Wilhelm Raabe-Literaturpreis für Petra Morsbach

Die Schriftstellerin Petra Morsbach hat für ihren Roman „Justizpalast“ den von der Stadt Braunschweig und dem Deutschlandfunk gestifteten und mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2017 erhalten. Der Braunschweiger Oberbürgermeister Ulrich Markurth und Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue überreichten die Auszeichnung am heutigen Sonntag, 5. November. Die Laudatio hielt der Jurist, Journalist und Autor Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung).

Petra Morsbach (Foto: Bogenberger/autorenfotos.com)

Die diesjährige Preisträgerin Petra Morsbach erzählt in ihrem Roman „Justizpalast“ von Verbrechen und Strafe, Delinquenz und Gesetz, heißt es in der Begründung der Jury. Sie erzähle vom prekären Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit und davon, wie sich das normative Gefüge und die Individualität der Menschen im Justizwesen zueinander verhalten.

Weiter heißt es in der Begründung: „Petra Morsbach macht die Rechtsförmigkeit der bürgerlichen Gesellschaft fühlbar, gibt ihr Leben. Realistisch und komisch; analytisch und verständnisvoll. Der Roman weiß um die Gefahren des politischen und persönlichen Missbrauchs des Gesetzes, aber er zeigt das Recht auch als ein filigranes Meisterwerk. Um dessen Schönheit zu sehen braucht es die Literatur, namentlich den „Justizpalast“ von Petra Morsbach.“ Die gesamte Begründung finden Sie untenstehend.

Mit der Verleihung des Wilhelm Raabe-Literaturpreises zeichnen die Stadt Braunschweig und der Deutschlandfunk jährlich ein in deutscher Sprache verfasstes erzählerisches Werk aus, das einen besonderen Stellenwert in der Entwicklung des Preisträgers markiert. Es muss im Vergabejahr erschienen sein. Ausgeschlossen ist die Würdigung eines Erstlingswerkes oder des Gesamtwerkes.

Die Jury:
Dr. h.c. Gerd Biegel (Präsident der Internationalen Raabe-Gesellschaft e.V.) Dr. Christof Hamann (Institut für Deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln) Alexander Cammann (DIE ZEIT) Thomas Geiger (Literarisches Colloquium Berlin) Anja Hesse (Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig) Marie Schmidt (DIE ZEIT) Michael Schmitt (3sat) Dr. Renate Stauf (Germanistisches Institut, TU Braunschweig) Hubert Winkels (Deutschlandfunk)

Die Begründung der Jury:
„Petra Morsbach erzählt in ihrem Roman „Justizpalast“ von Verbrechen und Strafe, Delinquenz und Gesetz. Sie tut es konkret und genau, indem sie Fallgeschichten aus der richterlichen Praxis aufblättert. Sie erzählt vom prekären Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit und davon, wie sich das normative Gefüge und die Individualität der Menschen im Justizwesen zueinander verhalten. Die Welt im „Justizpalast“ ist die ganze Welt noch einmal. Von Hass und Begierde bis zu Nachsicht und Milde. Mit ihrer Richterin Thirza Zorniger als Führerin durchmessen wir das Pandämonium der Leidenschaften und der Schuld und die strengen Formen ihrer Einhegung. In der Person der Richterin haben wir dabei immer ein skeptisches Korrektiv der autoritären Institution. Petra Morsbach macht die Rechtsförmigkeit der bürgerlichen Gesellschaft fühlbar, gibt ihr Leben. Realistisch und komisch; analytisch und verständnisvoll. Der Roman ist ein episodenreicher Lobgesang auf unsere regelgeleitete Selbstorganisation. Er weiß um die Gefahren des politischen und persönlichen Missbrauchs des Gesetzes, aber er zeigt das Recht auch als ein filigranes Meisterwerk. Um dessen Schönheit zu sehen braucht es die Literatur, namentlich den „Justizpalast“ von Petra Morsbach.“

Quelle: Stadt Braunschweig