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MANGROVENWÄLDER AN DER NORDSEE BEI HELMSTEDT |
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Erinnern Sie sich noch? Mitte der 1990er Jahre brachten die Bagger im Braunkohletagebau von Schöningen bei Helmstedt die acht berühmten Schöninger Speere ans Licht. Gut, die eigentliche Bergung übernahmen Wissenschaftler, aber ohne die Bagger wäre das 400.000 Jahre alte Jagdlager mit den bislang ältesten, vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit wahrscheinlich nie entdeckt wurden.
Und die Bagger gruben weiter, in immer tiefere Schichten bis sie etwa 100 Meter unter der Fundschicht der Speere auf die des Eozäns trafen. Dort trafen sie auf die Überreste von Palmstümpfen und Seegraswiesen. Diese Spuren belegen die Existenz der so genannten Helmstedter Bucht. Doch welche Bedeutung hat das für unsere Region? Dazu muss man sich die Erde während der geochronologische Periode des Eozäns vorstellen, die ungefähr den Zeitraum von vor 35 bis 55 Millionen Jahren umfasst. Wie sah unsere Erde damals aus?
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Vom Moor zur Braunkohle
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Damals gab es kein Eis an den Erdpolen, die Kontinente sahen noch nicht so aus wie heute. Mitteleuropa war eine Insel zwischen vielen, die das heutige Europa ergeben, umspült vom Vorläufer der heutigen Nordsee im Norden verbunden mit dem heutigen Mittelmeer im Süden. Das Klima zu dieser Zeit war insgesamt wärmer als heute und in unseren Breiten müssen Sie sich subtropische Zustände vorstellen, wie Sie sie vielleicht aus Florida kennen.
Das Land unserer mitteleuropäischen Insel grenzte etwa auf der Linie Helmstedt – Halle – Leipzig an die Nordsee und bildete die Helmstedter Bucht. Sie ist auch als Leipziger Bucht bekannt, je nachdem woher man kommt. Und dass diese Bucht überhaupt in dieser Region existierte, belegen vor allem die dortigen Braunkohlevorkommen. Da, wo Meer und Land aufeinander treffen, entstehen Sumpfgebiete, die im Laufe der Erdgeschichte austrockneten und zu Torfschichten wurden. Wenn diese dann noch von vielen Ablagerungen luftdicht verschlossen unter Druck geraten, entstand an diesen Stellen Braunkohle.
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Florida in Niedersachsen
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Beim Braunkohletagebau stoßen die Bagger in immer tiefere Schichten vor und legen immer weitere geologisch-historische Schatzkammern frei. Wissenschaftler vom Frankfurter Senckenberg-Institut untersuchen diese Fundorte schon seit Mitte der 1980e Jahre und fanden in den Sedimentschichten immer wieder Mangrovenpollen. Diese Bäume wachsen im Gezeitenbereich tropischer bis subtropischer Küstenregionen, so wie heute in Florida. Damit wurde die Theorie über die Existenz einer Meeresbucht vor unserer Haustür bestärkt. Doch erst der aktuelle Fund von Palmstümpfen und Seegras belegt sicher, dass das Meer hier tatsächlich ganz nah war und außerdem subtropisches Klima herrschte.
Grabungsleiter Dr. Volker Wilde präsentierte in dieser Woche nicht nur die neu entdeckten Fundstücke – Palmstümpfe und Seegrasspuren – , sondern gab einen Ausblick auf weitere Forschungspläne in Schöningen. Eine Bohrung an einer ganz bestimmten Stelle im Braunkohleabbaugebiet könnte die Untersuchung der gesamten Schichtenfolge des Paläozens für Forscher zugänglich machen. Diese Epoche startete vor 65 Millionen Jahren noch vor dem Eozän. Dieser Bohrkern böte Forscher verschiedener Disziplinen eine einmalige Chance. Doch dafür wird eine Menge Geld benötigt und die Uhr tickt ebenfalls unerbittlich. Bis 2017 soll die Kohleförderung abgeschlossen sein und die Bohrstelle liegt im Fördergebiet.
Ein Beitrag von Susann Mättig für BS-Live!
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Große Pläne für den Wirtschaftsstandort | Wo der Fußball laufen lernte…
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