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PREMIERE DER OPER "CARMEN" VON GEORGES BIZET

Zwei Pole berühren sich im Tod

In dem Drama um Liebe, Leidenschaft und Eifersucht gelang es Regisseur Joel Lauwers nicht nur den Inhalt als Rückblende glaubwürdig und fesselnd zu inszenieren, sondern auch die Rollen authentisch zu besetzen.
Carmen, die Zigeunerin, die wild, verwegen und ehrlich ist.
Don José, der sie dafür liebt, diese Liebe seinem Narzissmus opfert, als sie beginnt sich von ihm abzuwenden, da er die Eigenschaften die ihn einst anzogen, nun zu ersticken versucht. Versunken in Hassgefühle dafür, dass er sie noch liebt und Selbstmitleid für das, was er dadurch verlor. Sie, die die Freiheit idealisiert, er, ein Gefangener seiner selbst, der nie gelernt hat, frei zu sein. Escamillo, der sich in seiner Selbstverliebtheit bereitwillig zum Gegenstand des Verrats zwischen vermeintlichem Opfer und dessen Täterin macht. Die beiden Pole treffen schließlich im Tod aufeinander.
Das Bühnenbild von Helmut Stürmer stellt die gesamte Handlung in einer nachgestellten Arena dar, die mit roter Beleuchtung dominierte und zum Teil etwas zu düster wirkte.


 

Rassig, rassiger, Karine Ohanyan.

Die Mezzosopranistin Karine Ohanyan bestach nicht nur durch ihre sicher geführte Stimme, die diese Partie in Höhen und Tiefen ohne Brüche meisterte, sondern auch durch die leidenschaftliche sowie kompromisslose Darstellung der Carmen. Da sie die französische Sprache beherrscht, war ihre Artikulation ein weiterer Höhepunkt. Eine runde Leistung und unbedingt erlebenswert!
Mit Arthur Shen als Don José, der den verliebt-verzweifelten Deserteur ergreifend darstellt, stehen sich sowohl szenisch als auch stimmlich, zwei ebenbürtigen Künstler gegenüber. Mit Arthur Shen, erlebt der Besucher einen höhensicheren Tenor, der die Partie gleichfalls virtuos darbot.
Jan Zinkler als Escamillo überzeugte stimmlich nicht. Seine Stimme klang abgedunkelt und gedrückt, was der Artikulation nicht zuträglich war. Szenisch lieferte er eine packende Darstellung des Toreros.
Susanna Pütters in der Rolle der Micaela, verstand es, den Part der naiven Liebenden glaubwürdig umzusetzen. Ihr Sopran jedoch, klang eng und angestrengt in den Höhen.
Simone Lichtenstein wies in der Rolle der Frasquita einen gerade geführten Sopran auf.
Sarah Ferede hat die Partie der Mercédès solide gesungen, ihr warmer Mezzosopran macht Lust auf mehr.
Kenneth Bannon sang die Rolle des Schmugglers Remendado gewohnt souverän.
Gasttenor Albrecht Kludzuweit, der für den erkrankten Bariton Malte Rösner einsprang, sang die Partie klar und ideal für die Rolle.
Hakan Selcuk Tirasoglu als Zuninga, sowie Dae-Bum Lee als Moralès, überzeugten wie gewohnt und waren ein Genuss.


 

Kinderchor auf hohem Niveau

Kinder auf der Opernbühne sind fast immer ein Garant für Begeisterung, doch das käme dem Kinderchor unter der Leitung von Margit Cherkeh nicht nahe. Die präzise Einstudierung durch Tadeusz Nowakowski verdient eine besondere Anerkennung. Der Belcanto Kinderchor lieferte stimmlich und darstellerisch ein hohes Niveau.
Phantastisch ist auch die Leistung des Chores und Extra-Chores unter der Leitung von Chordirektor Georg Menskes zu bewerten:
Die Massen eindrucksvoll in Szene gesetzt, entfalteten die Chöre die erforderliche Dynamik und schufen ein Gänsehauterlebnis nach dem anderen.
Das Staatsorchester ließ in dieser Inszenierung unter der Leitung von Generalmusikdirektor Alexander Joel die erforderliche Dynamik vermissen.

Die Statisterie des Staatstheaters bedarf dieses Mal ebenso der Erwähnung, denn diese schien mit besonderer Sorgfalt ausgewählt. Unter der Choreographie von Katja Buhl entstanden ausdrucksvolle Tanzszenen, welche die Handlung noch unterstrichen, sowie der Darsteller Bizets, welcher nahezu während des ganzen Stücks, den schreibenden Komponisten auf der Bühne mimte.

Diese Inszenierung riss das Publikum mit. Applaus zwischen den Arien und in der Pause summende oder leise singende Zuschauer. Am Ende der Vorstellung Begeisterungsstürme und Bravorufe.
Ein großer Opernabend im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig.

Text: Alkmini Nelsen für BS-Live!
Fotos: Christian Bort (Staatstheater Braunschweig)










 

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