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ALSO IST BRAUNSCHWEIG DOCH WELTMEISTER!
 

...wenn auch nur im Verhältnis Anzahl der Fans zu verlorenen Punkten.

Da nehme ich meinen Mann am 13.08.2009 schon zur Premiere des Musicals „Unser Eintracht“ im Kleinen Haus des Staatstheaters mit, damit er mir fachkundig in Sachen Fussball zur Seite steht. Und was ist der Dank? Er verdreht die Augen, kündigt mir an, nun 73 Bier trinken zu müssen und dies bitte ohne weiter von mir angesprochen zu werden!
Dabei habe ich doch nur gefragt, weshalb denn Helmut Rahn, der damals schließlich das entscheidende Tor schoss, nicht erwähnt wurde!? Ok, auch ich weiß nun, dass Eintracht Braunschweig 1967 Deutscher Meister war. Ob das nicht ein bisschen zu lange her ist? Nein, diese Frage verkneife ich mir. Lieber beobachte ich das bunte Treiben der Kollegen, die sich zunächst um die Herren der damaligen Mannschaft scharen.


 

Welche Schuhgröße trägt sie?

Für Frauen sei auch etwas dabei, so wurde es angekündigt, und das war nicht nur das Paar Schuhe in Größe 38, welches die Freundin eines bekennenden Eintracht-Fans aus dem Publikum gewann. Überhaupt: Als das Quiz mit Fragen rund um Braunschweig begann, fühlte ich mich trotz mangelnder Blau-Gelb Bekleidung -ein Fauxpas, wie sich zu Beginn der Vorstellung herausstellte, denn man sei „zu 150% Gelb&Blau“- zunehmend entspannter: Zum einen, weil er auf Hilfen zur Beantwortung der Fragen angewiesen war und zum anderen, ha!, weil er merklich zögerte, als er nach der Schuhgröße seiner Freundin befragt wurde.
Ich kann nach dem Streifzug durch die Geschichte dieses Traditionsvereins sagen, dass ich mich herrlich amüsiert habe. Liebevoll wurden Videobeiträge ehemaliger Eintracht-Fussballspieler gesammelt und passend eigeblendet. Die Darstellung der Fans aus allen Gesellschaftsschichten war sehr gut gelungen, die Texte spritzig und von Dirk Lange facettenreich interpretiert. Besonders die Emotionen - böse Zungen behaupten die Verzweiflung - der Eintracht-Fans, wurden humorvoll dargestellt. Hier wurde nicht versäumt, sich bezüglich Toleranz und Gewaltlosigkeit zu positionieren!


 

Eintracht- schäm' du dich!

Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der gecoverte Titel „Time to say good bye“, an dem die Fans ihren geliebten Verein zu Grabe tragen. Die Texte aus der Feder des Frontmanns der Jazzkantine Christian Eitner und des Regisseurs Peter Schanz, waren zum Teil tragisch-komisch, wie beispielsweise die Fürbitte eines Fans, dass „wir 30 Jahre absichtlich 'von denen' unten gehalten werden“. Der Zwiespalt der Fans zwischen Treue und Zuspruch einerseits, als auch Ärger über die andauernde Erfolglosigkeit des Vereins andererseits, wurden spürbar. Das waren die Momente in denen man Fan wurde, auch wenn 'Fussball' in den Ohren so mancher Frau bislang Symptome wie Augen rollen, stoßweise Ausatmen oder Arme verschränken provoziert haben mögen.


 

Jazzkantine – das kann nur gut und erfolgreich sei

Das Publikum wurde in der gesamten Inszenierung mit einbezogen; das machte einfach nur Spass!
Egal welches Thema aufgegriffen wird - und sei es ein drittklassiger Fußballverein: Durch die musikalische Kompetenz der Jazzkantine kann es nur gut und erfolgreich sein!
Man griff auf Sänger zurück, mit denen schon seit Jahren und mehreren Produktionen erfolgreich gearbeitet wird. Ein Genuss in verschiedenen Musikrichtungen verspricht die äußerst talentierte Sängerin Dagmar Bernhard. Ob im Jazz durch eine beeindruckende Stimmfülle, besonders in den tiefen Lagen oder auch die sichere Stimmführung in den hohen Lagen im eher klassisch geprägtem Genre. Louie bestach durch sein komödiantisches Talent zuzüglich seiner - vielen Blauhausbesuchern bekannte - souligen Stimme. Michel Begeame und Cappuccino verstanden es, das Publikum mit Ihren Beiträgen mitzureißen.
Die ersten drei Vorstellungen sind bereits restlos ausverkauft, für alle weiteren Vorstellungen sind noch Restkarten erhältlich.

Text: Alkmini Nelsen
Fotos: (C) Christian Bort


 

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