Sie sind hier: Startseite » Magazin » Aktuelle News

Das Kinojahr 2017- ein Rückblick

Das Kinojahr 2017 endete mit einem klaren Bekenntnis des Publikums: wenn der Film stimmt, fällt die Entscheidung klar für die große Leinwand aus! In einem fulminanten Schlußspurt gelang es den Filmtheatern noch, die Besucherzahl aus dem Vorjahr knapp zu schlagen. Doch mit den Besucherzahlen sind auch die Probleme der Branche gewachsen: die Attraktivität reiner Effekte-Blockbuster nimmt weiterhin ab, während die der Streamingdienste zunimmt. Und noch sind die Auswirkungen des Skandals um Harvey Weinstein und der daraus resultierenden #metoo- Debatte für die Filmindustrie nicht abzusehen.

Das deutsche Kinopublikum scheint gern auf "Nummer Sicher" zu gehen. Das Kinojahr 2017 setzte auf Altbewährtes: Jedenfalls wenn es darum ging, an der Kinokasse Umsatz zu machen. Die fünf absoluten Kassenschlager mit jeweils drei bis weit über fünf Millionen Zuschauern sind allesamt Fortsetzungsfilme. Der Abräumer des Jahres ist die deutsche Produktion "Fack Ju Göhte – Teil 3", und dann kommen der ebenfalls dritte Teil von "Ich – einfach unverbesserlich" und „Star Wars- Teil 8“. Gefloppt nicht im Sinne von Einnahmen, sondern im Sinne der Erwartungen sind allerdings viele Filme: „Pirates of the Caribbean 5: Salazars Rache“, “Die Mumie“, „Valerian - Die Stadt der tausend Planeten“, „Alien: Covenant“  oder auch „Transformers 5: The Last Knight“ und „Justice League“.  Sie alle hätten nach der Standard-Formel große Hits werden sollen. Sie alle sind abgestraft worden. Das Publikum, so macht es den Anschein, hat sich satt gesehen am Effektegewitter. Niemand geht ins Kino und zahlt zwischen 9 bis 15 Euro für ein Ticket, wenn er bereits im Vorfeld und spätestens mit einem Trailer weiß, was ihn erwartet. Der Gast will überrascht werden mit einer klugen Story und Wendungen, die man nicht sehen kommt und echten Menschen, also tatsächlichen Charakteren und keinen seelenlosen Triggern. Ausgerechnet das Genre, das jahrelang als 08/15-Genre verschrien wurde, hat in dem vergangenen Jahr die  notwendigen Akzente geliefert: das Horrorgenre mit Filmen wie Stephen Kings „Es“ und „Get Out“, der auch bei der diesjährigen OSCAR- Verleihung eine Rolle spielen könnte. Quasi im Alleingang übernimmt „Fack Ju Göhte 3“ die Ehrenrettung des deutschen Films, der als Einziger in den Top 10 zu finden ist. Ansonsten hieß es Abschied nehmen mit den jeweils letzten Teilen von „Bibi & Tina“, „Ostwind“ und „Bully“, der sein Comedy- Image ablegen will und ins „ernste“ Fach wechselt! Und auch hier ist immer mehr der große Einfluss der Streaming-Dienste zu spüren. Deutsche Serien wie „Babylon Berlin“ oder „Dark“ sorgten am Ende für mehr Furore, als Fatih Akins Oscar-nominiertes Drama "Aus dem Nichts", das es gerade noch in die Top 100 geschafft hat. Bevor wir wieder den Blick auf die ungewisse Zukunft legen, sollten wir diejenigen Filmschaffenden nicht vergessen, die, neben so vielen anderen, in diesem Jahr verstarben. Der einzigartige Kameramann Michael Ballhaus, der unvergeßliche Komiker Jerry Lewis, natürlich die großartige Französin Jeanne Moreau, "Schweigen der Lämmer"-Regisseur Jonathan Demme oder der aus den "James Bond"-Filmen bekannte britische Schauspieler Roger Moore. Sie werden fehlen.

Quelle: C1

Fack Ju Göhte 3
Fack Ju Göhte 3 Foto: Constantin Film