Braunschweiger Forschungsflugzeug über der Nordsee

„D-IBUF“ bei abschließenden Windpark-Messkampagne

Das Braunschweiger Forschungsflugzeug „D-IBUF“ und ein Forschungsteam des Instituts für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig unter Leitung von Professor Peter Hecker sind seit Dienstag, den 8. August 2017, zur abschließenden Messkampagne über der Nordsee in der Luft. Vom Flugplatz Wilhelmshaven aus werden die Nachläufe der Offshore-Windparks bei verschiedenen Wetterlagen vermessen. Je nachdem, wie ruhig oder turbulent die Atmosphäre ist, wurde eine reduzierte Windgeschwindigkeit hinter den Windparks in Entfernungen von mehreren Kilometern bis hin zu über 50 Kilometern gemessen. Die letzte Messkampagne füllt gezielt Datenlücken, die bei den bisherigen Auswertungen aufgefallen sind.

Blick aus dem Forschungsflugzeug „D-IBUF“ vom Institut für Flugführung der Technischen Universität Braunschweig bei einem Messflug über der Nordsee. (Foto: TU Braunschweig)

„Wir wollen bei den Messflügen in den nächsten Tagen nochmals die langen Nachläufe bei stabilen Bedingungen und verschiedenen Windrichtungen überprüfen. Außerdem wollen wir die Mechanismen weiter untersuchen, wie sich bei turbulenten Bedingungen die reduzierte Windgeschwindigkeit schon kurz hinter den Windparks wieder erholt“, erläutert Projektleiterin Dr. Astrid Lampert.

Nach Möglichkeit werden die Flüge gleichzeitig mit SENTINEL-Satelliten Überflügen durchgeführt, mit denen über die Veränderung der Wellen ebenfalls die Windgeschwindigkeit berechnet wird. Zusätzlich werden für das Projekt Wind-Messungen an verschiedenen Standorten wie zum Beispiel Helgoland und St. Peter-Ording analysiert. Außerdem werden die Wetterlagen in Modellen simuliert, und die Darstellung der Windparks sowie ihrer Auswirkungen auf die Atmosphäre mit den Flugzeug-Messungen überprüft.

Die Messungen sind Teil des Verbundprojektes „WIPAFF – Windpark-Fernfeld“ zur Erforschung der Auswirkungen von Offshore-Windenergieanlagen auf das lokale Klima. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, den weiteren Ausbau der Windkraftnutzung in der Nordsee möglichst effizient und umweltverträglich zu gestalten. Die bisherigen Messflüge aus dem September 2016, März/April 2017 und Mai/Juni 2017 zeigten eine reduzierte Windgeschwindigkeit und erhöhte Turbulenz hinter den Windparks. Die ersten Ergebnisse sind zurzeit in Begutachtung von wissenschaftlichen Zeitschriften.
Zum Verbundprojekt „WIPAFF“

Satellitenbilder zeigen, dass hinter Offshore Windparks die Struktur der Wasseroberfläche verändert ist. Das liegt daran, dass durch die reduzierte Windgeschwindigkeit auch die Wellenbewegung und damit die Rauigkeit der Meeresoberfläche verändert werden. Dieses Phänomen wird im WIPAFF-Projekt mit einer Kombination aus Messungen, Analyse von Satellitenbildern und Modellierungen untersucht. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen dazu beitragen, den weiteren Ausbau der Windkraftnutzung in der Nordsee möglichst effizient und umweltverträglich zu gestalten.

Das Forschungsprojekt wird vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordiniert. Beteiligt sind neben dem Institut für Flugführung der TU Braunschweig die Eberhard Karls Universität Tübingen, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und die UL International GmbH (vormals DEWI Deutsches Windenergie-Institut). Es wird über einen Zeitraum drei Jahren mit einer Gesamtsumme von 1,75 Millionen Euro, davon rund 480.000 Euro für das Teilvorhaben an der TU Braunschweig, durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert.

Quelle: TU Braunschweig