Orten bekommt man hier und da Beispiele vorgesetzt, die den gesunden Menschenverstand, wenn nicht gar das gesunde Augenlicht, auf eine harte Probe stellen. Allen voran sind hier die Weltmeister des schlechten Geschmacks aus den vormals sowjetischen Republiken zu nennen. Unübersehbar auf eine aufdringliche und doch so überflüssige Weise, fällt dem unschuldigen Beobachter meist zuerst die weibliche Begleitung der frischgebackenen Gas-, Öl- oder "Devisen"- Millionäre ins Auge. Äußerst blond, wahlweise echt, zumeist aber wasserstoffnachgeholfen und so riesensonnenbebrillt, dass dass Victoria Beckham dagegen wie eine zweite Yoko One wirkt.

Die bevorzugten Modelabels dieses Homo-Neureichus, sind wie auch bei den älteren Vertretern, noch immer Louis Vuitton, Gucci, Prada und Bogner, die nachgerückte Geldfraktion schafft es aber mit höchster Präzision, ausschließich jene Stücke auszuwählen, bei denen jedem als erster Gedanke in den Kopf schiesst: Das muß richtig teuer gewesen sein! Denn eigentlich müsste man Leute bezahlen um diesen hässlichen Mist anzuziehen! Da aber auch Models ihren Stolz haben, sieht man Stücke wie die in dezentem Gold gehaltenen Ski-Einteiler samt Nerzkragen, nie auf dem Laufsteg oder im Katalog, obwohl die Luxusmarken damit einen Großteil ihres Umsatzes bestreiten. Lediglich die jungen Begleitungen, der oft eher wie frühpensionierte Bergarbeiter nach Lottogewinn anmutenden Ex-Soviets, führen diese aussergewöhnlichen Kreationen alljährlich in den Flaniermeilen der St. Moritz' und Kitzbühels dieser Welt spazieren.

Geschmack kann man nicht kaufen? Es gibt Stilberater, Stylisten, Imageconsultants und jede Menge andere Möglichkeiten sein Geld für derart Dienstleistungen zu verbrennen, die bei normalen Menschen gerade Mal ein gesundes Paar Augen erfordern. Manche Menschen scheinen sich diesen Möglichkeiten gegenüber aber bewußt zu verschließen, ja man könnte fast meinen, sich in einer Art verspäteter modischer Konterrevolution gewaltsam für das Gegenteil zu entscheiden.

Ein mögliche Motivation wurde allerdings in dieser Beziehung noch von niemandem näher in Betracht gezogen. Vielleicht steckt gerade bei diesen Herrschaften ein ausgeklügelter Plan dahinter, zu Hause die obengenannte Neiddiskussion wie es sie in Deutschland ja nunmal gibt, auf einfache und doch geniale Weise zu vermeiden. Bei der nach Osten hin zunehmenden Armutsschere ist ein Ablenkungsmanöver zunehmend sinnvoll um den alten Begehrlichkeiten einer boldschewistischen Bewegung von vorne herein den Wind aus den Segeln zu nehmen. Denn sind wir doch mal ehrlich, was geht Otto-Normal-Verbraucher bei so einem Anblick durch den Kopf: "Schau mal, soviel Kohle, aber rumlaufen wie ein Clown. Arme Sau!".

Text: Hendrik Menz (hendrik@menzmusic.com)


 

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