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BBG-Faltenrocker treten beim Tag der Senioren auf

Schon Udo Jürgens wusste: Mit 66 Jahren fängt das Leben erst so richtig an. Dass man auch nach der Pensionierung noch auf die Rockerschiene wechseln kann, beweisen neun Bewohner der Seniorenresidenz Tuckermannstraße, die vor einem Jahr gemeinsam mit drei Profimusikern die Schlagerband „BBG-Faltenrocker“ gegründet haben. Jetzt wollen die rüstigen Nachwachsmusiker beim Tag der Senioren der Öffentlichkeit zeigen, welches Repertoire sie sich innerhalb des letzten Jahres erarbeitet haben.

Die BBG-Faltenrocker freuen sich schon auf ihren Auftritt. (Foto: BBG)

Die „BBG-Faltenrocker“ ist ein Projekt, das die BBG-Seniorenresidenz Tuckermannstraße vor einem Jahr ins Leben gerufen hat. Die Idee dazu hatte BBG-Marketingleiter Andreas Gehrke: „Im Fernsehen lief ein Film mit Jan Josef Liefers und Joachim Fuchsberger. Ein Rockmusiker musste Sozialstunden in einem Seniorenheim leisten. Er gründete eine Altenheim-Band. Ich dachte, das wäre doch auch etwas für uns.“

Kurzerhand rief Gehrke den BBG-Geschäftsführer Stephan Nielsen an, der sofort begeistert war; das Projekt konnte anlaufen. Als Bandleiter wurden die drei bekannten Braunschweiger Musiker Fritz Köster, Michael Kumpe und Reiner Störig engagiert. Einige der Workshops kamen dann so gut an, dass daraus eine feste Band wurde, in der neun Bewohner regelmäßig einmal im Monat zusammen Musik machen.

„Die Band ist oft Gesprächsthema. Eigentlich ständig. Die Musik rückt die Teilnehmer ein bisschen ins Rampenlicht. Sie haben großen Spaß daran“, erzählt Corinna Hoffmann, die Leiterin des Begleitenden Dienstes. Die Songs wählen die Senioren selbst aus. „Wir fragen zum Beispiel: Bei welchem Lied haben Sie Ihren Mann kennengelernt? Welchen Song haben Sie im Urlaub gehört? Da werden gleich viele Geschichten erzählt, etwa von der Fahrt im Käfer nach Österreich, und es lief ‚Liebeskummer lohnt sich nicht‘“, berichtet Michael Kumpe.

Fritz Köster, der in der Band Gitarre spielt und singt, erzählt dazu Storys vom Musikerdasein. Köster trat einst in der Band von Billy Mo auf, heute ist er, zusammen mit Schlagzeuger Reiner Störig, der in der Seniorenband Kistentrommel spielt, u.a. mit den „Golden Boys“ unterwegs.

Die einstündigen Proben der "Faltenrocker" beginnen mit Rhythmusübungen mit Trommeln und Schütteleiern, anschließend werden die Instrumente verteilt: Keyboard, E-Bass, E-Gitarre, Tambourin und Trommeln. Dietrich Wolff (79) trommelt. „Ich finde es wunderbar“, sagt er. „Früher habe ich in einem Kirchenchor gesungen. Das Singen habe ich vermisst.“ Bei „Liebeskummer lohnt sich nicht“ hat er jetzt ein Solo. Christa Brandes (75) hat sich für den Bass entschieden. „Erst war mir das nicht so ganz geheuer. Ich habe nie ein Instrument gespielt. Früher hatten wir kein Geld dafür“, erzählt sie. „Aber inzwischen kann ich ein bisschen Rhythmus beisteuern. Ich freue mich immer auf die Treffen.“

Mit ein bis drei Akkorden oder Tönen spielen die Instrumentalisten jeweils das ganze Lied und begleiten es auch mit Gesang. Jedes Mal ist es ein lockeres, heiteres Treffen. „Niemand hat Angst, etwas falsch zu machen, weil man hier nichts falsch machen kann“, so Michael Kumpe. „Wenn ich sehe, wie die Leute hier herausgehen: voller Energie. Sie wirken, als hätten sie in eine Steckdose gefasst.“

Nun steht der erste öffentliche Auftritt bevor, bei dem die musikbegeisterten Senioren endlich der Öffentlichkeit zeigen können, was sie innerhalb des letztens Jahres gelernt haben. Beim „Tag der Senioren“ am 9. Juni treten die BBG-Faltenrocker vor dem Rathaus auf. Am 1. Juli stehen sie dann im Seniorenzentrum auf der Bühne – beim Sommerfest anlässlich des zehnjährigen Bestehens. Präsentieren werden sie dabei unvergessene Evergreens wie „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Fahrende Musikanten“ und „Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut“ und dabei tragen sie natürlich Tirolerhüte.

Ein Beitrag von Kerstin Lautenbach-Hsu