31. Internationales Filmfestival

Vom 17. bis 22. Oktober findet das 31. Internationale Filmfestival Braunschweig statt. Stargast ist in diesem Jahr Nina Hoss, die für ihre darstellerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur mit der „Europa“ ausgezeichnet wird. Das Festival zeigt an sechs Tagen mehr als 264 Filme aus 42 Ländern, darunter 100 Langfilme, drei Filmkonzerte, zwei Workshops, sowie weitere Veranstaltungen und drei Partys runden das Filmfest ab. Der Kartenvorverkauf startet am 28. September 2017.

Festivaldirektor Michael Aust, Angela Kleinhans (Leiterin Interne Kommunikation und Sponsoring, Volkswagen Financial Services AG) und Orchesterdirektor Martin Weller (Foto: Kerstin Lautenbach-Hsu)

Auch bei der 31. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals Braunschweig wartet sechs Tage lang ein buntes Festivalprogramm auf die Besucher. Insgesamt zeigt das BIFF über 264 Filme aus 42 Ländern. Davon sind 100 Langfilme, von denen 21 ihre Deutschland‐Premiere und eine Produktion ihre Weltpremiere in Braunschweig feiern. Außerdem laufen 164 Kurzfilme, davon 30 als deutsche und fünf als Weltpremiere, 32 Musikvideos außerdem rund 30 Filme, die von Kindern und Jugendlichen gedreht wurden. Außerdem steht eine Video-on-Demand-Plattform zur Verfügung, bei der sich Filmfans für einen geringen Beitrag Filme, die nur kurz in Deutschland gezeigt wurden, ansehen können.

Start mit dem Filmkonzert zu „Matrix“

Das Filmfestival eröffnet am 17. Oktober mit dem Filmkonzert „Matrix Live. Film in Concert“ um 19 Uhr in der Braunschweiger Stadthalle. Es spielt das Staatsorchester Braunschweig unter der Leitung von Don Davis, dem amerikanischen Komponisten der Filmmusik. Das Film-Live-Konzert verbindet die visionären Science-Fiction-Bilder mit dem Klang eines großen Symphonieorchesters und stellt eine „enorme Herausforderung für ein Orchester dar“, wie Martin Weller, Orchesterdirektor des Braunschweiger Staatstheater anmerkt. Die für diesen Konzertabend eigens präparierte Tonspur des mit vier Oscars ausgezeichneten Films enthält nur die Dialoge. Die Filmmusik von Don Davis und die Effekte werden live und synchron zum Film gespielt.

Neben dem Eröffnungskonzert „Matrix Live“ und dem „Gesprächskonzert Jan A.P. Kaczmarek“ am Donnerstag, 19. Oktober um 20:30 Uhr zeigt das Festival zwei weitere Filmkonzerte. Am Mittwoch, 18. Oktober entführt die andalusische Kontrabassistin Inma Galiot mit ihrem Ensemble La Rosa Negra in die Welt von „Evelyn“. „Evelyn“ ist die Verfilmung der preisgekrönten Graphic Novel „Evelyn, el misterioso caso de Dr. Corman“ von Andres G. Leiva. Animiert von Anna Levinson, erwachen die blutgetränkten und nebeldurchzogenen Straßen Londons um 20:30 Uhr in den Braunschweiger Schlossarkaden auf großer Leinwand zu neuem Leben. Zudem präsentiert das Festival am Freitag, 20. Oktober, 20:00 Uhr das Stummfilmkonzert „Stephan von Bothmer: Luther“ als Beitrag zum Reformationsjahr im Braunschweigischen Landesmuseum.

Retro für Filmkomponist Jan A.P. Kaczmarek

In einer Retrospektive widmet sich das Filmfest dem polnischen Oscar‐Preisträger Jan. A.P. Kaczmarek mit sechs Filmen, darunter auch „Finding Neverland“ (Wenn Träume fliegen lernen) mit Johnny Depp und Kate Winslet, für dessen Score Kaczmarek 2005 den Academy Award erhielt. Im „Gesprächskonzert“ wird Kaczmarek im Gespräch mit Filmkomponist Matthias Hornschuh über seinen Lebensweg zwischen Hollywood und Polen berichten. Anhand von Film‐ und Musikausschnitten gibt Kaczmarek dabei Auskunft über das Entstehen seiner Musik und über die Zusammenarbeit mit bedeutenden Regisseuren wie Max Färberböck, Lasse Hallström und Lajos Koltal. Der Maestro wird sich selbst an den Flügel setzen und mit Mitgliedern des Staatsorchesters Braunschweig Auszüge aus seinen Werken zeigen.

Preisverleihungen

Im Publikumswettbewerb für europäische Debüt‐ und Zweitfilme um den „Heinrich“ präsentiert das Festival zehn Produktionen aus zehn Ländern, darunter acht deutsche Premieren.

