Projektinitiative „Urbane Logistik“ bringt starke

Volle Straßen in Wohnquartieren, Fahrzeuglärm, Emissionen und Lieferverkehr – der zunehmende Online-Handel und eine wachsende Bevölkerung erfordern in den Städten neue Konzepte für den Wirtschafts- und Logistikverkehr. Hannover startet deshalb zusammen mit Unternehmen und Hochschulen ein bundesweit bisher einmaliges Modellprojekt „Urbane Logistik“. Der Bund hat für das Projekt jetzt Forschungs-Fördermittel bewilligt.

Starteten die Initiative Urbane Logistik Hannover: (v.li) Prof. Dr. Josef von Helden (Präsident der Hochschule Hannover), Professor Bernhard Friedrich (Institut für Verkehr und Stadtbauwesen im NFF der TU Braunschweig), Uwe Völker (Leiter des Regionalen Geschäftsbereichs Betrieb Nord, Deutsche Post DHL Group), Dr. Susanna Zapreva (Vorstandsvorsitzende enercity/Stadtwerke Hannover AG), Stefan Schostok (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover), Dr. Eckhard Scholz (Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen Nutzfahrzeuge), Karin Beckmann (Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung). Prof. Dr. Volker Epping (Präsident der Leibniz Universität Hannover). (Foto: VWN/LHH/Scheffen)

„Wir wollen Modellregion für den Lieferverkehr der Zukunft werden. Es geht um saubere, leise, effektive und damit zukunftssichere Logistikkonzepte in unseren Städten. An Bord der in dieser Form einzigartigen Kooperation haben wir starke Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft“, umreißt Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok das Projekt.

Intelligente Vernetzung und smarte Mobilitätslösungen können Liefer- und Logistikverkehr effizienter und ressourcenschonender gestalten. Digitale Kommunikations- und Steuerungstechniken können bedarfsgerechte Transporte organisieren und unkoordiniert entstehende Leerfahrten vermeiden. Der Einsatz von elektrisch angetriebenen Lieferfahrzeugen kann einen Beitrag zur Luftreinhaltung in den Städten leisten.

Die vielen technologischen Ideen sind jedoch bislang nicht zusammengeführt. So gibt es noch keine praxistauglichen Lösungen für einen ganzen Stadtteil oder gar eine Großstadt. Das will die Projektinitiative „Urbane Logistik“ in Hannover nun modellhaft entwickeln und erproben.

Ins Leben gerufen haben die Projektinitiative aus Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft Oberbürgermeister Stefan Schostok und Dr. Eckhard Scholz, Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge (VWN). Als Partner im Lenkungskreis vertreten sind neben der Landeshauptstadt und VWN bislang der Logistik-Marktführer Deutsche Post DHL, die Stadtwerke Hannover AG (enercity), die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover, das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) an der Technischen Universität Braunschweig und das Land Niedersachsen. Nach einer intensiven Vorbereitungsphase geht das Projekt „Urbane Logistik“ jetzt in die Umsetzungsphase.

Das jetzt von der Bundesregierung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt USEfUL soll Liefer- und andere Wirtschaftsverkehre analysieren und am Beispiel hannoverscher Stadtviertel (Living Lab) in neue Lieferkonzepte münden lassen. Ziel ist eine auch für andere Kommunen nutzbare Web-Applikation als Entscheidungshilfe für zukunftssichere Logistikkonzepte in den Städten. Eine wesentliche Rolle spielen für den künftigen Lieferverkehr schadstofffreie Elektrofahrzeuge. Diese sollen in Hannover schon bald verstärkt zum Einsatz kommen.
Die Projektinitiative

Ihren Ursprung hat die Projektinitiative Urbane Logistik im Stadtdialog „Mein Hannover 2030“, in dem der Handlungsbedarf für die Zukunft insbesondere des städtischen Lieferverkehrs deutlich wurde. Auf dieser Basis rief OB Stefan Schostok mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die Projektinitiative ins Leben. Nach Aufbau und inhaltlicher Ausgestaltung des Projektes, ersten öffentlichen Präsentationen (Zukunftstag „Urbane Mobilität“ 2014; Kongress „Urbane Logistik“ IAA Nutzfahrzeuge 2016), Beschluss der Ratsgremien der Landeshauptstadt (Frühjahr 2017) folgte der Projektantrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung für die Erstellung des Web-Tools USEfUL. Mit dem grünen Licht des Bundes geht dieses Pilotprojekt zur „Urbanen Logistik“ jetzt in die Umsetzung.
Vier Teilprojekte

Projekt 1 – Aufbau einer wissenschaftlichen Kompetenzregion
Die Akteure wollen mit ihrer Kompetenz Hannover als Wissens- und Forschungszentrum für „Urbane Logistik“ etablieren. Gemeinsames Ziel von Stadtverwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft: Aufbau einer Forschungsinfrastruktur am Standort Hannover als wissenschaftliche Grundlage für konkrete Projekte. Im ersten Schritt werden die Hochschulen, aber auch Volkswagen Nutzfahrzeuge und enercity gezielt Forschungsarbeiten und Promotionsstipendien für diesen Themenbereich fördern und finanzieren.

