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DON GIOVANNI VON WOLFGANG AMADEUS MOZART |
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Premiere im Großen Haus des Staatstheaters
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Getarntes Sparpaket?
In der Inszenierung Johannes Eraths, beginnt die Oper mit der eigenwilligen Interpretation der Finalszene und den apathisch agierenden Akteuren mit deren Gesang aus der Konserve! Bei allen Zugeständnissen für moderne Inszenierungen: das geht gar nicht, oder darf das Braunschweiger Publikum dies als Stilbruch getarntes Sparpaket für künftige Inszenierungen begreifen? Erst ein bisschen vom Band, dann den Chor ersetzt, später das Orchester, bis wir uns die Stücke auf CD anhören und Statisten auf der Bühne agieren? Welch' undankbare Vision!
Don Giovanni – Täter und Opfer seiner selbst
Die Akteure werden von ihren Erinnerungen an Don Giovanni eingeholt und lassen diese noch einmal lebendig werden. Allerdings sind in dieser Inszenierung Don Giovanni und allenfalls Leporello, sein Diener, die Einzigen, denen Leben zugestanden wird. Donna Anna, die Tochter des Komturs und Don Ottavio, ihr Verlobter, wirken einander steril zugewandt. Don Giovanni, auf ein Abenteuer mit Donna Anna aus, wird von ihr abgewiesen und der zur Hilfe eilende Vater schließlich von ihm ermordet. Don Ottavio schwört auf das Drängen Donna Annas Rache. Donna Elvira, die verlassene Geliebte Don Giovannis, erfährt auf der Suche nach ihm, dass auch sie nur ein flüchtiges Abenteuer für ihn war. Don Giovanni macht auch nicht halt vor der Braut Massettos, Zerlina. Als sie seinen Verführungskünsten zu erliegen droht, mischt Donna Elvira sich ein und warnt sie. Inzwischen treibt Don Giovanni sein Spiel weiter und bietet Donna Anna und Don Ottavio seine Hilfe bei der Suche nach dem Mörder des Komturs an. Donna Elvira warnt abermals vor ihm und Donna Anna wird klar, dass Don Giovanni ihren Vater getötet hat. Dieser schreckt jedoch auch im weiteren Verlauf nicht davor zurück, sich für seinen Diener Leporello auszugeben, um ihn der Wut und der Verfolgung an seiner statt auszusetzen. Als die Verwechselung aufgedeckt wird, droht Don Giovanni, der mittlerweile durch des Komturs Geist verfolgt wird, der Tod. Donna Elvira fühlt sich zerrissen zwischen Ihrem Vergeltungswunsch und Mitleid für ihn.
Dem Publikum Doppelmoral gespiegelt
Das Bühnenbild Stefan Heinrichs ist trist, grau, spartanisch, fast lieblos gestaltet. Bloße Matratzen liegen neben Kloschüsseln, den Akteuren werden lange und sich immer wiederholende plumpe, grobe Sexszenen abgefordert und den Zuschauern zugemutet. Hier hielt diese Inszenierung den eigentlichen Spannungsbogen: Als Spiegel unserer Gesellschaft! Wenn das das Ziel war, ein lautes Bravo, denn was nun folgte, war zum Teil das Abbild eines doppelbödigen, sich gerne als intellektuell gerierenden Publikums. Den vulgären Zwischenruf eines Zuschauers, der allerdings die belustigte Reaktion zahlreicher Zuschauer hervorrief, ließ befürchten, dass die Sticheleien zu Braunschweig als Provinz doch nicht so weit hergeholt sind. Die Doppelbödigkeit wurde durch einen weiteren Zwischenruf nach dem Tod Don Giovannis bekräftigt. Stellt sich hier die Frage: hatte niemand das Recht zu gehen, wenn es missfällt? Dies erinnert an den Effekt der Zeitung mit den vier Buchstaben, die keiner gelesen haben will, deren Inhalt aber jeder kennt... Sich diese grob inszenierten Sexszenen bis zum Ende ansehen, um sich anschließend lautstark und als moralische Instanz darüber zu empören, das ist durchschaubar und unglaubwürdig.
