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LUCIA DI LAMMERMOOR - OPER IM GROßEN HAUS |
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"Wahnsinnig" gut
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Die Oper in drei Akten von Gaetano Donizetti, gilt als eines der wichtigsten Werke der Epoche des Belcanto schlechthin. Sie erzählt von der unglücklichen Liebe Lucias zu Edgardo, die aus miteinander verfeindeten Adelsfamilien stammen. Dennoch schwören sie sich Treue und ewige Liebe. Enrico, der Bruder Lucias, ist empört und strebt zur Sicherung seiner eigenen politischen so wie finanziellen Situation die Vermählung seiner Schwester mit dem reichen Arturo Bucklaw an. Lucia nimmt bedrohende Ahnungen war, Edgardo verlässt für kurze Zeit das Land.
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Briefe zwischen Edgardo und Lucia werden im Auftrag des intriganten Bruders abgefangen und die beiden Liebenden somit getäuscht. So glaubt Enrico seine Schwester zur Hochzeit mit Arturo bewegen zu können. Er nötigt seine zwar enttäuschte aber dennoch weiterhin unwillige Schwester zu Unterschrift - plötzlich taucht Edgardo auf der Hochzeitsfeier auf. Er verlangt den Ring, den er Lucia als Pfand für ihren Liebesschwur gab, von ihr zurück und verflucht sie.
Mitten in die Hochzeitsgesellschaft platzt die Nachricht, dass Lucia ihren Bräutigam in der Hochzeitsnacht ermordete. Lucia erscheint dort kurze Zeit später, fantasiert und hat offensichtlich Wahnvorstellungen.
Edgardo erfährt nach und nach von den Ereignissen und zerbricht unter der Last seiner zu Unrecht geäußerten Beschuldigungen und tötet sich.
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Fehldiagnose?
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Die Inszenierung Florian Lutz' sowie das Bühnenbild Martin Kukulies', vermochten die düstere und beklemmende Stimmung sowie Tragik dieser Oper, hervorragend zu transportieren. Der stete Regen lenkte nur kurz die Aufmerksamkeit auf die in der Nässe agierenden Künstler, so sehr war dieser Effekt gelungen! Leider wurden die Anspielungen auf die Borderline Persönlichkeitsstörung, die sich im Programmheft als beabsichtigt bestätigten, krampf(nk)haft in die Handlung eingezwängt. Auch drei Seiten Beschreibung der Borderline-Störung vermochten keinen glaubwürdigen Bezug zur Figur der Lucia di Lammermoor herstellen. Spätestens bei der Aufzählung der Symptome hätte Lutz dies selbst bemerken können.
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Das erlebt wohl jeder mal
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Lucia ist während des gesamten Stücks sehr klar und in Kontakt mit ihren eigenen Gefühlen, so wie in ihren Gefühlen zu dem von ihr auserwählten Geliebten. Hier ist keinerlei emotionale Sprunghaftigkeit auszumachen. Sie befindet sich zwar in einem Loyalitätskonflikt zwischen ihrer Herkunftsfamilie und dem erwählten Partner, doch das erlebt wohl jeder Mensch einmal, ohne daraufhin gleich einer Borderline-Störung zu unterliegen. Dass eine Frau, die sich einer Vergewaltigung notfalls auch durch Tötung des Täters zu entziehen weiß, gleich als krank personifiziert wird, mag mit dem damaligen Rollenverständnis zusammen hängen. Hier mag man den ver-rückten Zustand Lucias in einer genauso ver-rückten Gesellschaft, allenfalls als psychotischen Zustand fest machen, der aber kein Einzelfall ist oder gar etwas besonderes darstellt, sondern eine folgerichtige Reaktion des Individuums zum Selbstschutz nach einer derartigen Traumatisierung im doppelten Sinne.
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Trotzig inszenierte Klischees - „Borderline“
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Als grenzwertig an dieser Inszenierung, wirkt einzig der misslungene Bogen zu diesem Krankheitsbild, einschließlich der trotzig eingeworfenen Klischees wie dem „Schnippeln“ und dem Hantieren mit der Schere.
Die Sänger, insbesondere der Chor als Lucia-Double am Ende, wirkten darstellerisch kurzzeitig überfordert, weil es einfach nicht immer schlüssig war.
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Grandiose Sänger - hohes Niveau
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Liana Aleksanyan als Lucia, bestach durch ihre Perfektion in den Koloraturen, aber auch durch die gut und anmutig geführten lyrischen Momente. Durch ihre glaubwürdige Darstellung der Lucia rundete sie die Rolle tadellos ab.
Andrej Dunaev als Edgardo war durch seinen unangestrengten, perfekt geführten Tenor gleichfalls ein akustischer Genuss.
Malte Roesner als Enrico brillierte sowohl darstellerisch als auch stimmlich, die Rolle war mit dem Bariton ideal besetzt, da er hier seinen großen Stimmumfang in konstant angemessener Farbe präsentieren konnte.
Dae-Bum Lee als Raimondo - der markante Bass setzte eindrucksvoll Akzente.
Tobias Haaks als Arturo fiel, trotz der vergleichsweise kleinen Rolle, durch seine wohlklingende Tenorstimme und seine sorgfältige Darstellung angenehm auf.
Kenneth Bannon als Normanno sang solide, ebenso Sarah Ferede als Alisa mit ihrem warmen Mezzosopran, beide rundeten das hohe Niveau, auf dem die Sänger sich in dieser Besetzung befanden, ab. Dem vielseitig geforderten Opernchor unter der Leitung von Georg Menskes, gelang die konsequente Führung der Legato-Bögen; wieder einmal eine Glanzleistung! Das Orchester, dirigiert von Sebastian Beckedorf, ließ sich dynamisch führen und der Charakter des Belcanto wurde gelungen umgesetzt.
Die Inszenierung war eindrucksvoll und mit viel Kreativität beseelt. Die musikalische Leistung war allerdings so phantastisch und niveauvoll, dass die Künstler auch mit weniger ausgekommen wären.
Text: Alkmini Nelsen Fotos: Christian Bort
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Theaterballimpressionen | Generalintendant präsentiert die Spielzeit 2010/11
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