Projekt 2 – Neues System für Verkehrsmanagement
Die Basis für die Steuerung des Verkehrs der Zukunft liegt in der Erhebung und Nutzung von Daten. Dafür müssen die Daten in einem System zur Erfassung, Bewertung und Nutzung von Umwelt- und Verkehrsdaten (Verkehrsfluss, Emissionen, Fahrzeug-/Flottendaten etc.) zusammengeführt werden. Im zweiten Schritt wird ihre Relevanz für Maßnahmen der „Urbanen Logistik“ untersucht, insbesondere auch im Hinblick auf die bestehenden städtischen Ziele der Mobilitäts- und Klimaschutzplanung.

Projekt 3 – Pilotquartiere “Urbane Logistik“ (Simulation & Erprobung)
Ein Herzstück des Projektes ist die Entwicklung von innovativen Logistikkonzepten (u.a. Zustell- und Fahrzeugkonzepte) in ausgewählten Stadtquartieren exemplarisch für den gesamten Modellraum der Stadt Hannover. Hier werden zukünftige Konzepte zunächst simuliert und mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ausgewertet und erprobt. Eingeschlossen ist die Evaluation in Bezug auf Nachhaltigkeit und Effizienz (u.a. Verkehr, Zeit, Emissionen), aber vor allem auch auf die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Projekt 4 – Ausbau der kommunalen & gewerblichen E-Mobilität
Die Projektpartner schreiten auch bei alternativen Antriebstechnologien und neuen Produkten voran. E-Mobil-Flotten sollen im kommunalen und gewerblichen Bereich (Personen-, Güterwirtschafts- und Dienstleistungsverkehr) stärker und sichtbar eingesetzt werden. Es geht auch darum, neue Produkte zu entwickeln und so auch den Marktanteil schadstofffreier Fahrzeuge in Hannover zu steigern.
Die nächsten Meilensteine

Entwicklungsprojekt USEfUL
Die Förderzusage des Bundes über insgesamt rund 2,0 Millionen Euro macht den Weg frei für das Entwicklungsprojekt USEfUL. Das Kürzel steht für Untersuchung, Simulation und Evaluation für Urbane Logistik. Binnen drei Jahren entsteht ein webfähiges Tool zur Simulation unterschiedlicher Räume in der Stadt. Dieses liefert Daten für alternative Logistikkonzepte im Modellquartier und lässt sich auf andere Quartiere in anderen Städten anwenden. Am Beginn steht eine Analyse des Wirtschaftsverkehrs (verknüpft mit Daten zu Bevölkerungsstruktur, Verkehr, Umwelt) im Modellquartier in Hannover. Partner sind die Landeshauptstadt, Volkswagen Nutzfahrzeuge, die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Hannover und die TU Braunschweig.

Umstellung einer Logistikflotte auf E-Fahrzeuge (DHL/enercity)
Der Logistikkonzern Deutsche Post DHL stellt in Hannover in Kürze seine Lieferflotte in Teilen von Hannover auf eigens entwickelte Elektro-Fahrzeuge um. Hannovers Stadtwerke enercity schaffen für DHL die Ladeinfrastruktur.

Auswahl von Modellquartieren (Landeshauptstadt)
Zur Jahreswende 2017/18 wird die Landeshauptstadt Pilotquartiere für das Modellprojekt benennen. Hier sollen die Bevölkerungsstruktur und ihre Bedürfnisse, Verkehrsströme und ihre Auswirkungen auf die Umwelt exemplarisch untersucht werden. Neue Konzepte zum Wirtschaftsverkehr werden simuliert und in einem Realversuch im sogenannten Living Lab erprobt, insbesondere im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit, Verlässlichkeit, Umweltfreundlichkeit und Akzeptanz.

Bürgerbefragung im Modellquartier (Landeshauptstadt)
Die Beteiligung der Bevölkerung im Pilotquartier ist ein wichtiger Baustein des Projektes. Im Frühsommer 2018 ist eine Bürgerbefragung geplant. Einstellungen und Meinungen der Bevölkerung zur aktuellen Situation und zu möglichen Veränderungen sollen bereits in der Konzeptphase einfließen. Die Akzeptanz der Bevölkerung spielt bei der Evaluation neuer Konzepte eine zentrale Rolle.

Quelle: TU Braunschweig