Klischeehafte Hypothesen – distanzierte Frauen als latente Missbrauchsopfer unter Generalverdacht
Die Hypothese Eraths, Donna Annas frigide anmutendes Verhalten ihrem Verlobten gegenüber, als möglichen Missbrauch in ihrer Kindheit durch ihren Vater auszulegen...Aua! Theater soll aufrütteln, gerne auch aufklären, aber bitte nicht durch populistische Annahmen oder Hypothesen, Vorurteile schüren, das kann bei dem 'falschen' Publikum auch schnell nach hinten los gehen. Auch die konstruierte Erklärung im Programmheft, dass die Suche nach dem Vatermörder/Missbraucher, einen therapeutischen Prozess darzustellen vermag – muss man das verstehen?
Verwirrung brachten auch die Doubles, von Statisten dargestellt, hinein. Als wäre nicht schon alles verworren genug, musste man, wenn man bis dahin nicht schon den inneren Rückzug vollzogen hat, um dem von Sebastian Beckedorf sicher geleiteten Staatsorchester so wie den Sängern zu lauschen, raten, wer wen darstellen sollte. Eine wenig mehr Mühe beim Casting nach Personen, die den meisten Hauptdarstellern wenigstens etwas ähneln, hätte den wohl erwünschten, wenn auch hier gründlich misslungenen Effekt, haben können. Schade.
Musste das sein?
Selcuk Hakan Tirasoglu, in der Rolle des Komturs, lässt seit einigen Jahren und in zahlreichen Inszenierungen am Staatstheater Braunschweig stimmlich keine Wünsche offen. Hier wurde von ihm verlangt, fast die gesamte Zeit in einem Toilettenstuhl als Leiche zu verharren, um dann am Ende durch gewaltigen dynamischen Farbklang zu beweisen, dass sein kraftvoller Bass auch der inszenierten stundenlangen verbogenen Körperhaltung, trotzt; musste das sein?
Ein großartiges Ensemble!
Orhan Yildiz als Don Giovanni, glänzte durch seinen klaren, warmen und kraftvollen Bariton. Gesteigert wurde diese konstante Leistung durch seine Darstellung. Ein überzeugender Verführer! Ekaterina Kudryatseva in der Rolle der Donna Anna, zart und verwundbar im Spiel, mit berührendem und besonders in der Höhe glänzendem Sopran, wunderbar! Matthias Stier als Don Ottavio, neu im Ensemble des Staatstheaters, der mit gerade geführtem Tenor und dezentem Schmelz Lust auf Mehr macht! Julia Rutigliano in der Rolle der Donna Elvira, die dynamisch und kraftvoll in der Mittellage agiert, aber auch die Höhen souverän zu nehmen weiß. Dae-Bum Lee als Leporello, der für die Rolle mit seinem Bass Akzente setzte und für diese Rolle wieder bestens besetzt wurde. Moran Abouloff in der Rolle der Zerlina wirkt in dieser düsteren Umgebung mit ihrem sauber geführten Sopran angenehm erfrischend. Malte Roesner als Masetto überzeugte durch seinen klangvollen Bariton, der noch mehr erwarten lässt. Der Chor unter der Leitung von Georg Menskes war, wie zu erwarten, klangvoll und sicher.
Regie setzte sich mit dem Thema auseinander
Großer Jubel und Applaus für die Sänger, den Chor, sowie das Orchester, dominierende Buh-Rufe für die Regie von einem Publikum, welches es mehrheitlich vorzog bis zum Ende zu bleiben. Ob das Ergebnis gefallen mag oder nicht, die Regie hat sich mit dieser Oper auseinander gesetzt, es ist eben eine Sichtweise – vielleicht auch der Treffer ins Schwarze.
Weitere Vorstellungen am 04.05., 08.05., 10.05., 26.05., 03.06.und 22.06.2011
Text: F.F. Fotos: Karl-Bernd Karwasz
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Neue Verwaltungsdirektorin am Staatstheater | Neuer Spielplan 2011/2012 - 11 Uraufführungen
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