Meine Dachwohnung ist eine Sauna

Ich gehöre gerne zu den Menschen, die über das Wetter meckern und motzen. Dabei steigere ich mich gerne so sehr hinein, dass ich am Ende selbst nicht mehr weiß, welche Jahreszeit ich denn nun hasse und welche ich liebe. Eigentlich ist das eine ganz furchtbare Eigenschaft, denn wir können das Wetter eh nicht ändern, sondern es nur hinnehmen und das Beste draus machen. Nachdem ich in meiner letzten Kolumne darüber berichtete, wie man sich die heißen Tage schön machen kann, möchte ich nun, wo die heißen Tage ihre Höhepunkte erreicht haben, einfach mal darüber meckern, was mich am meisten stört.

Meine Dachwohnung ist eine Sauna. Diese Tatsache macht mich jedes Jahr aufs Neue sehr wütend. Im Winter heizt man ohne Ende, um nicht zu erfrieren und im Sommer kannst du Pommes auf dem Fensterbrett braten. Dieses Jahr haben wir endlich Ventilatoren. Mein Mann im Haus hat sich darum gekümmert und ist damit zum Helden des Sommers geworden. Auf dem Sofa zu sitzen und vom Ventilator angepustet zu werden ist in diesen Tagen wirklich großartig. Das findet auch der Hund, der sich gerne direkt davor legt und das Fell durchpusten lässt. Den Rest des Tages verbringt er im kalten Flur. Doch egal wie viele Vorteile so ein Ventilator auch bringen mag, einen großen Nachteil bringt er auch mit: Man wird krank. Es ist Anfang Juli, wir haben über 30 Grad und ich habe Halsschmerzen. Schade. Aber dafür gehe ich nicht ein, so wie meine Zimmerpflanze, auf die mein Blick gerade fällt. Ich glaube ich sollte sie mal wieder gießen.

Was an dem Wetter außerdem echt blöd ist, ist die Tatsache, dass unsere Hundespaziergänge tagsüber eigentlich ausfallen. Wir waren die letzten Tage immer zwischen 6 und 7 Uhr eine Stunde im Park und selbst dann wurde es gegen Ende schon zu warm. Jamie und ich stellen uns vielleicht auch an, aber er hat immerhin schwarzes Fell und ich viel zu helle Haut. Also verstecken wir uns den Tag über drinnen und gehen nur kurz an die Bäume. Also der Hund. Ich komme nur mit. Sobald abends dann die Sonne weg ist, gehen wir wieder eine lange Runde. Obwohl das gestern zum Beispiel auch keinen Unterschied gemacht hat. Wie kann es nachts so verdammt warm sein?

Als Student mitten im Semester – ja, dort, wo ich studiere ich es gerade mitten im Semester - ist das warme Wetter auch eher von Nachteil. Bei über 30 Grad und mit pochendem Kopf eine Hausarbeit zu schreiben ist eigentlich unmöglich. Den Kopf überhaupt anzustrengen ist schon fast eine Sache der Unmöglichkeit. Hätte ich gewusst, dass es so heiß wird und sich das so anfühlt, dann hätte ich meine Hausarbeit in Philosophie sicherlich verschoben. Aber da muss ich nun durch, es gibt schließlich nichts Schöneres, als über das Wesen des Menschen nachzudenken, während das eigene Selbst langsam aber stetig zerfließt. Gestern waren wir dann mit Freunden im Harz an einem See. Das war so ziemlich das Allerbeste, was man bei diesem Wetter tun konnte. Die Luft dort ist viel besser, das Wasser war herrlich und im Gegensatz zu Freibädern und beliebten Badeseen, waren dort recht wenige Menschen. Die paar Stunden haben wunderbar zum Energietanken gereicht. Ich kann jedem nur empfehlen, bei diesem Wetter in die Berge zu fahren.

Genug gemeckert für heute. Ich weiß, dass die meisten Menschen davon genervt sind, doch die negativen Gedanken müssen schließlich auch mal raus. Hoffen wir, dass wir alle bald wieder weniger schwitzen und ich hoffe, dass der Herbst bald kommt. Ich liebe den Herbst mit seinen bunten Blättern, dem Wind und der warmen Herbstsonne, die einen nicht grillen möchte. Und dann freue ich mich schon auf den Winter, wo ich wieder über eisglatte Wege und Schneestürme motzen kann.

Text: Annika Schwedhelm