Klangkunst auf Braunschweigs Friedhöfen

Am Freitagabend ist die Austellung des Allgemeinen Konsumvereins „klangstaetten | stadtklaenge“ feierlich in der Realschule Sidonienstraße eröffnet worden. Ähnlich wie beim letztjährigen Braunschweiger Lichtparcours gibt es vier Wochen lang einen Klangparcours mit elf verschiedenen Installationen, der durchs wstliche Ringgebiet führt, zu erleben.

Vom 08. September bis zum 8. Oktober 2017 organisiert der Allgemeine Konsumverein die Ausstellung „klangstaetten | stadtklaenge“. Zu sehen und vor allem zu hören sind visuelle, audiovisuelle, sowie rein auditive Klanginstallationen, die die Besucher einladen, den Außenraum Braunschweigs neu wahrzunehmen, andere Wege zu gehen und den öffentlichen Raum, und hier insbesondere die historischen Friedhöfe des westlichen Ringgebietes, neu zu entdecken.

Die Künstlerinnen und Künstler von klangstätten. (Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu)

Der Konsumverein knüpft mit der aktuell dritten Ausstellung zwar an die beiden Vorgängerausstellungen von 2009 und 2012 an, bewegt sich diesmal aber doch „zwischen Puff und Kloster“ hinaus und lässt den Betrachter auf diese Weise mehr von der städtischen Topographie erleben. Der Rundparcours startet am Konsumverein und führt auf einer Strecke von 6,5 Kilometern über die ehemaligen Friedhöfe der Kirchen St. Aegidien, St. Ulrici-Brüdern, St. Martini, St. Petri und St. Crucis. Der "Path of Awareness", wie der Rundgang auch heißt, wurde von der Künstlerin katrinem für das Festival entwickelt und will viele Möglichkeiten schaffen, sich mit dem Gehen an sich, dem Schuhwerk, der Fußläufigkeit im urbanen Lebensraum und dessen architektonischen sowie atmosphärischen Qualitäten auseinanderzusetzen. Der Weg fordert den Hörsinn, die Aufmerksamkeit für den eigenen Gehrhythmus im Wechselspiel mit dem urbanen Getriebe - Ampelschaltungen, Fahrradwege, Blätterrauschen.

Gestaltet wurde die diesjährige Ausstellung von internationalen KünstlerInnen: Åsa Stjerna, Ulla Rauter, Kristof Georgen, Stefan Roigk und den Künstlerpaare Jens-Uwe Dyf-fort / Roswitha von den Driesch sowie Natalie Bewernitz / Marek Goldowski. Den Rundgang ergänzen die Wege-Arbeit der Künstlerin katrinem sowie Arbeiten der Klangklasse der HBK Braunschweig. Auch Schülerinnen und Schüler des Schulprojekts sind mit eigenen Arbeiten bei „klangstaetten | stadtklaenge“ dabei.

Auf der Entdeckungsreise durch ein anderes Braunschweig lässt sich viel erleben. Am lautesten Ort des Installionsrundgangs, dem Friedrich-Wilhelm-Platz beispielsweise, veranlasst Ulla Rauter die Besucher über Laut und Leise nachzudenken. Als gedachter Mittelpunkt eines Kreissegmentes will der Kompass den Brüdern-, Martini- und Petrifriedhof, den Kreuz- und Katharinenfriedhof, den Friedhof Hochstraße und den Aegidienkirchhof miteinander verbinden.

Basis der Klanginstallation "Le son, la lumière et les phénomènes optiques de l‘air" auf dem Ägidienkirchhof sind vier selbsttragende Bögen aus verspiegelten Acrylglasplatten. Auf dem Brüdern-Friedhof lässt Stefan Roigk eine Gruppe mit Lautsprechern modifizierter Lampenschirme aus Baumkronen herabhnängen und erweckt mit seiner audiovisuellen Installation verborgene, vergessene oder nicht mehr bewusste Geräusche.

Jens-Uwe Dyffort und Roswitha von den Driesch laden auf dem ehemaligen Friedhof der Martini Gemeinde ein, dem Ticken von Uhrwerken zu lauschen. Sie haben 21 elektroakustische Steuereinheiten an 21 Bäumen installiert und haben 15 Holzpodeste auf der Wiese verteilt.

Bei der Arbeit von Åsa Stjernas "Meer aus Herzen" legt sich ein synchronisiertes, sich über die Zeit stetig wandelndes Klangfeld, basierend auf imaginären Herzschlägen, über das Grün Petri-Friedhof wie ein Echo früherer Zeiten.

Ein Miniaturhaus hängt oben an einem Baum im Friedhofsgelände des Kreuzfriedhofes, eine Art Unterschlupf verstanden als individuelle Behausung. Diese ist "Sitz der Stimme". Von hier aus klingt sie auf- und ab changierend zwischen Imagination und realer Welt. Die Stimme des Countertenors Daniel Gloger) bewegt sich zwischen Stimmhaftem und Klanglichem, unverständlichen und verständlichen Wortfragmenten und Lauten bei der Installationen von Kristof Georgen.

Stillekompass von Ulla Rauter (Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu)

Führungen

Am 10.09., 17.09., 24.09., 01.10. und 08.10.2017 finden jeweils um 11.00 Uhr ab dem Allgemeiner Konsumverein Öffentliche Führungen statt. Dauer circa 2 Stunden. Die Führungen sind kostenfrei und ohne Anmeldung.

Individuelle Führungen können für bis zu 15 Personen zu Fuß oder mit dem Fahrrad gebucht werden. Der Preis pro Person beträgt 3,50 €, mindestens aber 35,00 Euro. Performative Führung mit der Klangkünstlerin katrinem gibt es für 5,00 € pro Person (mind. 50,00 €) Impulse, Workshops und Führungen für Schulklassen, 2,00 € pro Person

Anmeldungen und Buchungen: unter vermittlung@konsumverein.de oder telefonisch unter: 0176 – 8014272. Das Vermittlungsangebot richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, Jugendliche und interessierte Erwachsene, an ganze Familien, Schulklassen Gruppen und Einzelpersonen.

Weitere Infos unter www.konsumverein.de

Ein Beitrag von Kerstin Lautenbach-Hsu