Eine Jury aus sechs jungen Deutschen und Franzosen zwischen 16 und 21 Jahren vergibt den KINEMA-Jugendpreis für den besten Debütfilm aus Deutschland oder Frankreich. Seit letztem Jahr vergibt das Festival auch den „Schwarzen Löwen“. Den mit 2.500 Euro dotierten Preis verleiht eine dreiköpfige Jury für den besten Film der „Beyond“-Reihe. Mit dem ebenfalls im letzten Jahr erstmals vergebenen „Goldenen Vier Linden“ zeichnet das Festival den besten Preis der „Heimspiel“‐Reihe aus. Mit spannenden Krimis, regionaler Vielfalt und internationalen Festivalhits zeigt sich die Filmregion Braunschweig 2017 von ihrer besten Seite: Nora Fingerscheidt gewann mit „Ohne diese Welt“ den Preis für den besten Dokumentarfilm in Saarbrücken beim Filmfestival Max Ophüls und Sarah Ben Hadouze war für ihren Film „Wald“ für den besten mittellangen Film in Saarbrücken nominiert. „Gabi“ mit der brillanten Gesa Flake lief im Februar auf der Berlinale und der türkische Film „Clair Obscur“ mit Mehmet Kurtulus war zu Gast in Toronto, Warschau, Kopenhagen und Tallinn. Hinzu kommen die aktuellen Projekte der Filmstudiengänge der Hochschule für Bildende Künste und der Ostfalia, die Filme des Selbstfilmfestivals durchgedreht24 sowie die Filmvermittlungsprojekte „BIFFI Tapes“ und „Filmklappe“. Die Preisverleihung findet am 21. Oktober, 19:00 Uhr im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig statt.

Außerdem ehrt das Braunschweiger Filmfest die deutsche Schauspielerin Nina Hoss für ihre herausragenden darstellerischen Leistungen und Verdienste um die europäische Filmkultur mit der „Europa“. Hoss wird um 15:30 Uhr zunächst dem Filmpublizisten Daniel Kothenschulte im Filmgespräch Rede und Antwort stehen, bevor sie am Abend den mit 15.000 Euro dotierten Preis entgegennimmt.

Mit „Green Horizons“ zu einer besseren Welt

Die Reihe „Green Horizons“ beleuchtet in diesem Jahr mit dem Film „Free Lunch Society“ soziale Aspekte der Nachhaltigkeit mit Dokumentationen zum Bedingungslosen Grundeinkommen und die Flüchtlingsrettung auf dem Mittelmeer mit dem Streifen „Astral“. Klimatische Aspekte mit Beiträgen zur Dürreproblematik in Kenia stehen bei „Thank you for your Rain“ im Vordergrund. „Sea Tomorrow“ macht auf die Austrocknung des Aralsees aufmerksam, beim Dokumentarfilm „Seed: The Untold Stoy“ wird für den Erhalt alten Saatguts geworben.

“Witches at midnight“

Während im vergangenen Jahr Edgar Allan Poe in der Reihe „… at midnight“ im Mittelpunkt stand, treibt bei der 31. Ausgabe das Hexenvolk sein Unwesen. „The VVitch“ von Regisseur Robert Eggers leitet eine Hexenfilmrenaissance ein. Gezeigt werden fünf Filme mit dem Fokus auf Frauen, die ihrem Schicksal entschlossen entgegentreten und zur Erreichung ihres Ziels unkonventionelle Mittel wählen. Psycho‐Horror unter gleisender Sonne und im finsteren Haus bescheren „The Noonday Witch“ und „A Dark Song“. „The Love Witch“ (deutsche Premiere) geht das Thema zwar retro‐beschwingt, aber nicht weniger tödlich an. Freunde des Gruselfilms dürfen sich also auf "Witches at midnight" freuen.

„Never Ending Stories“

Die Ausstellung „Never Ending Stories“ im Kunstmuseum Wolfsburg nimmt das Filmfest als Anlass, eine filmische Reflektion zum Thema beizusteuern. Der „Loop“ ist fester Bestandteil der heutigen Popkultur, u.a. in Musik, Tanz, Musikvideo, Computerspiel. Im Film ist der Loop entweder (positiver) Traum oder (negatives) Trauma wie in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ von Harold Ramis, dem Science‐Fiction‐Drama „Moon“ und „Source Code“ von Duncan Jones, Omer Fasts „Remainder“ und „Vergiss mein nicht!“ von Michel Gondry.

„Neue Deutsche Filme“

In der Reihe „Neue Deutsche Filme“ lotet die Regisseurgeneration der 70er und 80er Jahre in acht Filmen das gesamte Spektrum des menschlichen Wesens aus. Als Nachklapp zum gerade vergangenen Wahlkampf lässt sich die Politsatire „Usgrächnet Gähwilers“ der Deutschland‐Premiere des Schweizer Regisseurs Martin Guggisberg lesen. In „Die Tochter“ reagiert die 7‐jährige Luca eifersüchtig auf das Neuverliebtsein der Eltern. Jürgen Vogel spielt Ötzi in „Der Mann aus dem Eis“ ‐ Sprache ist hier Nebensache! Ohne Sprache kommt auch der Dokumentarfilm „Homo Sapiens“ von Nikolaus Geyrhalter aus. Eine Parabel über die Macht der Musik zur Zeit Mozarts in Wien ist Barbara Alberts „Licht“.

