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Burgpassage soll zur Burggasse werden

In Braunschweigs Innenstadt soll eine neue Straße entstehen. Nach einem in diesem Frühjahr ausgelobten Städtebauwettbewerb ist geplant die Burgpassage abzureißen und dadurch eine neue Gasse entstehen zu lassen, die schon mal im Arbeitstitel als „Burggasse“ heißt. Überzeugen konnte beim Wettbewerb der Entwurf des Braunschweiger Architekturbüros Welp von Klitzing.

Perspektive Schuhstraße (Abb: Welp von Klitzing)

In enger Abstimmung mit der Stadt Braunschweig und der niedersächsischen Architektenkammer hatte im März diesen Jahren der Düsseldorfer Projektentwickler Development Partner, der die Burgpassage im Jahr 2015 von der Allianz Lebensversicherungs AG erworben hatte, einen bundesweiten Wettbewerb für die Neuentwicklung der Burgpassage in der Braunschweiger Innenstadt ausgelobt. Sechs Büros sind bundesweit angeschrieben worden und hatten unterschiedliche Entwürfe eingereicht. Das Braunschweiger Büro Welp von Klitzing konnte mit seinem Konzept den Wettbewerb für sich entscheiden. Eine elfköpfige Jury unter dem Vorsitz von Professor Johannes Ringel (RKW) kürte als Ergebnis des mehrstufigen Wettbewerbs den Entwurf des Braunschweiger Büros als Sieger. Den 2. Preis erhielt das Braunschweiger Büro KSP Jürgen Engel Architekten, der 3. Preis ging an das Büro Kadawittfeld Architektur in Aachen.

Ansichten der Fassaden (Abb: Welp von Klitzing)

Der Entwurf von Welp von Klitzning sieht vor, die Burgpassage zu entkernen und anstelle der bislang geschlossenen und überdachten Burgpassage im Sinne eines Shopping-Centers künftig Ladenlokale, die einzeln und individuell über das Erdgeschoss erschlossen werden, entstehen zu lassen. Durch die Öffnung der Passage entsteht somit eine neue Gasse, den Braunschweiger 1a-Lagen Hutfiltern mit der Schuhstraße verbindet. Geplant sind mehrgeschossige Bauten mit einer Nutzungsmischung aus Einzelhandelsflächen im Erd- und Obergeschoss sowie Wohnnutzungen in den oberen Geschossen. Durch diese Planung soll der westliche Innenstadtbereich wieder zu einem attraktiven Anziehungspunkt werden und die Lebendigkeit dieses Stadtgebiets erhöhen.

Für Oberbürgermeister Ulrich Markurth ist die Neugestaltung der Burgpassage ein wichtiger Meilenstein in der Stadtentwicklung, mit der man städtebauliches Neuland betrete: „Die Weiterentwicklung der Burgpassage mit einem neuen Konzept für den Einzelhandel und innerstädtischem Wohnen ist eine große Chance, die Innenstadt weiter zu stärken. Das ist ein positives Signal für den Einzelhandel und die Attraktivität der Innenstadt insgesamt. Die Idee, aus der Burgpassage eine „Burggasse“ zu machen und damit Hutfiltern und Schuhstraße städtebaulich zu verbinden, finde ich sehr vielversprechend.“ Markurth sagte, auf der EXPO Real vor zwei Jahren habe man erstmals über das Projekt gesprochen. „Jetzt sind wir einen großen Schritt weiter.“

Da die Burgpassage in der jüngsten Vergangenheit massive Ladenleerstände zu beklagen hatte und somit nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte, hält auch Ralf Niggemann, CEO von Development Partner die Neugestaltung für notwendig: „Die Neuentwicklung der alten Burgpassage hin zu der neuen ‚Burggasse‘ als Ergänzung der innerstädtischen 1A-Lage zwischen Hutfiltern, dem Kohlmarkt und der Schuhstraße ist längst überfällig und aufgrund der inzwischen eingetretenen Negativentwicklung in der Burgpassage auch unausweichlich gewesen“, erklärte Ralf Niggemann.

Den Vorschlag des Büros Welp von Klitzing lobten Gunter Köhnlein, Projektgeschäftsführer von Development Partner, und Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer einmütig: „Der Siegerentwurf setzt die der Auslobung zugrunde liegende Entwicklungsidee der Öffnung einer Straße mit einzeln ablesbaren Häusern im Kontext der bestehenden Innenstadt am konsequentesten und überzeugendsten um.“ Leuer, ebenfalls Mitglied der Jury, sagte weiter: „Der Entwurf fügt sich besonders gut in das mittelalterliche Gepräge der Innenstadt ein. Es entsteht ein neuer Stadtraum, der das Gesicht der Innenstadt nach meiner Einschätzung positiv verändern wird.“

Perspektive Hutfiltern (Abb: Welp von Klitzing)

An Hutfiltern wird das Bestandsgebäude als Entree in die neue Gasse zweigeschossig geöffnet. Zur Schuhstraße solle dem Entwurf gemäß ein Gebäudeteil, unter dem sich heute der Eingang befindet, entfernt werden. Die neue Burggasse erhält vier - bis fünfgeschossige Gebäudeeinheiten mit zweigeschossigen Ladenlokale sowie in den 35 bis 40 Wohnungen in den Obergeschossen. An Details müssen die Architekten Welp und von Klitzing noch in Abstimmung mit den Denkmalbehörden arbeiten, da Teile des bestehenden Gebäudeensembles unter Denkmalschutz stehen. Wenn die Baugenehmigung erteilt wird, soll Mitte bis Ende 2018 mit dem Rück-und Umbau begonnen werden. Die Bauzeit wird etwa 24 Monte dauern. Über die Investitionssumme konnte Niggemann noch keine genauen Aussagen macht, er schätzt aber die Kosten auf etwa 80 Millionen Euro.

Ein Beitrag von Kerstin Lautenbach-Hsu