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JÖRN BIRKHOLZ: "DEPLATZIERT" |
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„Vielleicht habe ich mich tatsächlich hinter einem Studium versteckt, um bedeutungsvolleren Aufgaben vorerst aus dem Weg zu gehen, sei es aus Bequemlichkeit oder aus Unkenntnis.“
Diese Selbsterkenntnis und die sich darin offenbarende Fähigkeit, zu beobachten und Menschen (einschließlich sich selbst) zu durchschauen, hilft dem namenlosen Helden aus Jörn Birkholz’ Debütroman leider nicht, sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Der einunddreißigjährige Dauerstudent ohne Freundin, der mit seinem als Aushilfskraft im Baumarkt verdienten Geld nur gerade eben über die Runden kommt, weiß noch immer nicht, welche Richtung er einschlagen soll. Und so verbringt er seine Zeit auf schlechten Punkkonzerten, bei denen er sich fehl am Platze vorkommt, und auf Partys, die in Alkoholexzesse ausarten. Seine „Schwäche für strauchelnde, zerrissene und zweifelnde Menschen“ lässt ihn Freundschaft schließen mit dem hypersensiblen und kritischen Idealisten Elias, dem seit einem Motorradunfall querschnittsgelähmten Volker und Udo, der aus Trauer über den Tod seiner Schwester durch die Weltgeschichte reist. Dabei möchten seine konservativen Eltern, die in ihrer heilen Welt leben, doch nur, dass er sein Studium abschließt und einer geregelten Arbeit nachgeht. Dies erweist sich jedoch als schwierig, da seine Magisterarbeit von dem Professor als Desaster charakterisiert wird. Sogar seine Menschenkenntnis, auf die er sonst immer vertrauen konnte, stellt sich als trügerisch heraus, als sein freundlich wirkender Arbeitskollege ihm von seinen begangenen Gewalttaten berichtet, für die er eine Gefängnisstrafe absitzen muss. Verstärkt wird das Bild über den Protagonisten durch fragmentarische Erinnerungen: Bei einem Besuch in Polen beim Onkel seiner damaligen Freundin treiben dessen Freunde grobe Späße mit ihm. Der Besuch endet mit einer Fahrt mit einer Leiche im Kofferraum …
Jörn Birkholz’ Erzähler betrachtet mit lakonischem Blick seine Welt aus anspruchsvoller Ziellosigkeit und einer Tristesse Royal in Reinkultur: Mit erfrischender Komik erzählt „Deplatziert“ von einer Aneinanderreihung unerwarteter, skurriler Schicksalswendungen und zeichnet gleichzeitig ein stimmungsvolles Porträt einer Thirtysomething-Generation, die sich weigert, sich jenseits ihres Langzeitstudentendaseins dem Leben zu stellen.
Jörn Birkholz: Deplatziert. Roman Schardt Verlag Oldenburg, 2009 172 Seiten, 10 Euro ISBN 978-3-89841-472-2
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Der Autor:
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Jörn Birkholz, geboren 1972, lebt in der Hansestadt Bremen. Er studierte Geschichts- und Kulturwissenschaften und ist seit 2007 für das Geschichtskontor Bremen/Walle tätig.
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