„QUE*RSCHNITT: Neue LGBTQI*-Filme“

Mit Unterstützung des Vereins für sexuelle Emanzipation e.V. (VSE e.V.) veranstaltet das Festival zum ersten Mal eine LGBTQI*‐Filmreihe, die die Vielfalt abseits des heteronormativen Kinos widerspiegelt. Die Reihe „QUE*RSCHNITT: Neue LGBTQI*-Filme“ zeigt die Vielfalt und Akzeptanz alternativer Lebensentwürfe wie die bemerkenswerte Lebensgeschichte von „Tamara“ Adrián, der ersten Transsexuellen‐Politikerin von Venezuela. Vor wenigen Tagen für den Auslands‐Oscar nominiert wurde die französische Produktion „BPM“ über Aktivistengruppe ACT UP im Paris der 90er Jahre bei ihrem Kampf um Anti‐Aidsforschung, Aufklärung und Betreuung.

„SOUND ON SCREEN“

Die Musikfilm-Reihe „Sound on Screen“, von Universum Filmtheater und Café Riptide ist mittlerweile zur Institution geworden. Als deutsche Premieren zeigt das BIFF in diesem Jahr die Star‐Porträts über den weltweit gefeierten Jazz‐ und Soulsänger Gregory Porter („Don’t Forget Your Music“) sowie „Placebo: Alt Russia“ über die Alternative Rock‐Heroen. Regiestar Michael Winterbottom geht mit „On The Road“ on tour mit Wolf Alice, der angesagten Indie‐Band aus London. „A Life In Waves“ stellt Elektronik‐Pionierin Suzanne Ciani vor und „When God Sleeps“ ist die packende Dokumentation über den mit einer Todes‐Fatwa belegten iranischen Rapper Shahin Najafi. Am Samstag, 21. Oktober in den Schlossarkaden entführt DJ‐Ikone Lefto aus Belgien mit „Lefto in Transit“ in die Undergroundszene von L.A., London und Seoul. Am Donnerstag, 19. Oktober findet ab 21 Uhr die „Sound-on-Screen“-Party im Café Riptide statt.

Schulvorstellung & KinderKino

Für Schulklassen zeigt das Festival am 18. und 19. Oktober um 11:00 Uhr „Raving Iran“. Das packende Porträt zweier Techno‐DJs in Teheran wurde mit dem FIRST STEPS Awards 2016 ausgezeichnet.
Anmeldung bei ticketing@filmfest-braunschweig.de oder 0531 ‐ 70 220 20.

Am Sonntag, 22. Oktober ist im C1 Cinema echtes Familienkino angesagt. Um 11:00 Uhr retten zwei Kinder in „The Blue Tiger“ ihren Botanischen Garten mit Hilfe eines magischen blauen Tigers. Um 13:00 Uhr lädt Veit Helmers kunterbuntes Märchen „Quatsch und die Nasenbärbande“ zum Lachen und Staunen ein – beide Filme frei ab 0 Jahre.

Kinderwagen Kino

Für alle, in deren Leben gerade Windeln, Fläschchen und Spuktücher eine zentrale Rolle spielen, zeigt das BIFF an drei Tagen (18. bis 20. Oktober 2017) jeweils um 11:00 im Roten Saal des Kulturinstituts drei Filme aus dem Festivalprogramm – „Little Crusader, „Der Nobelpreisträger“, „Katie Says Goodbye“ – unter besonderen Bedingungen: Der Ton ist leiser, das Licht nicht vollständig gelöscht und es wird ausreichend Platz für Kinderwagen etc. zur Verfügung stehen.

Kartenvorverkauf

Tickets gibt es für 8, 50 Euro. Die 5er Karte kostet 38 Euro, die 10er Karte ist für 72 Euro zu haben, der Preis für die Dauerkarte beträgt 98 Euro. Außerdem gibt es am Mittwoch den 18. Oktober den Studi‐Tag, bei dem Studierende Karten für reguläre Vorstellungen zum ermäßigten Preis von 2,50 € erhalten. Der Preis gilt allerdings nur für Filme, die an diesem Tag laufen – Tickets für folgende Tage können nicht zu diesem Preis erworben werden.

Der Kartenvorverkauf startet am 28. September 2017 online auf der Homepage des Filmfestes und ab dem 07. Oktober 2017 im Universum Filmtheater.

Weitere Infos unter www.filmfest-braunschweig.de

Ein Beitrag von Kerstin Lautenbach-Hsu